Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 8/9 - Oktober
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 96 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Anteil des Ordens an der Bekämpfung des Antisemitismus. %• Von Br. Dr." H e i n . * Das';oblgeiTbema, am dessenlBesprechung der sdiriftleitende Ausschuß unserer Berichte mich ,gebeten|hat, entbehrtfnichCder Paradoxie, ja, eines gewissenXpikanten^Reiztrti DenrTnicht genug.'daß der Orden als sojcherlunmittelhare'positive Arbeit zur Bekämpfung des Antisemitismus und seiner Folgeerscheinungen nicht leisten kann — weder nach seiner äußeren Organisation noch nach seiner [ausschließlich nach innen, auf Veredlung seiner Mitglieder gerichteten , Tendenz —, es wird ihm sogar nicht selten vorgeworren, daß er mittelbar die ludenfeindsebaft fördern belfe und unsere nichtjüdiseben Freunde kopfscheu mache. Wer an der Logengründungsarbeit auch nur, wie der Verfasser dieser Zeilen, einen sehr bescheidenen Anteil nehmen konnte, der kennt das Hauptargument, das uns immer wieder entgegengehalten wird: wozu einen neuen Zusammenschluß von Juden der naturgemäß den Abstand zwischen uns und den Anderen, auf dessen Beseitigung alles ankommt; nur vermehren kann? Und vollends, als die Ordensidee in das — an jüdischen Vereinen damals noch recht arme — Deutschland verpflanzt wurde, wie lebhaft erhob sich damals der Widerspruch gegen eine Verbindung, die schon in dem stolzen Namen Bnei Briss die Erinnerung an die uralte geschichtliche Auszeichnung Israels zur Geltung brachte, und zwar in der Sprache der Väter, die so'mancher Vorkämpfer einer restlosen Anpassung so gern von den Lippen der Enkel verbannt hätte! . I Solchen Bedenken gegnerischer Kreise, die auch heute noch nicht völlig verstummt sind, liegt eine ganz bestimmte Aulfassung von unserer Taktik lim Abwehrkamp; zugrunde. Sie steht das beste, ja, das einzige Mittel zur Bekämpfung des Antisemitismus in der allmählichen, stetig fortschreitenden E n t j u d u n g der (udenheit, in der planmäßigen Beseitigung alles dessen, was uns in heiligen Erinnerungen] in der Innerlichkeit wie in der Ausprägung unseres religiösen Lebens von den Anderen trennt. Und schondarin liegt-ein gar nicht hoch genug anzuschlagendes Verdienst der "Loge, daß sie erklärt} — schon durch ihre bloße Existenz erklärt —: dieser Weg zur Bekämpfung der Judenfeindschaft ist nicht der richtige; denn er führt zu einer Zersetzung des Judentums, die, vom Standpunkte seiner geschichtlichen Sendung aus betrachtet, verderblicher zui crem a n n in Breslau, achten ist als der offene wirklich unser äußerer unserer jüdischen Seele unsere Gemeinschaft voi zwischen äußerem Interesse und geschichtlicher Treue, wie leider so oft manche! Ihrer Mitglieder, so müßte der Genius des Judentums den Weg der Pflicht gehen, ohne nach den Folgen zu fragen. - Aber hat sich denn jeier Weg der „Assimilation", den Ehre und Gewissen wirklich als der rechte semitismus erwiesen? müßten wir Juden längst aus taktischen Gründen, sie blendete. Und hat Haß seiner Gegner. Wäre Vorteil an die Preisgabe geknüpft; stünde wirklich der schmerzlichen Wahl uns zu gehen verbieten, cur Bekämpfung des Anti- Wenn dem so wäre, dann herrliche Zelten haben in unserem deutschen Vaterlands. Denn weite, sehr weite Schichten sind diesem Wege gefolgt, nicht bloß sondern auch, weil der Glanz der äußerlich überlegenen nichtjüdischen Kultur sich der Antisemitismus weniger gegen die Häuser gerichtet, in denen der Weihnachtsbaum und, wenn nicht für den Sohn, so doch für den Enkel, das Taufbecken stand, als gegen die Massen im Osten? einst unsere Religio Hat man uns nicht, wie n, so heute unsere Religionslosigkeit oder doch die mancher innerlich längst assimilierter Publizisten und Politiker vorgeworfen? Wem solche Erscheinungen nicht längst den Star gestochen hsben, dem mußten eigene Erlebnisse im Schützengraben oder die Erzählungen seiner Freunde zeigen, daß die innerliche Loslösung des Juden von der geschichtlichen Grundlage seiner Existenz den Haß seiner Gegner nicht beseitigen, sondern höchstens — in Verachtung wandeln kann. Daher ist der Weg des modernen Juden ein anderer als der, den falsche Freunde in der vorvorigen Generation ihm wiesen. Und führend beschreitet ihn der Orden. Nicht Entjudung: Verinnerlicbung und Vertiefung des jüdischen Gemeins ch a f t s b e w u ß 15 e i n s sind die Ziele, die er anstrebt, — um ihrer selbst willen, gewiß: aber zugleich in der Hoffnung, berechtigte Einwände, die gegen uns erhoben werden, entkräften und die Wunde, die der Rassenhaß den deutschen Volke geschlagen hat, wenn nicht heilen, so doch wesentlich entgiften zu können. Nicht vieles wirkt auf den Nichtjuden so peinlich, wie die Unsicherheit des Juden gegenüber 96 —