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Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-10-01 · Nr. 8/9 - Oktober · p. Seite 94

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 8/9 - Oktober
Date
1920-10-01
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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im Wahren gesucht, seine Seele lebt und ist unsterblich, unvergänglich. Was wären wir heute ohne das Athen des Plato und Aristoteles, ohne die Stadt .der Künstler und Poeten?" I . I Fast acht Jahrzehnte strebt der Orden dem Menscbheitsgedanken nach, fast vier Jahrzehnte in Deutschland. Er gehört einer größeren Gemeinschaft an, die zwei Jahrtausende um die Anerkennung dieses Gedankens ringt. Ais der Verfasser dieser Zeilen ein junger Student war, half er die erste jüdische Verbindung mitgründen, die sich dem Antisemitismus enkset entgegenwarf. Die Denkschrift '•) der jungen Verbindung schloß mit den hoffnungsfrohen Worten: „Der Genius des Jahrhunderts — es war das. lQte — trägt uns die Fackel voran. Mit dem Anfang des 20 len Jahrhunderts ist nach den bisherigen Erfahrungen nicht viel Staat zu machen, j Der Orden und die jüdische Gemeinschaft kann bezüglich des Menschbeitsgedarikens die studentische Zuversicht auidehnen und ausrufen: Der Genius aller Jihrhunderte trägt uns die Fackel voran! *■) Denkschrift der Veraindung Vi ad ri na Breslau. Ferienheime. Von San.-Rat Dr. O Unser Grundsatz, „nichts für uns, alles für die Gesamtheit" war meiner Ansicht nach stets ein Hemmschuh*) für unsere Wirksamkeit und: Tatkraft Es muß beißen „Für uns.und die Gesamtheit!" dann hätten wir bedeutend mehr Positives geleistet. Bleibt es uns doch frei, wenn wir etwas für uns schaffen, auch die Gesamtheit daran teilnehmen zu lassen, sobald unsere eigenen Bedürfnisse einigermaßen befriedigt sind. Soviel Egoismus steckt in jedem Menschen, daß er viel leichfer geneigt ist, seine Mittel zur Verfügung zu stellen, wenn er weiß, daß sie auch für ihn und' seine Brüder von Nutzen sein könnten. Bereits im Jahre 1906 habe ich in unserem Logenblatte (Nr. 7) nachzuweisen versucht, welches dringende Bedürfnis zur Schaffung von Erholungsheimen für uns und -besonders für unsere Kinder vorliegt Ich zeigte darin, wie es tatsächlich nur dem notorisch Reichen möglich, ist, sowohl sich selbst als auch seinen Kindern alljährlich eine richtige Erholungsreise zuteil werden zu lassen. Und wie oft kommt es auch bei diesen - vor, daß sie gerade, wenn die Kinder Ferien haben, nicht abkömmlich sind und rünwald-Erfurt. diese nicht begleiten Kurort aufsuchen müssen, der nicht eignet. , Wie angenehm Gewissen und beruhigt freuung gemeinsam mit können, oder daß sie einen sich für die Kinder wäre auch solchen Eltem ein Heim, dem sie ihre Lieblinge mit gutem anvertrauen könnten, weil sie dort unter schwesterlicher und brüderlicher Beanderen gleichgesinnten und Bruderkindern ihre Fer len zu- *) Die Forderung: „Nichts für uns, alles für die Gesamtheit!" hat durch die natürliche Entwicklung der Dinge eine Einschränkung erfahren müssen. Daß sie stets ein Hemmschuh gewesen ist, möchteii wir im Gegensatz zu dem geschätzten Verfasser des vorliegenden Aufsatzes bestreiten. Seiner Fassung: „Für uns und die Gesamtheit!" möchten .wir die Umstellung entgegensetzen: „Für die Gesamtheit und uns!" (Das Red.-Komitee.) gleichgestimmten bringen könnten. Andererseits gibt esj auch in unseren Kreisen viele, die die Mittel für Erholungsreisen für sich und ihre Kinder nicht aufbringen können. Da sind schon die Armen weit besser daran. Sie schämen sich nicht, ihre Kinder für die Ferienkolonien anzumelden und überlassen alles weitere der Fürsorge der betreffenden Wohlfahrtsgesellscbaften. Wie oft habe ich 'solche Kinde«, die ich zur Aufnahme in die Ferienkolonien zu untersuchen hatte, um ihren fast jährlichen Aufentball in Kurorten im stillen beneidet, während viele Kinder von Brüdern zu Hause bleiben mußten, weil sie nicht arm genug waren, sich an Wohlfahrlsgesellschaf en zu wenden, nicht reich genug aber, sich selbst zu helfen. Hier ist also eine Lücke vorhanden, die ausgefüllt werden muß. Unterdessen sind auch in unserem Orden gewichtige Stimmen laut geworden, daß wir auch für die Ertüchtigung unserer Jugend Sorge tragen müssen. Die Eugenik unserer Jugend ist eine dringende Forderung unserer Zeit geworden. Und mit Recht Lesen wir eine Statistik über Nervenkrankheiten, so finden wir die Juden mit einem er-

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