Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 6/7 - August/September
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 83 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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der überwiegenden Wissen verfügen tagt, ich hasse ihn, weil er ein Jude ist, gegen diesen könnten wir nichts tun, liebe Schwestern, selbst wenu wir Götter wären, die ja bekanntlich gegen diese gewisse Oelstesrichmng ebenfalls vergeblich kämpfen. Aber es gibt doch eine große Anzahl Antisemiten, und das ist wohl d e Metu£e!t, welche Gründe gegen uns zu bhben glauben oder doch vorgeben, sie zu baben. Und da wir natürlich mit Fehlern behaltet sind wie jeder Sterbliche, so werden diese Fehler gegen urs eusgebeuiet,und'ausgespielt, jt s^gar aus unsern guien Eigenschaften dreht man uns Schlingen, und aus unserer Geschichte, aus der heil gen Schrift glaubt man, — allerdings zumeist aus Unwissenheit und Unkenntnis — die Berechtigung herleiten zu dürfen, uns mit Schmutz zu bewerfer, tnj zu bekämpfen, zu hassen, zu beE-: i« impfen. Ufid hier setzt unsere Arbeit ein, liebe Schwestern! Es ist eine le:der schon alte, aber dadurch nicht berechtigter gewordene Tatsache, daß wir Frauen in Mehrzahl nicht über viel jüdisches Auch daraus kann man uns nicht allein leinen Vorwurf macben, denn es liegt viel daran* daß von aprs her die jüdische Frau zum „Lernen" oder zur Ausübung der meisten religiöser. Pflichten garnicht zugelassen wurde. D e Frau bat noch beute keine Geltung als „Minjan", d. a. in der Geselhcha-'t der 10 Mi'glieder einer kleinen Gemeinde: wohl ein 13jährigtr Knabe, aber keine noch so reife oder fromme Fr m w rd als „Mjesummon", d. b als dritter in der Gemeinschaft beim Tischgebet anerkannt und kein weibliche » Wesen kann zur Tnora aufgeru'en werden. Natürlicherweise lernten deshalb aucn nur die Knaben etwas im „Cheder", der Gebetschule, der Vater unterrichtete vorwiegend die Söhne I i Hebräischen und in allen heiligen Büchern, das Mädchen aber ging leer aus. Dis spüren wir noch heule! Aber wenn es früner schlimm war, jeizi ist es noch viel schlimmer. Wenn früher die Männer viel wußten und die Frauen wenig, so wissen jetzt die Männer wenig und die Frauen nichts. Ich erwähnte schon, daß ein gut Teil des Antisemitismus auf Unkenntnis be uht. Wenn wir von unseren Gegnern in unserer Geschichte, in unserer Letre, in der heiligen Schrift angegriffen werden, wie viele jüdische Frauen könn'en wohl gebührend parieren, könnten mit Kenntnissen widerlegen, anstatt schweigend unberechtigte Anschuldigungen über sich ergehen lassen zu müssen!? Eines der wirksamsten Mittel im K.rx pf gegen den Judenfeind ist für uns Frauen das wir um kommt dar jüdische Lt lesen wir frsameiiL reicher aus Erwerben vo n W I s 8 c n auf dem weiten Gebiete jüdischer Interessen. Es wird uns vielfach dazu Gelegenheit geboten. Nützen wir sie! Zahlreiche jüdische Vereinigungen, —ich nenne nur den Verein für jüdische Geschichte und Literatur, den Centraiverein deu'scber S'aatibürger jüdischen Glauben«, den jüdischen jugendbund, unsere Loge mit ihrem. Schwesternblind, den jüdischen Frauenverein, die zionistische Vereinigung und andre —-• bieten in Fülle Anregungen und Belehrungen. Jüdische Zeitscnrl'ien, aus denen wir viele notwendige.Kenntnisse schöpfen könnten, wenden wo man sie bä!i,:'vie>fach ven trs jF aucn nicht gdetfn;?uch unsere Logenberierve scbjn allein brdten v.el Bcie'.irende», "zwinge;: sitrj ein ual zum Intetess^ an .atleite^ es r)n; bald v.m selbst. Nützen yXr aucördic . eballe, die bestehenuen Biolfotnek n und vor allem die Bibel, altes ■ und ne'ie'j Wjfctin wir dann rrit jüdischen Kehtitn'sse'n . «gestattet sind, wri auch das Interesse an den Angelegenheiten der Gemeinde wachsen, dimil das toter üte an denen der Judenheit' und, di2.Beiäbigmgj seine Rechte im Kampf zu verteidigen. Und, ' liebe Scbwestini, wir Frauen ' trafen, doch iuejh"' in weit hö'jerem Maße, als\ uns-re Männer <s können, die Sorge um die Aufeiri düngen und Kämpfe, denen unsere Kinder in der Schuh uira später im Leben ausgesetzt sind. Wir klagen und beklagen uns darüber, aber -wir können auch etwas dagegen tun! Wenn wir schon für uns «elber die Notwendigkeit einsehen, unsere Kenntnissj vom Judentum zu erweitern, um wirksam antworten I zu können, um wieviel mehr müssen wir sorgen, düß unsere Kinder lernen, sich zu verteidigen. .Wie k:mk Unwissenheit der Unkecntnis erfolgreich begegnen] Lassen wir unsere Kinder viel Jü isebes lernen! G ben wir ihren gute jüdische Bücher afc Lektüre, halten wir ihnen jüdische Zeitschriften, sorgen» wlr'vor allem nicht nur dalür, daß sie den Religionsunterricht regelmäßig wahrnehmen, — das ist ja selbstverständlich, - sondern flößen, wir* ihnen auch Achtung vor dem Religionsunterricht u id vor allemaucli vor dem Religionslehrer ein; unterstützen wir < sie bei ihren Arbeiten für die jüdischen. Stunden, das w ird auch unsere Kenntnisse gleichzeitig ersprießlich auffrischen; lernen , wir in der 'Beziehung von unsern christlich» Mitbürgern, welche die Religion als Hauptlach ansehen und das -Zeugnis darnach werten. Verbreiten wir aber auch jüdisches Leben in unsern Häusern! Auf das Gemüt des fvndes wirken eben dies : Aeußerungcn religiösen Lebens am meisten. - 83