Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 6/7 - August/September
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 84 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir können nicht verlangen, daß ein Kind, welch« nie die Schönheit, die Weihe und die Innigkeit jüdischer Gebräuche und jüdischen Lebens im Hause erfahren hat, sein Judentum lieben soll. ' Es spürt nur die Feindschaft von außen und hat dem nichts entgegen zu setzen. Wie soll-ein Kind, dis doch den Verstand noch nicht besitzt, aus Klugbeitr- oder Bilügkeitrgiücden zu bandeln, etwas verteidigen, was es nicbt kennt und liebt? Schaffen wir unsern Kindern in der Familie -Frei tag -Abende mit ihrem Kerzenscbirnmer, Sederabende, Chanukahfeiem mit ihrem Kinderglück, dann werden sie keinen Weih- - - f * ». ] riachtsbaum vermissen, werden es nicht als Unglück empfinden, Jude zn heißen, sondern slolz darauf sein,, werden wissen, um was sie kämpfen und wofür sie Anfeindungen ruhig erlragen müssen. Vor allem aber ertüchtigen wir unsere Jugend :ür diese Kämpfe auch durch Slählen, durch Festigen ihrer körperlichen Gesundhei:! Darin hat sich ja vieles gebessert. Man bat uns lange den krummen Rücken, Weichlichkeit und Feigheit vorgeworfen. Es ist wahr, beim Sitzen über den Büchern] im engen Ghetto haben Generationen über Generationen wohl d;e s'äMerne Körperkraft der Makkabäer eingebüßt, aber ein frischer Zug weht gerade, jeizt wieder durch unsere Jugend. Wander- und Turnvereine und vor allem Garten-, Ackerbau- und Handwerkerschulen erziehen uns wieder zu körperlicher Auswirkung und Tüchtigkeit, verleihen der Jugend die Frische, den Mut, den rechten Geist, um Angriffen zu begegnen, und vor allem das nötige Gleichgewicht des Körpers und der Seele, das ihnen ihre Würde aufrecht erhält. Das ist ein wichtiger Faktor im Abwehrkampf: Mehr Würde! Würde zeigen wir nicht, wenn wir unsere Kinder - an unseren höchsten Feieriagen zur Schule gehen lassen und damit dokumentieren, daß' wir unsere tigtnen, erhabensten, uralen Institutionen immer noch geringer echten, ali eine alltägliche Einrichtung der Umwelt. Würde zeigen wir auch nicht, wenn wir selbst oder unsere Angehörigen durchaus in Kreisen verkehren müssen, die uns nicbt achten oder garniebt wollen, ,iP -n wir, die wir selbst viel ältere und ureigene G^a iche und Sitten haben, die ihrigen nachahmen, ihren Weibnachtsbaum, den „Cbrisf-Bautn in Unsere Wohnungen pflanzen und so gleichsam-uns mit geborgtem Schmuck bei einer fremden Familienfeier einschleichen, zu der wir ni;ht geladen sind, während unsere eigenen Gäste daheim vor der Tür stehen. Würde zeigen wir auch nicht, wenn wir unsere Fehler, die ja unzweifelhaft vorhanden sind, aber nicbt mehr und nicht weniger bei den andern, unter uns selbst oder gar den Außet stehenden gegenüber übertreiben, bewitzeln und ver höhnen und so den Antisemitismus in unsern eigenen Reiben pflegen, unsern all erschlimmsten Feind. Würd : voll ist auch unsere übergroße Empfindlichkeit n ich:, die in jedem ausgesprochenen Wort über den „Juden" schon gleich die Feindschaft wittert, eher sowenig, wie es würdevoll wäre, eine offenkundige Schmähung in unserer Gegenwart zu ertragen, obre uns als Juden, als Geschmähte zu erkennen zu gebe« Wir jüdischen Frauen haben es gerade jetzt im Krfege wieder gezeigt, daß wir leisten und leiden konnte 1 wie die ändert;, abtr wir haben auch gesündigt wie sie, und, liebe Sch*es'ern, hüten wir uns div.n! Nicht nur, weil uns mehr am die Finger gesehe i wird, nicht nur, weil die Fehler des einzelnen iron uni immer g eich der Gesamtheit zur Last gelebt werden, sondern weil wl'run Wirklichkeit beweglich :r anpassungsfähiger, findigersind und durch die jah - hundertehnge Unterdrückung mehr auf Schliche, auf Seitenwege eingestellt. Hüten wir uns doppelt, tveil wir Juden sind! Wenn unsere Kinder in dir Schule erzählen, daß ihre Stullen mit Braten beJe rt sind, öder wieviel Milch sie täglich bekommen, wer n bei uns die Gänse aus den Kü.cbenfenstern hänge i daß das ganze Hinterhaus sie sieht, dann heißt, «s, die Juden haben alles, wenn auch die Kinder d;r andern noch so häufig dickbeiegte Scbinkensiu.it n essen. Wir müssen eben bescheidener seip, müssen uns vorsehen, daß nicht gerade jene BewC]j liebkeit, -von der ich. sprach, und unser alter, orienlaji scher Geschmack an Buntem, Glitzerndem und Behaglichkeit und Wohlleben uns verleitet, in alle: modernsten, kostbarsten Kleidern, in wei ••< .t leuchtendem Schmuck aufzutreten, im Theater lmn:r die allerteuersten Plätze zu wählen, — ich erinne e Sie an die fatale NürnbergerAffaire — denn es wild uns eben nur als Geldbesitz und als Protzen um ausgelegt und neidvoll gegen uns immer wiedei die Oetfemlichkeit gezerrt, Ich weiß, daß ich in meiner kurzen nicht Neues gegeben habe Und doch halte ich es für . n d:n sammenfassung geben konnte, sprießlieb, daß wir einmal wieder darüber nach gedacht haben, wie unsere Kampfmittel gegen lii die schweren Anfeindungen fa.t nur in Arbeil an uns selber bestehen. Kenntnisse erwerben, Würde und Zurückhaltung bewahren und unsern Kinde n Belehrung und Beispiel bieten, ihnen die Lieh; zun 84 : n Zill d fr-