Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 6/7 - August/September
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 81 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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*\ ' . ' erlaiilichkeit des nationalen Lebens, in dem allein der Oeist der Gemeinschaft entstehen und sich erhalten kann. Auf fremdem Boden aber fehlt uns Juden die Kenntnis des erd- und schicksalgebundenen fremden Volkstums, seiner Seele und seiner Oeschichte. „Die bauende Sehnsucht des jüdischen Volkes weist anderswohin, weist in sein Land." ■ ■ ■ i ,i Ebenso entschieden, wie Buber den internationalen Sozialismus verwirft, verurteilt er. den jüd'sehen Nationalismus, der Israels religiöse- Sendung bestreikt und einem profanen völkischen Ideal nachstrebt. „An dem Tage, an dem^wir' wie alle Völker würden, verdienten wir nicht mehr zu sein " Israels religiöse Aufgabe aber besteht nicht darin, die Überlieferung zu erhalten, sondern aus tiefer religiöser Sehnsucht Neues zu schaffen. Wir müssen mit der Verwirklichung der jüdisclien Ide<r beginnen, auf dem Boden Palästinas in dem neuen nationalen Leben die Gottesgemeinschaft, die heilige Gemeinde aufbauen. „Dann wird auch die Stunde komrrien, da das Wortlos« sich zu Worten, zum neuen Wort begrenzen wird. Im wahrhaften Leben zwischen den Menschen wird das neue Wort sich uns offenbaren." Dem Eindruck dicscrGedanken, die aus hei iggliilieridem Herzen strömen, wird niemand sich entziehen können. Daß Buber so eindringlich auf die religiöse Not der Gegenwart hinweist, den jüdischen Nationa isten die geschichtliche Aufgabe^ Israels ins Gedä.hlnii ruft, verdient dankbare und uneingeschränkte Anerkennung. Dies alles befreit aber den Kritiker nicht von der Verpflichtung, auch auf das Pedenkliche und Falsche an der Schrift Bubers die Aufmerksamkeit lenken. Seine Darstellung der jüdischen Geschichte erscheint mir unrichtig uiid konstruiert. Das rabbinische Judentum ist zwar an schöp'erischer Kraft mit dem prophetischen 'nicht zu vergleichen, der Ritualismus in ihm die sittlichen überwuchert, kann nicht geleugnet werden, wirkt in ihm nicht, wie^Buber meint, allein < Abwehr, sondern lebendige Frömmigkeit und hoher Gewissensernst, der das göttliche Gesetz bis lin seine letzte Konsequenz hinein erfüllen will. Nicht) seelenloser, erstarrter Formalismus ist, das jabbinische Judentum, sondern, wie die jüdischen Märtyrer es bezeugen, glutvolle Religiosität. Und wenn die Tanaim und Amoräer aUcn an aufrüttelnder Kraft weit 'hinter den leidenschaftlichen Gotteskämpfern, den Propheten zurückbleiben, so darf man doch ihre Frömmigkeit nicht passiv nennen, sondern muß ihre stille, zähe und restlose Erziehungsarbert bewundernd anerkennen. ., Falsch abef ist nicht nur Bubcrs Darstellung der jüdischen Geschichte, sondern auch seine Auffassung des Judentums. Sie ist durchaus persönlich und subjektiv und wird der konkreten geschichtlichen Eigenart unseres Glaubens nicht gerecht. Ohne Zweifel liegt die Größe des Judentums darin, daß es mit so elementarer Wucht und so unerbittlicher Strenge seine sittliche Forderung stellt. Darin hat Buber richtig gesehen Aber so gewaltig auch die sittliche Energie unserer Propheten, so sicher, ihre Ueberzeugung vom Sieg des Outen über das Böse, von der Errichtung der Oottesherrschaft auf Erden ist, daß' Forderungen und-dennoch las Motiv der kein einziger vpn ihnen hat sich der Illusion ergeben, selbst der yerhelßene Messias zu sein, keiner von ihnen j hat geglaubt, daß das OottesreUjh unmittelbar bevorsteht. Sie sehen es im Ende der Tage Wirklichkeit werden, aber bis dahin ist für sie noch ein weiter Weg, Gegenwart und Zukunft fließen ihnen nicht in. eins zusammen. Ihr Wirklichkeit! sinn war viel zu .stark, als daß sie hätten annehmen können, die Menschen würden durch, eine plötzliche seelische Umwandlung vollkommen'werden, sie wußten vielmehr, daß eine sittliche Erneuerung nur in - ununterbrochener Arbeit, in langsamem geschichtlichem Wachstum der sittlichen Kräfte sich vollziehen kann. Ihr sittlicher Enthusiasmus verführt sie ..also niemalszu Schwärmerei tu d Selbsttäuschung, sondern bleibt wachsam und besonnen. Buber aber verlangt" nicht nur in;der Gegenwart] die Verwirklichung der Götteshrrrschaft in Zion, sondern trägt auch die Ekstase und ItlHsipnskraftJ seiner mystisch paittheistisclien Frömmigkeit, rn das geschichtliche Jupentum hinein, der Unterschied.^zwisenen dem kloren Realismus unserer Propheten und der unklaren Selnvärr lerei kabbalistischer Denker" versch windet in dein Dämm;rschein romantischer Poesie.. . .Gegen ein: solche Rcmantisierüng ' des Judentums muß aus Grün len der gesctiichilichen Wahrheit Einspruch erhoben. werd :n, aber nicht weniger" aus 'praktischen Gründen. SU führt notwendig zu bedenklichen. Konsequenzen zur Verwischung der Grenzen zwischen Judentum und Cbri« entum. Weil Buber das blbljsch-tälmudische Judentum jnichl in seiner objektiv-geschichtlichen Gestalt, sendern in m; »tisch romantischer Form erblickl, übersteht er, daß zwischen unserer Bibel und dem Evangelium eine unüberbrü rkbare Kluft liegt. Man mag das Neue Testament noch so objektiv betrachten, den geschichtlichen Zusammen: hang mit dein Judentum noch so, stark* betonen, eins bleibt bestehen, daß zwisejhen der tageshelferj. Klarheit und herben Strenge biblischen Denkens und dem Halb-! dunkel unl dtir elegischen $chwäimerei des £vanjeliums der stärkste Gegensatz "her(-scht Daß Jesus sich sefbst für . den Messias gehalten nat, unterscheidet ihn ebenso,' deutlich \on den klassischen jüdischen Propheten, wieder Überschwang und die'Wirklichkeitsfreii)jheit seiner sittlichen Lebte. : Wenn also Buber ihn „denzentralen Juden" nemt, „in dem sich'der jüdische Vcnwirkhchungswille samnel e", so müssen wir deni mit-alle*, Entschiedenheit widersprechen. ,y; '" ' Es ist kein Zufall und auch nicht, religiöser Fanatismus, w nn wir Juden das Evangelium stets -und überall zurückgewiesen und in Jesui nicht den Verkünden jüdischer Oedanken sondern den Schöpfer einer neuen Religion gesehen liaboi. In unserer Zeit zumal, in der eä mehr als jemals darauf ankommt, die Kraft jüdischen Empfindens und das Bewußtsein seiner Eigenart zu stärken, muß daher der linterschied zwischen Bibel und,:-Evangelium so deutlich w ie möglich sichtbar gemacht werden. Rabbiner Dr. Lewko'wttz. Aus dem Spruchborn der Weisen. Spruchpoesie des Talmiind und der rabbinischen Literatur nebst Fabeln, Parabelij und Sagen (N.r. der „Ewigen Weisheit"),r Poetisch v ■" l ■ -. ■ ■;-i im />.. i •-■•• 81? v/ <".f ,