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Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-08-01 · Nr. 6/7 - August/September · p. Seite 80

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 6/7 - August/September
Date
1920-08-01
Page
Seite 80 (sequence 12)
Language
German
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> Menschheitswerte und Völkerbund« Fünf Preis- - arbeiten von Reinhold Schaidt, F eT i x Halle, "A-t^g u s t Messer, L Barthel und fi m i 1 Cohn, rfetattsgegeben von der Moritz Manheimer - Stiftung der?0roßtpge für Deutschland. Preis M. 18. - J Vertag Friedrich Andreas Perthes A.'-G. Gotha. j£ ^unbeirrt von der mißleiteten Tagesme^nung hat die : G^eßloge während der Kriegsjahre ihre Pflicht gegenüber jdetnVValerland darin erblickt, immer wieder ihre Stimme ' für die Einheit der menschlichen Gesellschaft zu erheben. Aus den von ihr seit 1914 veranstalteten Preisausschreiben sind eine Reihe irr ihrem Wert erst allmählich erkannter Arbeiten ^ans der Feder vo: trefflicher Menschen hervor- ■•* - i i i .gfcgarjgen, wie! „Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duld- 'SJtrrtkelt als Grundpfeiler der menschlichen ^Gesellschaft'', .Friedenspflichten des. Einzelnen" und „FripdcnspfiicHten der Nationen". ,• : rt Das Thema des' vorliegenden Preisausschreibens, das im Sommer 191^. gestellt wurde, lautete: ..Welche Werte der Welt lassen rme gemeinschaftliche Verwaltung durch die Gesamtheit der "Völker zu utld ist dies); gemeinsame Verwaltung geeignet, die Zwecke von Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit durchzuführen?'- Zwischen Niederschritt und Herausgabe der fünf Abhandlungen liegt die Revolution und Versailles. Die gestellte Frage aber und ihre verschiedenen- Lösungen sind so belangreich, weisen so st3rk in die Zukunft, greifen in aie gerade jetzt besonders lebhafte internationale Debatte si glücklich ein, c--;> die Veröffentlichung der Antworten heute fast noch gebotener erscheint als vor zwei Jahren. Die[Ausführungen der einzelnen Verfasser,-die ganz unabhängig voneinander zu der Frage Stellung genommen haben, gebfcn interessante Variationen des Themas je Dach seiner Behandlung von cor theologisch-philosophischen, juristischen oder naturwissenschaftlichen Seite her, zumal da auch die Weltanschauung der Bearbeiter 'beachtenswerte Unterschiede zeigt.: Neben der Betrachtung des Völkerbundgedankens aus>'.der bürgerlichen. Ideologie heraus findet sich eine Kritik des imperialistischen Völkerbundes u^d ein Versuch zur Lösung des Problems vom-Standpunkt des entschiedenen Sozialismus. '" Durch die Richtlinien., die.hier' für die Fortentwicklung der internationalen Verv.altungsgemeinscttyften gegeben werden, bildet das Buch einen neuen wertvollen Beitrag i&tYi Wiederaufbau'der menschlichen Gesellschaft, der jedem Weiterblickenden willkommen sein muß. ' . l< - \- W . - Martin Buber: H. „Pier heilige Weg.", Die jüngste Schrift ßübers ist, wie alfre seine früheren Schöpfungen, das Werk einer eigenartigen und reichen Persönlichkeit, die unbekümmert um Parteiprogramme ihren Weg geht, ihremi tiefem religiösen Gefühf und ihrer starken ethischen Sehnsucht ,subtil geformten, künstlerischen Ausdruck gibt, im. ist ihm nicht ein System überlieferter Lehren srbter Gesetze, sondern unmittelbares Erleben des on und das Streben nach restloser Verwirklichung göttlichen Willens in sittlicher Tat, in wahrer Gesind Bücherschau. mednschaft. Religiöse; Oefühl und sittlicher Wille im Judentum nicht nur mit einander verknüpft, sondern bilden eine Einheit. „Im echten Judentum gibt es weder Sittlichkeit noch Glaut en als abgesonderte Sphären; sein Ideal, die Heiligkeit, i st wahrhafte Gemeinschaft mit Gott und wahrhafte Gemeinschaft mit den Wesen ineinp „Und ebenso sind il m idas nationale und das soziale Prinzip nicht von eihätder geschieden; das nationale bezeichnet das Material", las soziale die Aufgabe,! beide sind vereint in der Idee, daß es gilt, das Volk zur W ihren Menschengemeinschaft zu einer heiligen Gemeinde zu gestalten." Von dieser üruudiuffassung des Judentums aus be rajehtet Buber die jüdische Vergangenheit. Die Gescllichte ersten Reiches bedeutet ihm den Kampf zwischen der j der wahren Gbttcsherrschaft und dem sich ihr entmdenden Staat. In ihm wirken die Propheten, d c mit gigantischer Kraft für die religiöse Idee und die Absolutheit der sittlichen Forderung eintreten, mit der Herzenstrdgheit des Volkes urd dem profanen Nationalismi s des entgotteten Staates < ringen, ohne sich zu detj gerii gsten Konzession an das Bestehende bereit zu finden. In der Geschichte des zweiten Staates aber handelt tk sich nicht mblir.um den Gegensalz von Idee und Wirklichkeit, sondern die Idee selbst verliert ihre Kraft und Reinheit] Die.weltlichej Ordnung ist jelzi von heidnischem, fremdem Geist g< schaffen und bestimmt, so daß die Religion sich nicht im Aufbau des nntiomlen Lebens auswirken kann, ihrer höchsten Aufgabe berajbt ist. Die Gefahren der Dinspora wecken das Streben, < ie jüdische Rasse zu erhalten und d e nationale Eigenart zn wahfen. So wird der Gedanke di:r Gemeinschaftsforn ung, die religiöse Grundidee durch Rtttialismus und Natioralismus zurückgedrängt.! „Ufld der Ceist selbst scheint g;lähmt, keine Führer zur Tat ent stehen, auf den aktive i Mcssianismus, der die We t zum C oüesreich bereiten will, ist der passive gefolgt, der wartet, daß Gott sich selbst s;tn Reich baue." ' , . Je länger das jüdische Volk unter dem Einfluß fremden Lebens stand, desto mehr mußte es seinem inrersten \7-csen, seiner religiöser» Idee und Aufgabe sich entfr« mden es jwar zur Einstellurg auf das Fremde durch Abweh und Anpassung gezwuigen. Um das Eindringen fremde Lehren und Sitten zu verhindern, wurde das Ritua geset ininer weiter ausgeba it, damit aber erstarrte die jidischt Frömmigkeit in leerem Formalismus, anstatt sich in si tliche Gemeinschaftsbildung zu verwirklichen. -Die Anpassung in die fremde Welt aber vollzog sich „in der Austildunj (er reinen Geldwirts<haft, die dem Volke ermögliche! icllte, unter dem äu! (ersten Druck zu dauern." „De Tiefstand des heutig:n Judentums ist da, wo beides zusammentrifft, wo die religiösen Formen so von ihrer i religiösen Urgrund at gelöst sind, daß sie sich mit de i niedersten Entartungsformen des kapitalistischen Geiste; vertragen können." Wie ist eine Erlösung Israels aus dieser tiefin relgiösen Not möglich? Nicht dadurch, daß seine beste i Söhne die sittliche Erneuerung der Menschheit versuchet. Der kosmopolitische Humanitarismus übersieht die Ur-

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