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Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-08-01 · Nr. 6/7 - August/September · p. Seite 79

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 6/7 - August/September
Date
1920-08-01
Page
Seite 79 (sequence 11)
Language
German
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I derartiger Aussprachen. Ob die englische zwecks Unterstützung des Völkerbundes zur Ermöglichung internationaler Gerechtigkeit neugegründete »Liga der Religionen" Haß und Vorurteil wirksam. bekämpfen wird, bleibt abzuwarten. Br. Oberrabblner Dr. Hertz und Rabbiner Morris Joseph werden jedenfalls als Mitglieder der Liga das Judentum in der würdigsten Weise vertreten. London besitzt eine, der größten jüdischem Gemeinden der Wi.lt — und besaß bisher noch kein jüdische i Krankenhaus! Ein solches wurde erst im Beginn dieses Jajires durch den Cberrabbincr und Lord Rothschild feierlich seiner Bestimmung-übergeben. Ia London wird al'jäiriicn an einen „Krankenhäuser-Sonntag" für die Heilanstalten der Htuptsiadt öffen-.l ch -gesammelt. Br. Epstein berichte*, d:ß jüngst in London zum ersten Mile eine D'tne eine jüdische Kanzel bestiegen hibe: Frau Redcliffe Salaman, die Tochter des vtrstoibe.rn Arthur Davis, predigte in dfr.Synagoge zu Cambridge vor einer zahlreichen jüdisctien Studei.tengemcinde. Recht unerfreu'ic1! sind die Känpfr, die gegenwärtig über die Frage der Beteiligung dir Juden an bolschewistischen Bestrebungen In englischen Zeitungen, b sonders iu der Northdiffe-Pressr, ausgefochten werden. Lrd Northclilfe, den die deutsc-ien Antisemiten zum Juden s'eape'ti, forder n den „Times", jdie Führer der englischen Judenbeil mögen ihrtn Abscheu vor dem Bauchewisams durch eine öffentliche Kundgebung dir<u.\ Der Oöerrabbiaer und Israel Conen iiaben dem elnf ußreichen Judenfeinde, der sfr«. u lier dem Pseudonym „VeraK* verborgen Iiate, die gebüsreid?, treffsichere Antwort 'erteil'. •> Voll Ergri'fcn lesen wir dre Bcric'ile, die uns auf dem Umwege ü.<r.Amcr,/.a von dem traurigen Lose unserer Brüicr in Oesterreich zugeben. Auch hier beendet '»ich die jüdiscu-tbealogische Leb/- anstalt in Wien in großen finanziellen Schwierigkeiten, nachdem die Staatsregierung und die großen gallzischen und hchecno-slowakischen Gemeinden die weiteren Beitragszahlungen eingestellt haben. Daß die jüdische Jugend nicht' ganz zugrunde geht, ist der unermüdlichen Tä Igkeit der Frau A n i 11 a Müller, der Gattin eines uuserer Brüder, zuzuschreiben, die nicht nur in Wien selber ein großzügiges Liebes werk ins Leben rief, sondern auch für die Unterbringung von 1200 Wiener Kindern in Holland sorgte. In hochherziger Weise haben auch die Schweizer Logen ganze Waggonladungen mit Liebesgaben für die armen Wiener Glaubensgenossen versandt. Eine ungeheure Arbeitslast ruht auf den Wiener Logen, denn sie haben sich der 30000 geflüchteten Galizier (.Oiijuden"!) anzunehmen, wdebe die Regierung in ihre frühere, jetzt polnische Heimat anzuschieben beabsichtigt. Sie widmen ferner iure Fürsorge den Tauenden von heimati y en Kindern, die infolge der Knjegawirren von ihren E'terri' getrennt vutä'.n und nun bettelnd und verwahrlost. In der Hiup siadt umjj«rirren. 1 036 310 Konen-sind bereits zwecks Unterbringung dieser Kurier ia Heime gesammelt werden. Keine Wohüahitsinstitutlou?.;er verdient so nachdrückliche rorckroag wie die »• n dem edlen Dichter Lud w.iAug.'Frank 1 Ri.tter von Hoch wart auf der Hohen. Warte bet V/en ins Lt-ben gerufene i$raeh1?cbe Blindenanstalt Ls der Zeit, daß die Wiener Logen an Auslande mit d?r Bittr um Beiträge herantraten werden, denn sonst m :ti dis ungemein (>egens'eich wirkende, glänzend organisierte Ipstitut seine P/orten schließen und se;ne unb ü>icjeh° Iii-, sassen e rem ungewissen Schi ksal preisgebe;/. Iifclge der veränderten politischen Vertätffrisie' haben sich eil : Logen def Tscbecfto»Sh*",.kei vom Geäc'äftsbercicp denGrcßloge Nr. .9'.(Wff r) losgelöst und eine egene Großioge (Nr. 10) mit "ei.Sitz in Prag instalnien. In Wien selber wurde'eine neue Loge — die dritte — un:er dem Namen „Wahiheitist eine Frage die Brüder im Loge" mit 40 Stiflurigskapifal Brüdern eröffnet. Sie trat mit-einem von 10 000 Krf tien zu woultätigen Zwecken Ins Leben. Bei der letzten Emiührung in. der Wien-Logi wurJen eine gre ßs 1 Anzahl : voll Kandidaten aus Linz und Preßburg aufgenommen. Da in diesen beiden Städten nunmehr so .viele Brüder leben, daß i:re Zahl zur Erteilung emes Freibriefes ausreicht (in Linz wohnen 24), so ist mit der Gründung vou Logen in Linz und Preßburg in kürz:s!er Frist zu rechnen. Es ist anzunehmen, daß der zunehmende Antisemitismus auch die Juden in Ungarn enger aneinander schließen und somit die. Grünrung von Arbeitsstätten B. B. begünstigen wird. i Jr. Professor Dr. E u g e n Wölb Montefiore-Loge zu Berlin.

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