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Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-07-01 · Nr. 5 - Juli · p. Seite 64

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 5 - Juli
Date
1920-07-01
Page
Seite 64 (sequence 12)
Language
German
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// Loge Von Das Generalkomitee der Großloge erwarten war, den vielbesprochenen Antrag des Mitteldeutschen Logenverbandes abgelehnt und eine Enlschl eßunggefaßt.die—auf einerUnterscheldung zwischen Logen und Logenbrüdern fussend — diesen, den Brüdern, die weitgehende Unterstützung aller Abwehrbestrebungen zur privaten Ehrenpflicht macht. (So sein wesent'icber Inaalt). Ob diese;Behandlung eines über das Ziel hinausscb eßenden und in seiner Formulierung gewiß nicht glücklichen, dennoch einen entwicklunus ähigen Kern bergenden Antrags die allein sachgemäße ist, soll unkritistert bieioerr. Doch i*t eine etwas abweicuende Ansiebt denkbar und leicht zu begrüuden. Worauf spitzt sich denn der Antrag, über den in vielen Logen sicherlich länger und erregter als nötig diskutiert worden ist, letzien Endes zu? Doch wohl auf die Frage: wie trägt eine Vereinigung edeldenkender Juden den Förderungen der Zeir Rechnung, ohne mit ihren überlieferten Grundsätzen in* Widerstreit zu gerattn? Lassen »k die Behandlung antisemitischer Fragen innemab oet Logen in dem abrollenden Kreislauf der Jahre an uns vorüberberzieben,' so war sie naturgemäß-von je örtlichen unj zeitlichen Schwankungen unterworfen, kann aber im groß«*-Ganzen nicht als besonders freundlicn bezeichnet werden. Der Hauptgrund hierfür iit wohl in dem auf friedliches Wirken gestellte•; Charakter unseres Ordens zu suchen, als dessen oberster Grundsatz immerdar zu gelten hat: „Die Erörterung politischer Fragen ist ausgeschlossen." Abgesehen davon, daß eine Modifikation dieses und anderer Säulengrundsätze gewissermaßen' in der Luft liegt, ist der Antisemitismus keineswegs eine ausschließlich politische Frage; er bat vielmehr seine sehr ernsten religiös-ethischen und sozialwirtschaftlichen Seiten, und es ist ein großer Irrtum, zu glauben, daß der Zentralverein als die bei dem Antrag vornehmlich in Betracht kommende Abwehrorganisation in den 27 Jabren seices Bestehens eine lediglich negative, d.h. feindliche Anwürfe abwehrende, nicht auch aufbauende Tätigkeit betrieben habe. Zwischen dem letzten großen Aufflammen der Bewegung und beute hat es ruhigere, vom Antisemitismus ungetrübtere Zeiten gegebep, und auch diese hat der Verein nicht vor übergehen lassen, ohne in Wort und Schrift eine überaus erziehlich wirkende, die Kenntnis jüdischen und Antisemitismus. Ihr. Dr. Richard Elb Dresden. iat, wie zu Wesens verbreitende statt dessen gibt, heißt es und vertiefende Arbeit zu leisten. In dem Rückblick Dr Riegers, der darüber Aufschluß Er „Jeder Rechtskampf versittlicht zwingt zur Selbstzucht und weckt die sittlichen Kräfte..." Und weiter: „Der Abwehrkampf bedeutet die Hetmkehr zum Judentum. Wer eine Sache verteidigen will, muß sie kennen. Die Mitarbeit an der Beantwortung der Lebensfragen des Judentums, die Versenkung Inj seine die Ver iefung in seinen Wahrheitswerl zum Judentum." Und an gir auf Erhaltung gut jüdischen tillgemeinen Kulturaufgaben mit die Logen krait ihrer Ofcselze Geschichte, bedeutet Erziehung solchen, ganz und Oeistes gerichteten, zuarbeiten, sollten verbindert sein? Halten wir uns uch diesmal an den Buchstaben unserer geschriebenen Gesetze, um zunäebs nur diese heranzuziehen so steht ja „die Hebung des geistigen und moralischen Charakters unseres Stammes* ausdrücklich auf unserer Ordensfahne, die es uns ferner zur Pflicht macht „den Op ern der Verfolgung zu Hilfe zu kommen". So und nicht anders wenigr i unser Spruch zu Beginn einer jeden tt ist, stens lautet Sitzung und dieser Spruch, der uns Wegwei soll doch nicht eitel Lippenwerk werden. Zeigen schon die bisherigen Einwände, daß es sich bei dem Gegenstand Um Fragen mehr gelüIiis mißiger Auffassung, um sogenantes Grenzgebiet handelt, so tritt noch ein weiteres Moment: die gewaltge Aenderung aller Verbältnisse seit Gründung unseres Ordens entscheiden! hinzu. Zu jener Zeit, da von Amerika aus das Samenkorn des Ordens Bnel Briss in deutsche Erde gepflanzt wurde, und auch späterhin konnte von uns Juden — selbst in Deutschland — an nichts anderes als an auraanitäre Friedenswerke gedacht werden. Das ganze Kampfproblem, zumal in der heutigen lieh immer mehr zuspitzenden Form, Ist neueren Dalums, und besondere Zeiten erheischen besondere Mittel eine Neueinstellung Der Krieg kam; forderte er nicht von uns in hundert und aberhundert Lebensfragen? Wir sind durch ein Meer von Blut und Wunden gegangen; aber statt des ersehnten Friedens, nach dem unsere Seele lechzt, wird uns Juden ein künstlich erzeugter Haß zuteil, gegen dessen Unsinnigkeif selbst Christen in wachsender Zahl offen Stellung zu nehmen sich gedrängt fühlen. (Vergleiche z. B. die eben erschienene Schrift semitismus?" des bekannten Freiherrn v. Oppeln - 64 - „AntJ- Broni

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