Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 3/4 - Mai/Juni
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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In der Familie Ist in letzter Zeit sehr gesucht und wird, gut vorgebildet, stets Stellung finden. Wer wirklich Liebe zu Kindern hat, möge sieb einem dieser Berufe widmen. Das Oedeiben der Kleinen zu sehen, ihre geistige Entwicklung zu fördern, reine Freude. ' Leider gibt es auch oft Kranke im Haus, und die Hilfe der Krankenschwester wird notwendig. Wer gesund Ist, Liebe zu den Nebenmenschen hat, Geduld und Langmut in hohem Maße besitzt, pünktlich bis ins kleinste ist, der wird hier einen Beruf finden, der für viele Mühe den Lohn in sich selbst trägt. Denn gibt es schöneres, als dem kranken Menschen wieder zur Oesundheit zu verhelfen? Reichtumer kann die Krankenschwester nicht sammeln, aber viel dankbare Herzen fliegen der Pflegerin zu. In einer größeren Anzahl deutscher Städte sorgenl die Vereine für jüdische Krankenpflegerinnen, daß die Schwestern eine geregelte Beschäftigung, ein gemütliches Heim und ein gesichertes Alter haben. Aile diese Vereine nehmen ständig Schülerinnen auf. Christliche Mädchen aus besten Kreisen sind als Hebammen tätig — andere lernen noch in der Erwägung, daß die Frau la ihrer schweren Stunde die gebildete Helferin und Mitschwester bevorzugen wird. Es gibt in den Frauen-Kliniken auch Hebammen-Schwestern, die bei freier Station und Wäsche 120 M. Gehalt beziehen. — Wir haben vor dem Kriege oft gelesen, daß man für Ostafrika Hebammen und Hebammen-Schwestern suchte. Heute werden wir dort leider für deutsche Kolonien nicht mehr zu sorgen haben, aber in Palästina, Argentinien und Chile eröffnen sich für Hebamme und Hebammen-Schwester neue Gebiete. Wir werden ja auch sonst bei manchen Mädchen erwägen müssen, ob fern der Heimat nicht bessere Aussichten bestehen. Natürlich sind vor der Auswanderung genaueste Auskünfte beim deutschen Ausuuidslnstttut einzuholen. (Die sozialen Berufe wie Waisenpflegerin, Fabrikpflegerin, Beamtin oder Beisitzerin beim Wohnungsamt u. dgl. m. waren bisher teilweise ehrenamtlich besetzt. Heute strebt man danach, solche Stellen mit sozialgebildeten Damen zu besetzen, die man gut bezahlt von denen man aber auch ein umfassendes Wissen verlangt. L Mädchen, die kräftig sind, Sinn für Land wirt- « c h a f t liaben, Freude an Oarten, Wiese und Feld besitzen, mögen sich nach Ahlem wenden. Hier ie oeim ueusenen ' . Fürsorgerin, besitzen wir seit Jahren eine bewährte Schule für gründliche Ausbildung zu Gartenbau und Landwirtschaft Diese Ausbildung wird besonders für diejenigen wertvoll sein, die an Auswanderung denken. Endlich müssen auch Jude und Jüdin einsehen, daß Kolonien nur dann gedeihen können, wenn sie den Ackerbau ab) das wichtigste Moment ansehen. Farmer oder Kolonisten brauchen also eine Frau, die genau wie unsere Bäuerin selbst keine Arbeit scheut, von Obst-, Oemüie- und Geflügelzucht etwas versteht, auch Kuh und Ziege melken kann, In Kfisbe, Waschküche und am Butterfaß daheim ist Gesellschaf teri n und Reisebeglelterin, zwei Interessante und schöne Berufe für Mädchen, die sehr gewandt, belesen und musikalisch sind", sowie leidlich mehrere Sprachen beherrschen. Aber auch hier heißt es vor Annahme einer Stellung genaueste Erkundigungen einziehen. Die Auffassung dessen, was man von einer Gesellschafterin oder Reisebeglelterin verlangen darf, ist oft deprimierend, manchmal geradezu haarsträubend, andererseits fü :rt oft mangelhafte Vorbildung dahin, daß aus der Ge sellschafterin eine Jungfer wird. Lisbeth Dill, die bekannte Vorkämpferin der Frauenrechte, schreibt „Eine von zu vielen" wahr und gut in ihrem darüber. Manche Muller sagt sich wohl beim Lesen dieser Zeilen: Weshalb Köchin, Zimmermädchen oder Gesellschafterin bei Fremden werden, das kann meine Tochter auch Im Elternhause sein. Gewiß, das ist sogar oft nicht zu umgehen, oft Kindes p'lIcht und schon darum recht und gut, aber eines sollte wenigstens auch in diesem Falle nie versäumt, sondern der Tochter vergönnt werden: die Lehrzeit außerhalb der Familie! Und dann müssen die Eftern endlich lernen, auch die Betätigung der Tochter im. eigenen Elternhause als Beruf aufzufassen, damit die Erfüllung einer gerne geübten Pflicht nicht zur materiellen Schädigung werde. Um nicht mißverstanden zu werden, denn ich stelle die Pflichten gegen Eltern an allererste Stelle, führe ich folgendes Beispiel an t In einer kinderreichen Familie verdienen die Söhne und die beiden ältesten Töchter Im Beruf, während die dritte Tochter daheim bleibt Sie muß also, um den Geschwistern gegenüber nicht verkürzt zn werden, auch eine [bare Entschädigung erhallen, soll sie sorglos und ohne jegliche bittere Empfindung gleich den die Zukunft sehen. - -emdenführerin Ist bei den augen- — 45 - andern in Die F blicklich schlechten Vakehrsverhältnissan tu Deutscfa- "