Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 3/4 - Mai/Juni
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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I ■ I Land verschla Brüder, die der Krieg in unser Land verschlagen hatte. So kam es, daß Brüder aus England, Deutschland, Oesterreich, Polen, der Tschecho-Slovakei, Jugoslawen, Rumänien, Bulgarien, Rußland, Türkei und Aegypten, also Freund und Feind einträchtig vereint unseren Sitzungen beiwohnten und sich gegenseitig kennen und schätzen lernten. Bei dieser Gelegenheil trat der höbe ethische Wert unseres Ordens und die Festigkeit des Bander, das unsere Glauben genossen in den verschiedensten Ländern eng umschließt, sinnfällig In die Erscheinung. Es kam uns auch so recht zum Bewußtsein, daß Haß von Nation zu Nation etwas künstlich konstruiertes sein müsse, wäbrenjd das natürliche Gefühl das Annäherungsbedurfnis ist, das gleich einem Fluidum von Mensch auf Mensch übergeht. Aus diesen Erwägungen heraus war unsere Loge redlich-bemüht, getreu dem Prinzipe ihrer Neutralität, allen Anforderungen gewissenhafte?! gerecht zu werden, die aus den sich feindlich gegenüberstehenden Lagern an sie gestellt wurden. Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Au'gabe der Loge sich in der Lösung praktischer Probleme i allein nicht erschöpfen dürfe, sondern Idealismus pflegen müsse, suchte unsere Leitung von der hohen Ware reiner Menschlichkeit und ewiger Menschenliebe, die nicht an den eigenen Grenzpfählen Halt macht, die In unseligen Krieges zu beurteilen und in dem Sinne, als aus verschiedenen gewaltigen Erschütterungen des gleichsam sub specie aetemitatis zu werten. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, verlcren die ungeheuer scheinenden historischen Ereignisse an Größe und Bedeutung. Diese Auffassung war lür uns geradezu eine Lebenil rage, denn es unterliegt keinem Zweifel, daß der Krieg gerade für. uns eine starke Belastungsprobe war unsere Loge ihrer Struktur nach nationalen Elementen zusammengelebt ist und eine Spahung.in zwei feindliche Lager, wenn nicht noch Schlimmeres, eine stete Gefahr bildete. Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß sich die Tragfähigkeit der Loge glänzend bewährt bat. Nur dank! der| Selbstdisziplin dea einzelnen war es möglich, die Harmonie unter den Brüdern aufrech't zu erdalten und alles zu vermeiden, was sie irgendwie hätte stören können. Wohl kam uns dabei das Moment zustatten, daß die wtl(erschütternden Ereignisse sich in unserem Lande nicht gleich hemmungslos auswirken konnten wie In den kriegsbeteiligten Landern, indem sie bei ans erst noch das strenge Kriterium unseres nüchtern abwägenden Verstandes passieren mußten. Dieser Standpunkt möge auch unsere Haltung ' 1 I •■—■■]■ Fragen unserer auswärtigen Politik, die durch unsere streng beobachtete Neutralität von vornherein genau umschrieben war. Von den Aktionen, mit denen wir betraut wurden, möge zurächst Erwähnung finden unsere Intervention bei Anlaß der entse'zlichen Pogrome, von denen Lemberg und ganz Ongallzien heimgesucht wurden. Wir setzten uns Sofort telegraphisch mit unserem Exekutiv-Komitee in Chicago dieserbalb in Verbind ing und ersuchten um Verwendung bei den amerikanischen Behörden und unverzügliche Hilfeleistung. Außerdem ließen wir durch Vermittlung der amerikanischen Gesandtschaft in Bern eingebendes Memorandum mit der Schilderung an den zur Zeit in Paria der amerikanischen Union, ein ider begangenen Greuel weilenden Präsidenten Wilson, abgehen. Durch zwei unter uns zu Besuch.weilende Brüder der ehemaligen Monarchie auf die in Wien herrschende . jüdische Nationalräte Oesterreich Ungarn große Not und die ungewöhnliche Sterblichkeit unter den Kndern infolge gemacht, bildete sich Unterstützung und Unterernährung, unter unterer Rabbiner Dr. i und rund 1000 und Deutschland Ferienaufenthaltes Auch sonst muß die gehoben werden, die die wesentlich dazu Sanatorium für Lungen II. Von Institution zur Blüte gebracht Ferienkolonie Schwesternhei rechtfertigen — 42 - aufmeiksarn tatkräftigen Lift mann als Vorsitzenden, ein Komitee, das in der ganzen Schweiz alsbald eine wirksame Propaganda entwickele jüJischen Kindern aus Oesterreich Wohltat eines 6—8 wöchigen der Schweiz möglich machte, große Opferwilligkeit bervorin unseren Kreisen herrscht, beitrug, daß in Davos ein ike gegründet werden konnte, i die wir selbst gegründet und haben sind zu nennen: die in Lengnau; das jüdische das auf eigene Füße gestellt, einem dringenden Bedürfnis entsprang und sich ii weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung immer wachsender Beliebtheit erfreut. Mehrere Wohifahrfsvereine in Stadt und Land wurden von uns mit jährlichen Beiträgen subventioniert Außerdem beteilig'en wir uns. mit einmaligen großen Beträgen an verschiedenen Hilfsaktionen für di Wiener Ferienkinder, Pogromopfer u.a.m. III. D«s geistige Leben in der Loge blühte erfreulicher Weise! dank der Rührigkeit des Ausschusses ftr geistige und kulturelle Interessen. Wh hatten zwölf Referate, an die sich jeweils eine lel hafte Diskussion anschloß. anschlof