Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 3/4 - Mai/Juni
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Stuttgart-Log«-, Stuttgart (Nacknil auf Br. Exprla. Heinrich Kahn). Die hiesige Loge hat ihren ersten Präsidenten, unter dessen Leitung sie 1899 ihre Tätigkeit begann, verloren. Dieser Verlust hat gerade alle die Bruder, die seit Beginn treue und hingebende Logenbrader sind, tief ergriffen, so diB die Beteiligung bei der Beerdigung eine ungemeine große war. Wohl haFder Verstorbene nicht lange als Präsident der Loge gewaltet, da er schon bei Annahme des Amtes 71 Jahre alt war. Dennoch hat seine ganze Persönlichkeit der Loge als Zierde gedient, aber auch in vielen Dingen mit seinem Leben die Aufgabe eines Vorbilds erfüllt, dem nachzuahmen federn einzelnen Wunsch und Sehnsucht wurde. Darum wird eine kurze Darstellung seines Lebens auch in allen Logen kr eisen von hohem Interesse sein. Zu Diersburg in Baden als eines der jüngeren K'nder eines jüdischen Landwirts am 14. März 1828 geboren, besuchte er die Volksschule daselbst. Seine Eltern ballen nicht die Mittel, ihn nach auswärts auf eine höhere Schult zu schicken. Darum benutzte er den Freiunterricht bei den beiden christlichen Ortsgeistlichen und lernt« bei diesen Latein und moderne Sprachen. Ohne Ojmnashim erwarb er sich so von seinem 8. Jahre an eine höhere Bildung. Vom 15. bis 25. Lebensjahr betrieb er die kaufmännische Vor- und Ausbildung. Mit 26 Jahren wurde er Direktor einer Weberei in Lalchingen, 1864 gründete er sich eine selbststindige Existenz. In Stuttgart verheiratete er sich. Fünfund fünf zig Jsbre lebte er in überaus glücklicher Ehe. Seine Tätigkeit in Laichingen förderte die dortige Industrie und fand Ihre Anerkennung in der Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Aber auch die Regierung erkannte seine großen Verdienste um die Förderung der Industrie und ebne ihn mit Verleihung des Kommerzlenratstitels. Sein Aufstieg vom Dorf zur Stadt gab ihm Verstindnfaj für die Landwirtschaft wie für die Industrie, Wertschätzung von klein und groB. Er blieb schlicht Im Auftreten, bewahrte ein warmes Hera für die Kleinsten und gewann sich alle Herzen. Klugheit, Umsicht, Klarheit und Wahrheitsliebe verbanden rieb mit großer Gerecbtigkeitsliebe und wurden Ihm Quelle großer Weisheit. Seine starke Willenskraft leitete ihn fest und -sicher und stählten ihn im Durebringen so vieler Schwierigkeiten in Erhaltung seines Körpers und Geistes, im Ueberwinden schwerer Schmerzen, die ihm der Verlust eines seiner Söhne während des Krieges veraniaßte. Schon ein Oreis half er hier die Stuttgartloge errichten, die zum Ausdruck ihrer Verehrung ihn zu ihrem ersten Präsidenten machte. Sein Herz glühte von aufrichtiger tiefgefühlter Begeisterung lür die hohen Ideale der Loge; so oft er von Ihnen redete, klang der Jubellon aus seinem Munde. Dies bekundete er an seinem 80. Geburtstage, als ihn eine Abordung der Loge beglückwünschte. Aber In wahre Bewunderung kamen die abgesandten gratulierenden Brüder an seinem 90. Geburtstage. Anfangs anscheinend gedrückt, erhob er sich plötzlich und mit Goethes eben Worten aus Faust 2. Teil n . j** sprach er über die großen Aufgaben der Loge, als wenn ihn eine prophetische Stimmung ergriffen bitte. Er war eine ehrwürdige Patriarchengestalt geworden und alle die, welche in seinen letzten Tagen um ihn waren, erzählen mit ehrfurchtsvoller Bewunderung von der Klarheit seiner Seele und den Worten tiefer Weisheit. Der Edle hatte die große Freude, seinen Sohn auf dem Präsidenten stuhl der Loge, die er gründen half, zu wissen. Sein Andenken bleibt im Kreise der Brüder ein segensreiches, hochgeachtetes. Kroner. Auswärtige Logen. Aug. Keller-Loge,Zürieh. (Jahresbericht 1918/19). Der Termin 1918/19 bildet den Abschluß der ersten Dekade des Bestehens unterer Loge, deren Tätigkeit sich im großen und ganzen in den bisher bewahrten Bahnen bewegte und eine nach vielen Selten hin fruchtbare gewesen ist Wir befaßten uns mit der Uebermittlung von Nachrichten zwischen den durch die ungemein erschwerten Verkehrsverhältnisse voneinander abgeschnittenen Logen sowie zwischen Brüdern und Ihren, Kriegsgefangenen Söhnen, deren härtet Lot wir in vielen Fällen zu mildern suchten und mit der Ermittlung von Vermißten und Erteilung von Auskünften aller Art. Unter unterem gastlichen Dache vereinigte rieh eine ganze Schar auswärtiger