Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 3/4 - Mai/Juni
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine der schönsten und erhebendsten Erinnerungen ist für mich die im Herbst 1885 stattgetundene Einführung als Mitglied der w. Germania-Loge, der zweiten unseres feuern Ordens in Deutschland, zu Halle L S, die nur noch von der Installationsfeier der wtr. Leipzig-Loge, im wunderschönen Monat Mai dies Jahres 1900, abertroffen wird. Die Installation selbst vollzog der hochw. Oroßprasident Br. Timendorfer unter Assistenz des helmgegangenen Br. Oroß sekrelär Wolff und anderer hervorragender Brüder aus den berliner Logen. Die junge Loge erlebte Ihren höchsten Moment und feierte ihr (herrlichstes Fest Ueber die unter den damaligen recht schwierigen Verhältnissen gegründete Loge und ihre ersten Arbeiten habe Ich seinerzeit als protok. Sekretär derselben wiederholt in dem Logenorgan berichtet und über den eigentlichen Begründer dieser Arbeitsstätte des Ordens Im Herzen Deutschlands, den verewigten, unvergeßlichen Br. Alphons Jacobson, dat/f Ich auf meine Im Jahre 1912 erschienene Schrift*) verweisen. Was mich heute veranlaßt und bewegt, diese Zellen niederzuschreiben, ist neben dem Gefühl skr Wehmut, das mich bewegt bei der Erinnerung an diesen wahren Edctmenschen sowie an den unvergeßlichen Br. Exgroßpräsident Dr. Miretzki, der für du Inslebentreien der Leipzig Loge ebenfalls eifrig mittätig gewesen, auch das Hochgefühl und die aufrichtige Freude über das Wachstum und Gedeihen der Loge nach zwei Jahrzehnten ernster, im Geiste unseres teueren Ordens gerichteter Arbeit Für den weiteren kraftvollen Aufstieg der w. Leipzig-Loge unter den leuchtenden Leitsternen der verewigten B Br. Alpbons Jacobson und Louis Ml r e t z k i entbiete ich ihr zum 20jährigen Bestehen von ganzem Herzen Segens- und Brudergruß in Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht - * i Fünfzig Jahre. Erinnerungen aus Amt -und Leben. Berlin-Friedenau, Selbstverlag. Wie ist dem Wohnungselend der in Berlin alleinstehenden jüdischen jungen Leute abzuheilen? I Von Br. Siegbert Cohn, Montefiore-Loge ' i 1. Vorsitzender des Jüdischen Jugendbundes Berlin e. V. Viele unserer jungen Glaubensgenossen weilen berufs- oder studienhalber in Berlin und nur sehr wenige sind in der angenehmen Lage, bei Verwandten oder guten Bekannten wohnen zu können, j Die vielen Uebrigen aber und auch diejenigen, die zwar in Berlin ansässig, aber auf sich selbst angewiesen sind, da sie kein Elternheim mehr ihr eigen nennen können, sind' der Ausbeutung durch die Zlmmerve*mieter preisgegeben. Aber abgesehen hiervon. Wie oft tönen an unser Ohr die Klagen junger Leute über unerhörte Schikanen, denen sie von Seiten der Zimmervermieter noch obendrein ausgesetzt sind, sei es, daß sie jede kleine Sonderleistung besonders bezahlen müssen, «ei es, daß ihnen ihr Zimmer nicht sauber gehalten wird oder dergleichen mehr, ganz zu schweigen davon, daß sie sich häufig genug nicht vor [ihren Wirtsleuten gegen Unehrlichkeit schützen können. Nicht sehen werden sie auch ob ihrer Religion angegriffen und leider zu oft mußten sie, nachdem ihren Quartierleuten ihre Religion bekannt geworden, ihr vielleicht sonst angenehmes Zimmer I wieier räumen, um sich von neuem auf die Zimmersuche zu begeben. Um diesen eben geschilderten Uebetstlnden abzuhelfen, wurde Im Jüdischen Jugendbunde Berlin e.V.. der bekanntlich im Jahre 1909 auf Anregung der Berliner Logen U O. B. B. gegründet wurde, der Plan! gefaßt, ein jüdisches Ledigenheim zu gründen, das seinen Bewohnern bei billigem Pensionspreis das fehlende eigene Heim ersetzen, und ihnen einmal «'die genannten Unannehmlichkeiten * und Unbequemlichkeiten des berüchtigten .möblierten Zimmers" ersparen, zum andern ihnen Anschluß an Gleichgesinnte und jüdisches Leben vermitteln soll. Kurz zusammengefaßt: „Es soll ihnen eine Oase im Getriebe der Großstadt sein". Die durch den Krieg leider unterbrochenen Vorarbeiten zur Gründung dieses Heims wurden jedoch bald nach Beendigung des Feldzuges von der eigens hierzu eingesetzten „Ledlgenbeim-Oründungs-Kommission des Jüdischen Jugendbundes Berlin e. V." wieder aufgenommen und angesichts der sich täglich verschlechternden Wohnj»i