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Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-05-01 · Nr. 3/4 - Mai/Juni · p. Seite 35

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 3/4 - Mai/Juni
Date
1920-05-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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aufbau Palästinas legen muß und dem religiösethische Aufgaben mehr an der Peripherie liegen, ließ sich nur ein Teil des Judentums einigen. Noch weniger war auf dem Boden einer religiös einseitig gerichteten Weltanschauung eine Einigung zu erzielen. Der jüdische Kongreß Ist bisher nicht zustande gekommen. Die Notwendigkeit aber, das Band zwischen der Judenbeit enger zu schließen, die zu all diesen Versuchen geführt bat, bleibt bestehen, denn der allen gemeinsame Feind, der Antisemitismus, bleibt derselbe, die durch die Judenfeindschaft noch gesteigerte Not der Judenheit macht vor den Orenzen der einzelnen Länder nicht halt, und wir haben endlich — wie man das Judentum auch definieren möge — zweifellos gemeinsame religiöse, ethische und soziale Aufgaben uns und .der Menschheit gegenüber. t In die Lücke, die das Fehlen der Gesamtorganisation läßt, hat sich unser Orden eingeschoben. Genau wie wir in Gemeinden und einzelnen Ländern die streitenden Partelen innerhalb des Judentums bufig zu gemeinsimer Arbeit zusammengefaßt haben oft genug deswegen der Halbheit und Schlappheit bezichtigt — müssen wir unserer Devise „Eintracht" gemäß unbeirrt versuchen, eine gemeinsame Plattform für alle jüdischen Interessen zu schaffen Wenn der Orden seiner ganzen Struktur entsprechend auch nicht In der Lage ist, die Weltorganisation der Juden darzustellen, so muß er deren Aufgaben als sein Arbeitsgibiet betrachten. Daß er es tut, zeigt nichts deutlicher als die Tatsache, daß er sein ei zeit einen eigenen Delegierten auf die Friedenskonferenz mch aris entsendet hat Ein kurzes Wort (Loch einmal über die Notwendigkeit Es gibt Juden und Brüder, die der Ansicht sind, daß es einer zwischenstaatlichen Organisation garnicht bedürfe, daß wir in Deutschland unabhängig von unseren Brüdern in Amerika und den anderen Ländern, in denen der Orden vertreten ist, Esere Einriebtungen zum Besten der leidenden lenheit trelfen und unsere Erziehungsfragen lösen unten. Die Zahl derer, die so denken, ist beute nach dem Weltkrieg geringer geworden als vordem. Wir sehen heute mehr denn je ein, daß nur durch ein Zusammenwirken auler Völker der Erde die Ungeheure Katastrophe überwunden werden kann. Die Hilfsaktionen für die Juden in Ost- und Zentraleuropa können nur durch gemeinsame Arbeit sämtlicher Juden durchgeführt werden. So wenig eine einzelne Gemeinde oder Loge in früherer Zeit in der Bekämpfung P der Wanderbettelei oder des Mädchenhandels erfolgreich wirken konnte, so wenig kann beute eine einzige Oroßloge für sich arbeiten. Neben unseren kleinen, wenn auch noch so wichtiges Zielen dürfen wir das Oroße, Ideale nicht vergessen: die völkerver^ söhn ende Arbeit, die der Orden zu leisten bat, unser Wirken für jüdische Ethik. Durch diese Einbeiüichkeit der Aufgaben stärken wir unter unseren jüdischen Brüdern das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, und schärfen ihren Blick für die großen Fragen,, die uns beschäftigen. Und nun zu den praktischen Folgerungen! Wenn der Orden der Kitt ist, der die auseinanderfallenden Bestandteile des Judentums verbindet und innerhalb der einzelnen Gemeinden und Länder für die Ueberbiückung der Gegensätze sorg', dann muß 'dieser Kitt überall vorhanden sein, und unsere Ordensleitung muß weit mehr als bisher für die Ausbreitung du Bnel Brlssgedankens tätig sein. Gibt es doch weite Oebiete mit großer jüdischer Bevölkerung wie Südaftika und Australien, in denen der Orden noch keine Arbeitsstätte hat, und Länder, in denen er nur äußerst spärlich vertreten ist. An Geldmitteln für eine Intensive Propaganda darf nicht gespart werden, und es darf nicht dem Zufall überlassen werden, wann und wo eine Loge von selbst entsteht. Sondern systematisch müssen Stützpunkte in den. einzelnen Ländern errichtet werden, von denen aus die Staaten weiter mit einem Netz von Logen überzogen werden müssen. Mehr denn je werden wir in unserer Zeit für unsere ideale Sache bei den Juden Qebör finden. [Ein Mittel zur Propaganda, das auch noch aus anderen gewichtigen Gründen zu empfehlen ist wäre die gelegentliche Verlegung der Könveritlonsgroßloge außerhalb der Vereinigten Staaten "von' Amerika. Zweifellos liegt der Schwerpunkt nicht nur des Ordens, sondern wohl der Judenheit-überhaupt In den Vereinigten j Staaten. Und dennoch wäre es richtig, die Spitzen des Ordens auch einmal in anderen Ländern zusammentreten zu lassen, für die eine! 'derartige Tagung ein Ereignis wäre. Ein solcher Eindruck wöge hundert Propagandareden auf. Eine Konventionsgroßloge in England, in Holland, in der Schweiz könnte von den europäischen Großlogen eher beschickt werden und wirkte anregend und befeuernd auf die Brüder und die Juden der betreffenden Länder. Der Wechsel des Ortes verhindert eine Stagnation der Idee. Man kommt mit anderen Menschen zusammen, man lernt nette Gewohnheiten, neue Bedürfnisse, neue Arbeitsmethoden kennen.

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