Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Gbettis lobte und heulte, da flüchteten unsere Glaubensgenossen In die Beshänser, um dort Trott zu suchen und zu finden. Der moderne Jude ist vielfach nicht mehr religiös — man mag diesen Zustand bedauern, aber man muß mit ihm ata einer Tatsache rechnen — der moderne Jude braucht einen Ort, wie ihn die Loge darstellt, wo er im Zusammenschluß mit Gleichgesinnten sich stahlt für diesen Kampf, wo er Wissen, Begeisterung und Liebe zum Judentum in sich aufnimmt, die allein Ihn befähigen, den feindlichen Stürmen zu trotzen. Unsere Frauen aber sind Im aligemeinen dem Judentum noch mehr entfremdet als der Mann, weil sie es! infolge einer verkehrten Erziehung nicht kennen, und deshalb brauchen sie besonders eine Statte, die sie erzieht und ertüchtigt für die Kämpfe, die draußen auf sie lauern, zumal ihnen ja als Erzieherinnen der Jugend die jüdische Zukunft anvertraut ist Denn dem Feind, der uns von außen bedroht, ihm haben wir durch die Jahrtausende Stand gehalten, und die Lebenskraft des jüdischen Volkes ist so groß, daß sie auch die Fahrnisse der Gegenwart sieghaft überwinden wird. Viel größere Gefahr als vom Antisemitismus droht dem Bestand unserer Gemeinschaft durch die zersetzenden Einflüsse im Innern, durch die infolge der Trennung von Staat und Kirche häufigen Austritte, durch Abfall und Mischehe. Wenn ich Ihnen sage, daß in unserer Gemeinde von den 1916 geschlossenen 59 Ehen, 32 Mischehen waren und sich dieses Verhältnis bei . uns und In den anderen Großstädten in den letzten Jahren Immer noch ungünstiger gestaltet, so werden Sie vielleicht die Größe der Gefahr ermessen, die dieser Zustand für die Erhaltung unserer Gemeinschaft in sich birgt. Und das muß einmal offen ausgesprochen werden: nicht jene allein sind die Schuldigen, die diesen tödlichen Stoß gegen uns rühren, die Hauptschuldigen sind die Mütter, die ihr heiliges Amt, Juden zu erziehen, begeisterte, selbstbewußte Anhänger unserer Religion, nicht ausüben wollen und oft auch nicht auiübeu können, weil sie nicht wissen, warum und weshalb sie Juden sind, weil sie jene Welt von Glück, jene Fülle von Leid nicht fühlen und begreifen, die Im Judesein beschlossen liegf. Darum ist es Zeit, höchste Zeit, die Frauen zu erwecken, und hier ist wieder die Loge der Boden, wo wir mit dem Manne gemeinsam eindringen wollen in die Ideen unserer Religion, wo wir zu aufrechten, selbstbewußten Juden und zum Judentum erzogen werden wollen. Und darum Ist die Annahme so verkehrt, ja geradezu gefährlich, daß es sich bei unserer Forderung nur um einzelne Frauen handelt, die vielleicht durch Mithilfe In den Kommissionen an der Logenarbeit teilnehmen sollen. Nein, nicht um einzelne bandelt es sich, sondern um alle, um jede einzelne, so weit überhaupt ein Funken von Anhänglichkeit an unsere Gemeinschaft in ihr wurzelt. Nicht an einzelnen Frauen soll die Loge ihre erzieherische Arbeit erfüllen, sondern wir alle sollen befähigt werden, durch das geistige Leben in der Loge unsere Aufgaben für die jüdische Zukunft zu erfüllen. Das sind die Gründe, ich darf wohl sagen, heilige Oründe, die uns die Aufnahme als gleichberechtigte Mitglieder in die Loge ersfreben lassen. Und daraus gebt auch hervor, daß eine besondere Frauenloge überhaupt nicht in Frage kommen kann. Die soziale Arbeit, die diese Frauenlogen in den Städten, in denen sie bestehen, leisten, wird häufig bereits von anderen Organisationen In mustergültiger Weise aulgeübt, und für die geistige, jüdisch-erziehe- , rische Arbeit allein eine besondere Frauenloge zu gründen, wäre schon aus praktischen, technischen Gründen, abgesehen von der unnötigen Kräftezersplitterung, unzweckmäßig. Wohl sind wir nicht so radikal, um unsere Aufnahme von heut auf morgen zu verlangen, wohl wissen wir, daß erst die Großlöge ihr Einverständnis erklären muß; aper bis das erfolgt ist, erhoffen wir, daß man eine Form findet, die uns die größtmöglichste Teilnahme am Logenwesen gewährt. Wir wissen es' auch wohl zu würdigen, wenn es Männer gibt, die vor allem das Ritual nicht ohne weiteres preisgeben wollen. Nun, ich kenne dieses Ritual nicht; aber so viel weiß Ich, daß,«-wie j bei allen Riten auch hier das Wesentliche nient die Form sein wird, sondern der Geist, der aus ihnen spricht. Der Geist, der sich hier offenbaren dürfte in der Propagierung der Duldung und Menschenliebe, also jener Liebe, die ja alle Menschen, also Männer und Frauen, umschließt. Und wenn es Brüder geben sollte — es dürften ihrer nur sehr wenige allerdings sein — die in ihrer Gegnerschaft so weit gehen, daß sie sagen, sie würden austreten, wenn Fräuen hereinkämen, so mögen sie ihr Ritual noch so hochhalten, in seinen Geist sind sie nimmermehr eingedrungen. Ich habe aber die Urberzeugung, daß die Männer bei ernstem Eindringen in diese Frage unseren Wünschen entgegenkommen werden; liegt ihnen doch die große Sache, die Erhaltung und gedeihliche Entwicklung des Judentums genau so am Herzen wie uns. Nur eins ist erforderlich: Wir selbst müssen den Glauben an den Sieg unserer guten - T.;