Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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und um diese bandelt et sich für uns, wie ich gleich ausführen werde, keineswegs. Ernste Arbelt und ein Eindringen in Ideen kann sicher den Boden nicht geben, auf dem die Sumpfpflanze des Kastengeistes gedeiht. Jene oberflächlichen Frauen, die den Oelst des Dünkels in die Loge hineintragen könnten, sie werden, davon b<n ich überzeugt, sich so fremd und gelangweilt im Kreise der ernsten, strebenden Frauen fühlen, sie werden den Problemen, die uns bewegen, so wenig Interesse entgegenbringen, daß sie ein oder zweimal kommen und dann von selbst fortbleibjen werden. Auch der Einwand, wir seien nicht objektiv, nicbt sachlich genug, schreckt mich nicht. Hätten wirklich nur die Männer den weiten Blick und die Großzügigkeit gepachtet, nun gut, so sollen sie uns erst recht aufnehmen, daS wir von ihnen lernen, Person und Sache zu trennen, wie es andererseits nur zu begrüßen wäre, wenn sie von unserem Ueberschwang des Gefühls, der Ursache unserer vermeintlichen Subjektivität, 'einen Hauch verspürten. Völlig von der Hand weisen muß ich den lächerlichen Vorwurf, wir seien nicht diskret. Diskretion ist bekanntlich Sache des Taktes und Charakters und als solche nimmer Eigentümlichkeit eines bestimmten Geschlechts. Ein anständiger Mensch, ob Weib, ob Mann, pflegt die Fähigkeit Anvertrautes bei sich behalten zu können, schon als Produkt seiner Erziehung mitzubringen. Aber läuseben wir uns nicht: diese fein ausgeklügelten Gründe, die sogar ein Bruder inder Logenzeirschrift verficht, sind nur Vorwände für den Grund, den sie in jedem Gespräch mit einem Gegner wiederkehren hören. Man fürchtet für seine Gemütlichkeit; man fürchtet, die Atmosphäre der Zusammengehörigkeit könnte durch das "Eindringen der Frauen gestört werden. Bei allem Verständnis gerade für den letzten Einwand haben wir nur die eine Antwort neben der eidesstattlichen Versicherung, daß wir garnicht daran denken,- uns um das zu kümmern, was die Brüder nach den Sitzungen treiben, es ist die.Antwort: Wenn die Männer wüßten, wie ehrlich unser Streben, wie ernst unser Wollen ist, ihr Gerechtigkeitsgefühl und ihre Erkenntnis würden sie sicherlich veranlassen, ihren Widerstand aufzugeben; denn nicht aus Ehrgeiz oder aus Neugier noch aus Sucht nach' Gleichmacherei wollen wir in die Loge hinein, sondern die drohende Notlage der judenheit, die Sorge für die Zukunft unserer Glaubensgemeinschaft, das Verantwortlichkdtsgefühl für die Erhaltung unseres Stammes treibt uns aus unserer Reserve hervor und läßt uns in gemeinsamer erzieherischer Arbeit mit dem Manne auf dem Boden eines jüdisch-geistigen Zentrums, wie es die Loge darstellt, eine Besserung erhoffen. Ab zu Beginn der 80 er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Deutschland, in einer für uns luden ähnlich schweren Zeit wie der heuligen, der Orden Bnei Brlss zum Zwecke eines wirksamen Abwehrkampfes und der Erweckung jüdischen Selbstbewußtseins gegründet wurde, da spielte die jüdische Frau In der Oeffent- Jicbkeit eine ganz andere! Rolle als heute. Würde sie damals schon mitten im Lebenskampfe gestanden haben, würde damals schon auf ihr jenes Uebermaß vrn Pflicht gelastet haben, du ihr heute außer den erschwerten Hausfrauen-j und Mutterpflichten, aucn vielfach noch Erwerbs-, Berufsarbelt oder soziale Tätigkeit auferlegt, ich bin überzeugt, es wäre du Bnei und Benaus Briss-Lcjge, ein Bund für Söhne uad Töchter Israels ins Leben getreten. Doch zwischen dem, was das Damds an Anforderungen an die jüdische Frau stdite und dem Heute, klafft eine Welt. Heule steht die Frau Seite an Seite mit dem Mann im öffentlichen Leben, beute ist sie dien Anfeindungen und Verleumdungen, die wiederum die antisemitische Hetze auf uns speit, genau so ausgesetzt wie er, ja noch mehr; denn sie ist ja Mutter, und so leidd sie doppelt für sich und für j ihre Kinder, für ihre Kinder, die da draußen sich wundstoßen an ihrem Judesein, die da seufzen und dulden unter dem Gift der Verhetzung, das unseren östlichen Brüdern die Pogrome gebracht und für uns die Gdahr, auch mit Leben und Out für unsern Olanben Idden zu müssen, in greifbarere Nähe gerückt hat ds manch einer von uns ahnt Oder kannst du es leugnen, Mutter, wie hart es dich trifft, wenn dein Sohn, der votler Idede sdn Leben für Deutschlands Ehre , aufs Spid setzte, für den du gebangt undl gezittert inden leldvollslen, dunkelsten Stunden deines Lebens, dir endlich wiedergegeben, von seinen christlichen Kommilitonen sich sagen lassen muß, daß er, der dem Tod so oft mutig ins Auge geschaut, nicht satisfaktionsfähig sei. Oder haben edle Frauen ihre ganze Kraft dafür eingesetzt, unseren Töchtern alle Berufe zu erschließen, um es sich nun in den Räumen der Alma mater gefallen lassen zu müssen, wegen ihres Glaubens zurückgesetzt zu werden? Haben doch christliche Verbindungen an hiesiger Universität es ihren Mitgliedern verboten, jüdische Studenten und Studentinnen zu grüßen. Wahrlich, im Kampf gegen die Judenfeindschaft, gegen Haß und Fanatismus kann die Mit Wirkung der Frau heute nicht mehr entbehrTwerden. Als timiMitteldter der Mob durch [die Straßen df : f= »: -