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Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-03-01 · Nr. 2 - März · p. Seite 26

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 2 - März
Date
1920-03-01
Page
Seite 26 (sequence 10)
Language
German
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Iresiähr« Monbijonplatz 10, bat anläßlich seiner diesjährigen Generalversammlung nachstehenden Bericht für das jähr 1919 erstattet. Das verflossene Jahr trägt deutlich die Spuren der Ende 1918. erfolgten Revolution und der damit verbundenen ungeheuren Umwälzung im Deutschen Reiche. Handel und Industrie gingen anfänglich weiter und weiter zurück, erst gegen Ende des Jahres trat eine Besserung ein. Die Arbeitslosigkeit stieg ins Unermeßliche und wurde von Ze t zu Zeit durch Streiks noch erhöht. Die Arbeitgeber schränkten sich auf die geringste -Zahl | von Angestellten ein, Kriegsteilnehmer wurden mich Ablauf der gesetzlichen Einstellungtfrist von drei Monaten entlassen, und so kam es, daß von Tag zu Tag sich mehr Arbeitnehmer an uns wegen Arbeitsvermittlung wandten. Die von Staat und Stadt gewährte Erwerbslosen-Unterstützung wurde infolge der sich steigernden Lebensunterbalttpfeise wiederholt erhöht und wirkte dadurch lähmend auf. die Arbeltswilligkeit und •Freudigkeit. Erst als auf Grund von Verordnungen der Regierung die Säfze der Arbeitslosen - Unterstützung herabgesetzt und teilweise, ganz, eingestellt wurden, begann sich' auch der Wille zun Beschäftigung im Volke zu regen. Durch den Zuzug von arbeitslosen Ostjudtn begann der jüdische Atbeitsmarkt ein ganz besonderes Aussehen zu erhal'en. Tausende von Flüchtlingen beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters entflohen der Unterdrückung und Verfolgung in ihren Heimatländern und Buchten in Deutschland sich neue Lebensrröglichkei; zu schaffen. Sie vermehrten hierdurch die Zahl der während des Krieges von der Regierung zur Arbeit in Deutschland herangezogenen östlichen Glaubensgenossen. Leider hat bei einem großen Prozentsatz dieser Leute der Trieb zum Handeln, die Lust an produktiver Arbeit unterdrückt So galt unsere Tätigkeit ebenso wie die ähnlicher Organisationen besonders der Unterbringung dieser Zugewanderten in verschiedene Berufe. Große Hemmnisse verursachten ans hierbei die Verordnungen des Demobilmachungsausscbusses Groß - Berlin, der die Einstellung aller Auswärtigen verbot, bezw. ihre Entlassung ■ forderte. Mit den schärfsten Strafen wurden Arbeitgeber belegt, die sich gegen diese Verordnung vergangen haben, und oftmals mußten wir vermittelnd und helfend einspringen. Auch die Verfügung des Herrn Ministers des Innern vom 1.November 1919 änderte nichts an dieser traurigen Tatsache, da der Demobilmachungsausschuß diese als nicht zutreffend betrachtete. Dadurch sind die Zahlen unseres Arbeitsnachweises verhältnismäßig ungünstig. . r b e i t s n a c h w e i s: Es gelang uns, im Berichtsjahre neben einer großen Anzahl von Aushilfsarbeiten 1891 feste Stellungen (1048 männliche und 843 weibliche) zu besetzen, während 2758 offene Stellungen (für männliche 1207 und 1551 lür weibliche Arbeitnehmer) und gemeldet wurden. Lehrstellenvermittlung: Auch die Lehr- Stelleavermittlung, die zusammen mit der Berufsberatungsstelle Qroß-Berlins der Hauptski.e für Be rufsperatung der Juden j uns angegliedert worden ist, wunde reichlich in Anspruch genommen. 212 Lehr lingte bemühten sich um unsere Vermittlung, von denen Wir 95 in verschiedeneu Lehrstellen unterbringen konnten, während 46 durch eigene Bemühungen untergekommen sind. 71 mußten von der Vermittlung ausgeschlossen werden, weil sie sich nicht an unsere Bedingungen ballen wollten. L Die Nähstube Januar von der Kriegsh Gemeinde übernommen gelöst haben, gab einer Die Nähstube, die wir im ilfskommission der Jüdischen und Ende d. J. wieder aufgroßen Zahl von Frauen und Mädchen Gelegenheit, sich durch Heimarbeit Verdienst zu verschalten. Mangel an Rohstoffen veranlaßt die industriellen Unternehmungen^ mit denen wir in Verbindung standen, ihre Aufträge einzuschränken; die Behörden, für die wir arbeiteten, wurden infolge des Friedensschlusses aufgelöst. Schließlich waren die Aufträge doch so unzureichend, daß wir gezwungen wurden, diese Abteilung zur Auflösung zu bringen. Die Bu-chführungfkurse für junge Mädchen hatten 9 Teilnehmerinnen; außerdem wurden 12 junge Mädchen in unserem Büro in der Bedienung der Schreibmaschinen und Vervielfältigungsapparate, sowie in Stenographie unterrichtet. Einzelne dieser Mädchen wurden neuerdings auch in unserer Stellenvermittlung zur Tätigkeit herangezogen, damit sie sich an den Umgang mit dem Publikum gewöhnen. Die Schreibstube war mit Aufträgen gut versorgt Erledigt wurden 484 Aufträge und rund 700000 Adressen geschrieben. Mehr als je bedürfen wir, um der noch immer vorhandenen großen Arbeitslosigkeit zu Stenern, der Mitarbeit aller jüdischen kreise. Wir haben uns. deshalb mit allen bestehenden Organisationen in Verbindung gesetzt, Aufrufe in die Zeitungen gebracht und werden in nächster Zeit Plakate In öffentlichen und jüdischen Anstalten lau bringen. Der ungeheuren Gefahr der Arbeitslosigkeit für die Gesamtheit auch nur einigermaßen. Herr zu werden, kann nur dann gelingen, wenn alle jüdisch

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