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Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-03-01 · Nr. 2 - März · p. Seite 24

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 2 - März
Date
1920-03-01
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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Solche versöhnliche Gesinnung mußte nun aber ihre Folgen zeigen — wie in Verhältnis von Mensch zu Mensch, so auch in der Beziehung von jode zu Jude Denn seiner Auffassung des Judentums war Horovitz nicht minder sicher, als seiner selbst; peinliche Konflikte bat es, in der Zeit seiner Reife jedenfalls, nie bei ihm gegeben. Aber s« wenig, wie er sich als Mensch überhob, so wenig als Träger des stolzen, geschichtlichen Judentums gegen solche, die andere Wege gingen als er. An „Kompromisse", von denen seine Gegner sprachen (ein Modewort aus dem politischen Tageskampf der Siebziger Jahre willkürlich auf Gemeindekämpfe übertragend),/hat er niemals gedacht: In seinen ha lachischen Entscheidungen hat er sich eher auf den rechten Flügel der sogenannten gesetzestreuen Richtung gestellt; als das schöne Heim der Frankfurtloge erbaut werden sollte, entschied er (Widerspruch brauchte er nicht zu fürchten), daß der Bau am Sabbath unterbleibe, — nicht als wenn er die Bedingungen nicht gekannt hätte, anter denen eine Fortführung der Arbeit hätte erlaubt werden können, sondern weil eine jüdische Gemeinschaft die Sabbathgesetze heiligen, nicht umgehen soll. Aber eben weil er von der Richtigkeit seiner Auslegung des Judentums überzeugt war, zweifelte er auch keinen Augenblick, daß sie wirken könne und müsse auf alle als Juden Geborenen, gleichviel zu weichem Standpunkte sie sich augenblicklich bekannten, gleichviel Ms zu welchem Orade seine Anschauungen ihre Anziehungskraft üben konnten. Und in der Tat: Philanthropen wie Charles Hall garten, Denker vom Range Hermann Cohens nahen sich Im Kreise dieses altgläubigen Juden willig festgebannt gefühlt Separatismus, Absonderung von Andersdenkenden um „Mustergemeinden" zu gründen,erschien ihm ah) Usberheblichkeit und als schweres Unrecht gegen diejenigen, die man in vorschneller Preisgabe zur Seite stieß. So war denn seine Duldsamkeit (ich zitiere wieder die angeführte Rede) »keine Schwäche, sie war geboren aus dem sieghaften, alles bezwingenden Glauben; sie war hervorgewachsen aus dem ureigensten Boden des Judentums, der Lehre: Liebe den Frieden und kämpfe j für Ihn, liebe die Menschen und bringe sie nahe der Thon." So lehrt uns Br. Horovitz* vorbildliche Persönlichkeit, wie man treu im Eigenen sein kann, aber auch t großzügig im Verständnis des Fremden. Und der Mahner zur Einheit des Judentums ist zugleich der Mahner sur eigenen Einheitlichkeit, zur Bildung einer geschlossenen, jüdischen Persönlichkeit, die Im Bewußtsein ihrer geschichtlichen Sendung auf alles Kleinliche wie von j fern herabblickt. Er war der unbestallte Mentor der Loge, der ungekrönte König inj ihrem Reicb. Freundlich scheint sein Bild uns zu grüßen, da wir uns emporbeben zu seinem Ideal. Denn er war unser. Ferienerholung für Kinder des Mittelstandes. Von Br. E. FÄnkel. Seit etwa vier Jahrzehnten besteht die schöne Einrichtung der Austfistung von Ferienkolonien jüdischer Kinder; sie ist auf Anregung der Deutschen Reichsloge zurückzuführen, die im Sommer 1P82 bald2 nach ihrer Begründung die ersten Ferienkoionisfen aussandte. Welchen Segen diese Wohlfahrtsinstitution gebracht hat, braucht nicht weiter ausgeführt!;zu werden; es genügt, auf das alte Wort hinzuweisen: unsere Kinder sind unsere Zukunft Die Vereine und Ausschüsse, die sich mit der löblichen Aufgabe beschäftigen, pflegen gewöhnlich zu Beginn des Frühjahrs ihre Vorbereitungen zu treffen. Oelder zu sammeln, Ferienheime einzurichten, Unterkunft bei edddenkenden Familien zu besorgen, um rechtzeitig ihre Schützlinge In die für sie bestimmten Orte senden und Ihnen Kräftigung und Erholung mg aller während der Ferienmonate gewähren zu können. Die Objekte der Fürsorge waren bis jetzt vornehmlich Kinder aus den ärmeren Klassen, da die andern Bevölkerungsschichten für ihre Kinder selbst zu sorgen Imstande waren. Der Krieg mit seinen bösen Folgen, die überhastete Staatsumwälzung, die rücksichtslosen Lohnkämpfe usw. haben die Verhältnisse in unterm Vaterlande in vielfacher Weite geändert; der Mittelstand ist finanziell stark geschwächt worden, er bat am meisten gelitten. Die wenigen Ersparnisse, die der eine oder der andere besaß, wurden durch die fabelhaften Preiserhöhungen aufgezehrt Da der Mittelstand nicht in der Lage ist wie der Arbeiter sein Einkommen entsprechend der Teuerung schnell heraufzuschrauben, so ist er der leidtragendste Tei Bevölkerungsklassen. Ich denke an die Beamten

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