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Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. Seite 9

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1920-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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semitimua. Wir müssen so leben, daß uns kein auch noch so leiser Vorwurf treffen, kann. Eine neue Zeit ist gekommen, die auch neue Aufgaben und Pflichten bringt Oraetz tagt von den Juden: „Es gibt keine Wissenschaft, keine Kunst, keine Geistesricblung, woran die Juden nicht mitgearbeitet haben, woran Juden nicht ihre Ebenbürtigkeit dargetan bitten. Namentlich das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert der deutscheu Juden, sie waren die rührenden in den geistigen Kämpfen, in denen der jüdische Gedanke seinen Eingang und seinen Ausgang suchte" Wir deutschen Juden haben deshalb in der neuen Zeit ein altes Out zu wahren, einen Platz zu hüten, der uns gehört, wir müssen uns zusammenfinden zu den ernsten Aufgaben, die die neue Pflicht, welche Jahre ersetzen und einholen will, nun stellt. Reicher, nicht endenwollender Beifall folgte dieser herzlichen, fesselnden, gedankenreichen Rede, von der nur dn Auszug hier wiedergegeben Ist, und nach deren Schluß die eigentliche geschlossene Sitzung sich in feierlicher Weise In der üblichen Form vollzog. Br. Expräsident Dr. Warmbrunn-Frankfurt a. M. übernahm die feierliche Einführung der neuen Brüder in unsern Orden, während die Vereidigung des Beamtenrates durch den hochwürdigen Großpräsidenten vollzogen wurde, der bei dieser Gelegenheit seine Stellung zu den neuen, unseren Orden bewegenden Fragen darlegte. Darauf begannen die Glückwünsche für die neu gegründete Loge, und den Reigen eröffnete der Präsident der w. Leasing-Loge Br. A s c b n e r, der in sehr geistvoller Weise eine Parallele zwischen dem Namenspatron der Leasing-Loge und dem der Heinrich Graetz-Loge zog. Der Verfasser dieses Berichtes kam nunmehr zu Worte und gab seiner innigen Freude Ausdruck, der Installation der Loge, die den Namen seines unvergeßlichen Vaters trägt, beiwohnen, und die Glückwünsche seiner Familie überbringen zu können, und führte etwa folgendes aus: Es ist ein schöner Brauch, daß ein großer Teil unserer deutschen Logen sich den Namen von Mannern beigelegt hat, die teils auj wissenschaftlichem, teils auf sozialem Gebiet Grosses für unsere Glaubensgemeinschaft geleistet haben, so daß die Logen gleichsam einen Ehrenrat jüdischer Geistesgröße darstellen. Um das Lebenswerk von Heinrich Oraetz beurteilen zu körnten, müsse man ausgehen von seinen Anfangen und seinem Bildungsgänge, und man wird erst dann die ungeheure Arbeitsleistung eines Mannes begreifen, der nahezu ohne jede Anleitung sich die Kenntnis der alten klassischen und orientalischen und der modernen Sprachen aneignete und bis zu welcher Vollendung aneignete, der ferner erst sein eignes Forschungsgebiet wie einen brachen Acker bearbeiten, Steine und Schutt hinwegräumen mußte, bevor er dazu gelangte, die erste wissenschaftliche Saat in diesen Acker zu säen. Von früher Jugendzeit an waren schon alle seine Schritte gelenkt von seiner Liebe zum Judentum, und im Wirken lür die Idee des Judentums sah er den Leitstern seines Lebens. Er folgte diesem Stern, als er voll Wissensdrang sein Vaterhaus verließ mit wenig mehr als dem elterlichen Segen ausgestattet, als er zu Fuß den Weg durch ganz Deutschland von seinem Heimatstädtchen Xions bis nach Oldenburg nahm. Seinem Stern folgte er dann später, als er schon als Familienvater den Ihm nicht zusagenden Schulleiterposten in Lundeaburg auf das Ungewisse hin verließ, in der Tasche dasManuskript zum vierten Bande der Geschichte der Juden. Und er hatte sich nicht getäuscht, das Erscheinen dieses Bandes erregte ein außerordentliches Aulsehen Inder wissenschaftlichen Well, in der er mit einem Schlage einer der bekanntesten und geachtetsten Oelehrten wurde. Sein Wirken war wohl auch im Sinne unseres Logengedankens, der ja damals in Deutschland sich gerade durchzusetzen begann, ein solches, daß. wir es als dn in eminentem Sinne diesen Oedanken förderndes ansprechen können. Denn er hat durch seine Lebensarbeit uns Juden gelehrt, daß unsere Vorfahren allezeit durch die Jahrhunderte und Jahrtausende hinduroh trotz der widrigsten Verhältnisse dem Ideal gelebt haben, dem Ideal reinen und edlen Menschentums, das enthalten ist in den sittlichen Forderungen der Bücher unserer Geistesheroen, der Propheten, der 'Dichter und Philosophen des Mittelalters, deren Lehr - meinungen er in schönster Klarheit und Verständlichkeit in sdnem Oeschichtswerk entwickelt hat Er hat uns dadurch gelehrt, daß wir stolzen, und erhobenen Hauptes unserer Vergangenheit gedenken können nach den Worten Goethes: „Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt, Der froh von ihren Taten, Ihrer Größe Den Hörer unterhält und, still sich freuend, . Ans Ende dieser schönen Rdbe sich Geschlossen sieht!« Darauf wies Br. Prof. B r a n n, der älteste anwesende Schüler von Heimich Oraetz und sein Nachfolger im Lehramt darauf bin, daß gerade auf „den Tag (nach dem jüdischen Kalender gerechnet) nämlich am 1. Kislev vor nahezu 80 Jahren der junge Student Heinrich Oraetz in Breslau einzog und sich beim

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