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Bericht der Großloge für Deutschland · 1920-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. Seite 8

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1920
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1920-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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aus, er liebte das Judentum mit allen Fasern seiner Seele, [mit allen Oedanken seines hoben Geistes, er wollte dem Judentum vor allem jene Kraft und Freiheit wiedergeben, deren es so sehr bedarf, die es begehrt und erheischt. In der kleinen Schrift von Oraetz .Briefwechsel einer englischen Dame über Judentum und Semitismus" faßt die Dame die Lehren, 'die sie durch Oraetz .empfangen hat, in die Worte zusammen; „Jeder Jude und jede Jüdin haben dafür zu sorgen, daß der Faden, der sie mit der mehrtausendjährigen Ahnen reihe verknüpft, nicht mit ihnen abreiße, damit das Wunder des Fortbestandes unseres Volksstammes sich weiter fortsetze und sichtbar sei. Es würde in der Welt eine klaffende Lücke geben, wenn das Judentum von der Bildfläche verschwände." Das sei auch eine Lehre für uns. Unser Bund, wie er in der 'Vergangenheit war, soll auch in der Zukunft ein Bollwerk zur Erhaltung unseres Glaubens sein. Auch ein guter Bürger war Oraetz. Oewiß interessierte ihn die französische Politik. Er hob mit Recht hervor, daß Frankreich die Juden zuerst emanzipierte und tadelte es, daß Deutschland nach den Befreiungskriegen in mittelalterlichen Feindseligkeiten gegen-die Juden sich erhitzte, aber er war ein überzeugter Monarchist, ein Schwärmer für die deutsche Reichseiriheit, schon lange vor der Gründung des deutschen Reiches. Seine Polemik gegen Treitschke beweist, daß er sich durchaus als Nationaldeutscher bekannt hat, von j ihm wurde ja gerade das Wort von einem seiner Schüler und Freunde geprägt, daß er „das Muster eines königlich preußischen Juden" war. Er hat gedarbt und entbehrt, um deutsche Bildung und deutschen Geist sich anzueignen, um ein monumentales Werk zu schaffen, das zu allen Zeiten einen Ehrenplatz in der geschichtlichen Literatur Deutschlands einnehmen wird. Wir fragen in unserm Orden weder in religiöser noch in politischer Beziehung nach der Richtung unserer Mitglieder. Uns sind alle Richtungen gleich willkommen, und dafür .kann uns Oraetz als Schulbeispiel dienen. Die Orthodoxen.haben ihn nicht' als den ihrigen betrachtet, sie haben ihn für einen liberalen Juden gehalten. Er wurde von Abraham Geiger angegriffen, aber auch von Samson Raphael Hirsch. Dem jüngsten Biographen von Oraetz, Meisel, wiederum Ist es nicht zweifelhaft, daß Oraetz ein Nationaljude war, und daß, wenn er jetzt gelebt hättea er Zionist gewesen wäre. Alle 3 Richtungen des -. ' , _:1 L i ~^lLL Judentums, die sich heute bekämpfen, waren demnach in der Seele von Oraetz keimhaft rereinigt. Die dritte Forderung unseres Ordens, ein guter Mensch zu sein, ist der Hauptinhalt unserer Ordenstätigkeit. In einem Tagebuchblatt von Oraetz (das aus seiner frühesten Jünglingszeit stammt) findet sich folgende Stelle. Oraetz erzählt von einem jüdischen Bettler MordechaL Nach denen Tode meldeten sich bei der Gemeinde 8 bisher für bemittelt gehaltene Famil um Unterstützung, sie müßten verhungern, da ihr Wohltäter Mordechal, der sie und ihre Kinder bii erhalten habe, gestorben sei. Es ergab sich tatsächlich, daß Mordechai sich taglich nachspotten und verlachen ließ,, nur um diese dürftigen Familien zu erhalten. Oraetz ruft dabei aus!: „Das war ein guter Mensch, wie er sein soll." Unser Ordensziel nach Etatrscht bezieht sich auf die ganze Welt gleichfalls im Sinne von Oraetz, der (wiederum in einem Tagebuchblatt aus der Jünglingszeit) gelegentlich eines Neujahrsgottesdienstes von sich sagt: „Ich betete mit Inbrunst, und bei dem Gebete uw'chen ten pach'dcho dachte ich an die Allverbrüderung in der Welt, und dieses ging mir so zu Herzin, daß es mir innere Seligkeit, Herzensruhe und Hertensfreude gewährte." Die Bestrebungen unserer Loge richten sich, so führte;Br. Timendorfer weiter aus, auch auf die Erziehung unserer Kinder, da wir wissen, daß. wir bald vergessen, bis auf den Namen verschwunden sein werden, wenn sich die Jugend nicht dessen annähme, was wir gegründet, und wenn sie nicht darauf weiterbauen würde. Darum wollen wir das Selbstbewußtsein unserer Jugend stärken durch Vorträge über unsere Vergangenheit (deren Stoffe wir dem Geschichtswerke von oraetz entnehmen können) und auch durch körperliche Pflege der Jugend. Denn nicht nur der psychische Charakter unserer Vorfahren hat durch das Eingepferchtsein im Ghetto gelitten, sondern' auch die körperliche Ausbildung. Zur Natur wollen wir unsere Jugend zurückführen im Sinne von Graetz, der von der Liebe zur Natur erfüllt; war. Den Natursinn wollen wir wecken; der im Laufe der Zeit herausgequält Ist aus dem Gemüt des jüdischen Volkes, denn wer ruhelos über die Erde gehetzt wird, der kann nicht sehen, wie schön sie ist. In diesem Sinne arbeiten wir, und in dieser Arbeit dürfen wir nicht ermüden, denn sie gilt nicht nur uns, sondern auch unseren Söhnen und Enkeln. Wir müssen unausgesetzt danach streben, unsere Mitbürger vom Oegenteil dessen zu überzeugen, dessen uns zeiht, du ist unser Kampf gegen den Anti-

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