Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4864325-6029099-6074444--2502-4866585- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Einhämmern! Von Br. Expräsident Baumann - Danzig. -Es gibt ein paar Sätze In unserm Orden, die seine Forderung bleibt der alte. Führer immer wieder betonen, den Brüdern immer aufs neue zu Gemüte führen, ja geradezu einhämmern sollten. Der erste dieser Sätze lautet: Der Orden ist eine Erziehun-gsOrganisation. Unser verewigter Br. Maretzkl ist es, der diesen Salz in leuchtender Klarheit in den Mittelpunkt des Ordenslebens gerückt hat Und da soll und muß er bleiben. Bei aller wohlangebrachten Pflege von Wohltätigkeit und Geselligkeit darf keinen Augenblick vergessen werden, daß sich in diesen Betätigungen nie und nimmer das Wesen des Ordens erschöpft, daß sie nur Mittel zum Zweck sind. Erziehung ist die Grundaufgabe des Ordens: Erziehung seiner eigenen Mitglieder, Erziehung auch der außerhalb stehenden Stammesgenossen, soweit der Orden in der Lage ist, auf sie Einfluß zu gewinnen. Ich weiß, der Salz stößt bei manchen auf Widerstand. „Sind wir denn Kinder", sagen die einen, „daß wir uns schulmeistern lassen müßten?" „Wenn man von uns verlangt, wir sollen uns basern", sagen die andern, „heißt das nicht unsern Feinden zugeben, daß wir schlecht sind. Sind wir nicht schon jetzt so gut wie der Durchschnitt der Andersgläubigen?" Gewiß, ihr seid keine Kinder und kein Mensch denkt daran euch zu schulmeistern. Ich kannte keinen, der so wenig schulmeisterliches an sich hatte als Maretzki. Aber es gibt schlechterdings kein Alter, wo die Erziehung aufhören darf, und was man von euch fordert, ist lediglich Selbsterziehung. Dies den einen. Den andern aber sei gesagt: Sicherlich seid ihr auch jetzt schon ebenso gut wie der Durchschnitt der Andersgläubigen, ebenso gut —_ und ebenso schlecht. Wenn es nur gälte, euch auf dieses Niveau zu heben, so wäre jede weitere Erziehungsarbeit überflüssig. Aber es gilt mehr. Und damit kommen wir zu dem zweiten Satz. Es gilt, die Juden zu einer Auslese schiebt unter den Völkern zu machen, unter denen sie leben. Ich vermelde diesmal das Wort Adelsschicht/) well es bei einer früheren Gelegenheit von manchen Brüdern mißverstanden worden ist. Aber der Grundsinn der *) A n m.: Kein Geringerer als Ibsen bezeichnet (in einem Brief an Brandes (Dresden, 1871) die Juden als den „Adel des Menschengeschlechts". Bei ihrer gewaltigen Vergangenheit — gewaltig in der Fähigkeit, auch im äußersten Elend das Geistige hochzuhalten —, bei ihren das Durchschnittsmaß der meisten andern Gemeinschaften weit überragenden seelischen Eigenschaften dürfen sich die Juden nicht dabei bescheiden, „nicht schlechter" zu sein als der Durchschnitt dieser andern. Das Beste, du Geistigste auf allen Gebieten zu erstreben, das soll gerade gut genug für sie sein, p Diese beiden Sätze sind indessen erat der Rahmen, tO den es nun mit Inhalt auszufüllen gilt. Dieser Inhalt freilich richtet sich in nicht unerheblichen Miße nach den besonderen Zeitverhältnissen. '. * r ■. '. r V ■ i_£Li' ' "•" * * Hier ist zum weiteren Verständnis etwas einzuschalten. Es gibt Ewigkeitslugenden, deren Ansprüche über allen Wechsel der Zeitverhältnisse erhaben sind, wie etwa: Du sollst nicht töten, stehlen, betrügen, wuchern, du sollst deinen Nächsten lieben und dergleichen mehr. Zu ihnen anzuhalten ist ein Oebot der Religion. Ihre Betätigung ist selbitvers'äadliche Voraussetzung, aber nicht eigentlicher Inhalt einer so weltlichen Organisation, wie es der Orden; ist Für ihn handelt es sich mehr darum, gewisse Verlmingen zu bekämpfen, die eine besondere Erscheinung des Zeitlichen, Kulturellen bilden. Der Orden Ist eine K u 11 u r Organisation. In Anwendung hiervon entspringt dann der dritte Satz: Rottet aus eurer Mitte den widerwärtigen, grobschlächtigen Materialismus aus, der unsere Zeit durchseucht! Um jedes Mißverständnis Im Keime zu ersticken, betone Ich, daß Ich nicht den Materialismus der Weltanschauung meine Es ist nicht Sache des Ordens in der Philosophie Partei zu ergreifen. Ich sage das ausdrücklich, well seiner Zeit im geistigen Sonderausschuß der Großloge von sonst sehr beachtlicher Seite eine derartige Anregung gegeben worden ist, die zum Glück zu nichts Weiterem geführt hat Also nicht den philosophischen Materialismus haben wir zu bekämpfen, — die Erfahrung hat gelehrt, daß man bei materialistischer Philosophie in der Lebenshaltung Idealist vom reinsten Wasser sein kann*) —, sondern jenen Lebensmaterial Ismus, jenes ekle, geist- und kulturlose Hängen und Drängen nach V ß die daß die meisten der deutschen theoretischen Materialisten begeisterte praktische Idealisten sind. - s