Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1920
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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; ,y:>t; f-,-. ■ mM Rechte ur.d ein unerschütterliches Zielbewußtsein. Als sieb gegen Ende d(t vorigen Jahrhunderts antisemitische Strömungen im Oddfellow Orden breft machten, war für unseren Bruder Fenchel kein Platz mehr darin; sein <aufrechter Sinn konnte die Verkleinerung des Rechts nicht ertragen. Seine Antwort war. die Gründung der ersten rein jüdischen Loge. Mit einem kleinen Häuflein von 26 Brüdern bahnte er sich feinen Weg. Schwierigkeiten erwuchsen ihm bei der Gtündung — noch war das Miß tauen Amerikas rege —-, Schwierigkeiten fand er in den ersten Jahren seines,Ordensweges; seine Energie half alles überwinden. Drei Jahre nach der Gründung der deutschen Reichsicge konnte die Großloge für Deutschland eröffnet werden (1885); der deutsche Distrikt vereinigte damals 18 Logen. — Fenchel blieb bis zum Jahre 1887 Grcßpräsident. Ueber ein Mensctenalter bat Br. Fenchel die Entwicklung des Ordens weiter verfolgt und selbst tätig bis in sein hohes Greisenalter hinein an den Arbeiten (eilgenommen. Wie oft kennte man den ewig Rüstigen bei Logen&itzungen seiner eigenen Loge, afc er auch der Berliner Schwesternlogen erblicken, bis Altersschwäche ihn ans Zimmer und Kranketlager fesselte. Aber tuen da noch hat er auf Mitteilungen und Berichten aus den Logen gelauscht und bis zuletzt Anregungen gegeben. Er.blieb der einfache, pflichttreue Mann, der er sein ganzes Leben gewesen ist Sein berechtigter Stolz aber galt der Tat, die seinen Namen mit dein Orden für immer verknüpft hat. Die Bestattung des verehrten Bruders sollte nach seinem Willen durchaus' einfach und schlicht sein. — Br. Rabbiner Dr. Blümenthai, selbst Mitglied der Bertbold Auerbach Loge, der auch Br. Fenchel angehörte, sprach im Anschluß an ein Gebet kurze Anerkennung»- und Pinkesworte. Br. Timendorf er ließ noch einmal in knapp umrissenem Rahmen die liebem werte Gestalt des Ventorbenen vor unseren Augen erstehen. Er warf die Frage auf!: „Warum fst die Oründung unseres Ordens eine Großtat für das gesamte deutsche Judentum? Er antwortete darauf: Weil unser Bund entsprungen ist dem Kampfe um die höchsten Güter der Menschlichkeit Wir hatten den Mut, die verlorene Gleichstellung mit der Errichtung des Ordens zu beantworten, für das geschmälerte Recht Ersatz zu suchen in der Entwicklung der geistigen und sittlichen Kräfte unserer Glaubensgenossen, uns aufzuraffen zum Wiederaufbau unterer Würde, zur Wiederherstellung unserer Ehre". — 4 Die Erinnerung an Br. eine dauernde, gesegnete Fenchel wird im Orden bleiben! . Am 26. Dezember 1919 starb Br. Vizegroßpräsident Jnstlzrat Moritz Baerwald im 60. Lebensjahr. Auch er verschied nach langem Leiden und doch kam sein Tod für uns verhältnismäßig rasch. Neben den politischen Aufgaben, die ihm als Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und später der Nationalversammlung oblagen, und seinen beruflichen Interessen bat Br. Baerwald seine besondere Kraft in den Dienst des Ordens und seiner Loge, der Eduard Lasker-Loge Bromberg, gestellt Er war der erste Präsident seiner Loge und hat dieses Amt wiederholt, zuletzt in den Kriegsjahren, bekleidet Er verstand es, sich die Liebe aller Brüder zu gewinnen. Aufrecht, wie er sich rein äußerlich gab, war auch sein Wesen. Eine im schönsten Sinne . liebenswürdige Persönlichkeit ist mit ihm dahingegangen. Mit Recht konnte Br. Großpräsident an seiner Bahre von Ihn; sagen: „So groß auch sein Wissen und Können war, noch größer war sein Charakter. Er kannte keinen Unterschied zwischen allgemeinen und Privatinteressen. Gerade die all gemeinen Interessen' waren so recht seine eigenen privaten Interessen. Nicht die Auszeichnung war das Ziel seiner Arbeit, für ihn war das Ziel die Arbeit, die einer Auszeichnung wert ist". In demselben Jahre, in dem Baerwald zum Landtagsabgeordneten gewählt wurde, wurde er auch Mitglied des Generalkomitees, und es war eine'besondere Genugtuung j für die Brüder, alt Baerwald einmal äußerte, daß er sich bemühe, die Lehren, die; er aus Ordenskreisen Leben zu übertragen empfange, in sein öffentliches — Das dankbare Empfinden der Brüder kam auch dadurch zum Ausdruck, daß Br. Baerwald noch kurz vor der endgültigen Abtrennung Posenschen Gebietes zum Vizegroßpräsidenten ernannt wurde. . , An seiner Bahre sprachen außer dem Großpräsi deuten Rabbiner Dr. Warschauer, Rabbiner Dr. Wolf von der Jüdischen Gemeinde Bromberg, Justiz» Aronsohn für den Anwalttverein und Dr. Auerbach, Präsident der Eduard Lasker-Loge Bromberg. Der Name des teuren Bruders wird Im Orden verknüpft bleiben mit der Erinnerung an einen vor trefflichen, aufrechten, liebenswürdigen Mann! Odt t