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Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-12-01 · Nr. 13 - Dezember · p. Seite 157

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 13 - Dezember
Date
1919-12-01
Page
Seite 157 (sequence 15)
Language
German
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wieder wie eine Bettlerin mit mehr oder weniger höflichen, mehr oder weniger ironischen Worten rurflckgewiesen zu werden? Nicht das Fraueninteresse. . Das . muß jedem Einsichtigen klar sein Denn der Frau: der Strebenden, der Ehrgeizigen und vollends der Vergnügungssüchtigen fehlt es nicht an Vereinen — an einem Be ä igungsfelde. Was Frauen wie Frau Dr. Eschelbacher und Frau Dr. Seligmann zu ihrem Bittgang veranlaß! — ist, das werden die Herren zunächst weder begreifen noch glauben wollen, einzig und allein das Logeninteresse! Die Jüdin in ihrer ausgesprochenen Mütterlichkeit kennt kaum spezielle Fraueninteressen.. Das Wohl der Sö ne gilt der Mutter mindestens soviel wie das der Töchter. Der jüdische Gemeinschaltsgedanke, der Sinn für Klal J'sroel steht über Stammt'sch und ' Frauenkränzcben. Der Orden B. B. umfaßt in jeder Gemeinde die geistig hochstehendsten und materiell leistungsfähigsten Glaubensgenosse 1 und nun — man bat es ja oft von hervorragenden Brüden gehört, daß diese und jene Loge nicht das Große leistet, was sie leisten könnte. Das schmerzt ernstdenkende Jüdinnen. Meliere kam als Komödiant seinerzeit für die Acacej3ie Irargiise nicht in Betracht. Jetzt stehen unter seinem Namen in der Acade nie die bedeutsamen Worte: R i en ne manque ä sa gloire, mala il manquaitä la nötre. Es gibt einige Namen in der jüdischen Frauenwelt I Deutschlands, unter denen die Bnei-Briss Logen ähnliche Worte schreiben körinten. Andere bedeutende Frauen gingen vielleicht dem Judentum nicht verloren, wenn der Orden sie rechtzeitig erfaßt und lür jüdische Ideale begeistert hätte. Eine, ganz andere Frage ist es, ob man die Frau eines jeden Bruders eo ipso als Schwester aufnehmen, und so die Logr zu einem Familienkränzchen machen soll? Das Niveau des Ordens darf auf keinen Fall heruntergedrückt werden. Mancher bedeutende Mann hat ein geistig recht beschränktes Persörichen zur Gattin erkoren, und manche geistreiche. Jüdin bat noch nicht einmal einen unbedeutenden Mann bekommen. Der Orden soll eine Vereinigung von Persönlichkeiten sein, die sich berufen fühlen und auserwäblt sind am Bau des Tempels der üdischen, der menschlichen Ideale zu arbeiten. Damit erübrigt es sich auf manche Aus'ührungen des Herrn Justizrat Schindler einzugeben.*) Wenn Herr Justizrat aber beute, wo Männer und Frauen vielfach schuti vor ihrer Vermählung in Kunst und Wissenschaft,! In sozialen und politischen Vereinen zusammenarbeiten, und manchmal sich erst als Gegner bekämpfen, ehe sie sich in Liebe vereinen,, als Qrund gegen den Eintritt der Frau in die Loge anführt: eine Xantippe könnte nach einer rednerischen Niederlage ihres Sokrates in der Loge demselben eine jGardinenoredigi halten — so mutet es doch mehr als fcuilletonistlscher Scherz denn als ernste Meinung an. Jede jüdische Frau kennt ihren Mann mit allen seinen Vorzügen und Mängeln und ehrt und schätzt ihn so wie er ist als Oberhaupt der Familie, als Ihres Hauses Grundpfeiler und ihres Hauptes Krone. Je mehr sie aber das öffentliche Leben kennt und sich für gemeinnützige Arbeit begeistert, desto weniger wird sie verlangen, daß ihr Mann ü oerall die erste Oeige spielt. Die Sache'wird, muß ihr über die Person, auch die Person ihres Gatten gehen. •) Nr. 5 der Monatsberichte vom April 1919. Bücherschau. Hans Goslar: Die Sexualethik der jüdischen Wiedergeburt. Ein Wort an unsere Jugend. Jüdischer Verlag 1919.! 1 Eine gesunde Bevölkerungspolitik ist eine Lebensfrage des deutschen Judentums. Spätehe, Kinderlosigkeit, Zweikindersystem und Mischehe führen mit mathematischer Sicherheit zu seinem Untergang, wenn es nicht gelingt, in zwölfter Stunde eine große, grundlegende Wandlung im ganzen seelischen und sozialen Aufbau der Judenheit herbeizuführen. Diesen Versuch unternimmt Hans Goslar mit seinem Wort an die jüdische Jugend. Goslar geht von seinem nationaljüdischen Bekenntnis aus. Das Judentum ist aber für ihn weit mehr als Nur- Nation oder Nur-Religion, es ist ein gewaltiger Oeistesbau, der alle Gebiete des menschlichen Seelenlebens, der Ethik, des praktischen Lebens in Haus und Familie, der Sozialpolitik, der Philanthropie, des Geschäftslebens und der Rechtsprechung umfaßt. Er verlangt, wie es das altüberlieferte Judentum tut, die völlige Hingabe an das jüdische Ideal, die Heiligung des gesamten Lebens, die. Unterordnung der Persönlichkeit unter die Notwendigkeiten der Allgemeinheit, und zieht die Konsequenz dieser

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