Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1919
- Issue
- Nr. 11/12 - Oktober
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 129 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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seiner Geschichte der Menschheit: „Lasset uns, meine Brüder, mit mutigem, fröhlichem Herzen auch mitten unter der Wolke arbeiten; denn wir arbeiten zu einer großen Zukunft." Nur aus dem Ideengange des für einander Arbeitens ist die Menschheit zur Erlösung, zur sittlichen Freiheit zu führen, und Goethe vollendet den Herderschen Anschauungskreis mit den Worten in seiner Iphigenie: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Dieses Gefühl der Gemeinsamkeit, diese Durchgeistigüng der persönlichen Triebe, ist der wahre Träger aller Kultur. Hier liegen „die höchsten und idealsten Interessen der Menschheit". So gewinnt der.Begriff, den wir in jeder Arbeitsloge hören, lebendige Form und einen faßbaren Inhalt. Wer dauernd mit sich und seinen Geschäften und Interessen beschäftigt ist, kann .unter Umständen auf engen Gebieten indirekt der Menschheit nützen; ein Kulturträger und ein Segen für die Menschheit kann er nicht sein, ebenso wenig wie derjenige, dem sinnliche Befriedigungen Selbstzweck sind. Um als Mensch seine Bestimmung zu erfüllen, kommt es nicht auf die Länge, sondern auf die Tiefe und den Inhalt des Lebens an, ja, das Leben hat überhaupt nur einen Sinn, wenn es edles Menschentum enthält und die Gemeinschaft über das Individuum steilt. . Freilich der Weg der Menschheit ist nicht zu allen Zeiten klar nach diesem Ziele gerichtet gewesen. Völker bekriegen sich,. Konfessionen kämpfen gegeneinander, Menschen streiten und mißgönnen einander das tägliche Brot, aber unter den Besten der Menschheit zieht sich diese Idee deutlich durch die ganze Geschichte der Kultur. Noch ist die Zahl dieser Hochdenkenden begrenzt, in unseren vön Haß und Leidenschaft durchtobten Zeiten kleiner als, vorher, und doch muß diese verdunkelnde Wolke wieder schwinden, um dem währen Glücke, dem höheren Menschentume, Raum zu geben. „Machet Bahn." Das Wort ergeht heute an alle Brüder unseres hehren Ordens; ebnet diesen kommenden Zeiten der Liebe den Weg, seid gerecht gegen Euch, gegen die Brüder und gegen alle Menschen l | ... Was {aber ist Gerechtigkeit anderes, als die Erfüllung des von Kant aufgestellten kategorischen Imperativs, des Grundgesetzes aller Sittlichkeit: „Gieb deinem Willen die Form der allgemeinen Gesetzgebung, oder handle so, daß der Grundsatz deines Handelns ein allgemeines Gesetz sein könnte." j ■ " I Ii . 1 -* Wenn der Beginn dieser Ausführungen klar gelegt hat, daß dieses allgemeine Gesetz nur das Gesetz der Menschenliebe, der Rücksichtnahme auf die Menschheit sein kann, so ist auch damit erwiesen, welche Stellung die Privatinteressen gegenüber den Bruderpflichten einnehmen dürfen. Die Berechtigung privater Interessen hört dort auf, wo sie mit dem Interesse der Allgemeinheit zusiammenstoßen/ Das gilt im Leben jedem Menschen gegenüber und gilt in besonderem Maße für den Mikrokosmos, den der Orden und die Loge darstellen. Das Gebot der Nächstenliebe, das in der Lehre des Jüden- J t | tums neben dem Gebote der Gottesliebe, den hervorragendsten Platz einnimmt, steht unbedingt jedem Egoismus entgegen, der einen Mitmenschen schädigen könnte. Des Bruders Ehre , soll ihm so heilig sein, wie seirfe eigene Ehre, des Bruders Wohlfahrt so am Herzen liegen, wie sein Ergehen. Die Nächstenliebe muß uns, wie es die Worte Maleachis ausc rücken, in jedem, Menschen den Bruder sehen I issen. Sie muß uns veranlassen, liebend und wohlwollend uns in die Seele unseres Nächsten hineinzufühlen, wenn wir vermeiden wollen,, ihn zu verletzen. Diese innere Prüfung muß sich nicht nur auf unser Privatleben beschränken, sie muß auch in unserem Berufsleben in Erscheinung treten. 'Unser Beruf soll einen wesentlichen Teil unseres Lebens ausfüllen, wir sollen ihm mit aller Intensität nachgehen, aber das Interesse für den Beruf darf nie dazu reizen, ihn nur von der materiellen Seite zu betrachten und rücksichtslos alle Möglichkeiten auszubeuten. I , " ■ „Tu', was du kannst, und lass' das andre dem, der's kann; Zu jedem Werk gehört ein ganzer -Marm.'-