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Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-10-01 · Nr. 11/12 - Oktober · p. Seite 130

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 11/12 - Oktober
Date
1919-10-01
Page
Seite 130 (sequence 12)
Language
German
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Das Privatinteresse darf nie zu einer Ueberschätzung des eigenen Könnens führen, wenn es nicht schädigend wirken soll. „Wohl sind wir Alle, bereit, dem Einzelnen Hilfe und Beistand zu gewähren." Diese Worte unseres Rituals sind eine sittliche Pflicht der Brüder gegeneinander. Der Bruder darf erwarten, daß die Brüderschaft zu ihm steht, »hm den Lebensweg erleichtert, der Bruder darf qber nicht erwarten, daß alle Interessen der Brüder auf sein Privatinteresse konzentriert sind. Deshalb verstößt es gegen den sittlichen Kern des! Ordens, wenn ein Bruder versucht, seine Zugehörigkeit zum Orden materiell auszunützen, wie es ja schon seit langer Zeit verboten ist, sich in geschäftlichem Briefwechsel auf die Mitgliedschaft im Orden zu beziehen. Aber der Bruder hat bei gleichen Leistungen die Pflicht, den Bruder zu bevorzugen und demjenigen Bruder, der schwer ringt, zu helfen, auch wenn sein Privatinteresse darunter leidet, sofern das zu bringende Opfer innerhalb der Möglichkeiten steht. Das wirtschaftliche Verhältnis von Bruder zu Bruder ist eine sittliche Pflicht, aber kein Rechtsanspruch. Auch hier gilt der Grundsatz, daß nur das Wohlergehen der Teile die Blüte des Ganzen verbürgt, und das Wohlergehen der Teile wird gefördert durch Opfersinn, Freimut und Offenheit von Bruder zu' Bruder. Das gilt in materieller Hinsicht, ebenso aber in ideeller. Es ist ein Gebot der Sittlichkeit, jedem Menschen fördernd in seinem ideellen-Streben geigenüberzutreten: eine selbstverständliche Pflicht ist es dem Bruder gegenüber. Wer" einem Bruder nicht jede denkbar ideelle Hilfe gewährt, auch wenn; er ihrer zu materiellen Zwecken bedarf, hat die Aufgaben eines Ben Briss niefit erfaßt. „Du sollst Deinen Nächsten lieben, w ife Dich s e I b s t." Wer sich diese Worte vor Augen hält und in allen Dingen so handeil, wie er wünscht, daß ihm gegenüber gehandelt werde, wird aus dem Gesamlheitsinteresse heraus leicht die Abgrenzung von Privatinteresse und Bruderpflichten finden. Als große Regel wird ihm vorschweben müssen, daß der Orden nicht seinetwegen, sondern er des Ordens wegen da tretende Bruder die Zugehörigkeit teriellen Gründen ist, wie wir Menschen auf Erden nicht Selbst zweck, sondern räch unserem Glauben Träger einer Mission sind für die der Einzelne nidits, die Mission alles t edeütet. „Es ist gleichgüli ig, ob Nachkommen ei liges mehr erhalten, aber nicht gleichgültig, ob mm im Alter zufrieden zurüJcblicken kann und nichts vernachlässigt, nichts zu bereuen hat" Das ist ein Leitstern für unser Handeln. Können \ vir jedem Bruder durch alleTage unseres Lebens fr :i und offen gegenübertret :n, dann können wir auch annehmen, daß wir unseren Privatinteressen kein üebergewk ht gegenüber den Ofdenspflichten gewährt haben. Diese Ordenspfliclten, die zugleich die Pflicht;n wahren Menschentums sind, entwickeln uns m Sinne unseres Glaubens zu höherer Menschlichkeit. „Gott i llein ist heilig, der Mens:h kann nur nach Heiligung streben." Diese Heiligung vollziem sich mit der Erfüllung menschlicher, sittlicher Pflichten. Je größsr der Kreis, der in dem Erstreben diessr Heiligung ein Lebensziel sieht, um so näher rückt die Zeit des Friedens unter Menschen und Völkern, die die Propheten verkünd :t haben. Besonders wichtig ist es, daß jeder neu ein darauf hingewiesen wird, daü zu dem Orden nie aus ma erfolgen darf, wenn der Be tretende nicht sich und den Orden in seinen Rufe auf das empfindlichste schädigen will. Der Orden gleicht dem verschleierten Bild voi Sals. Auch de-, welcher mit ungeweihter, schuldiger Hand den Schleier hebt, sieht die Wahrheit, aber — „Weh' dem, der zu der Wahrheit geht durcli t\ Schuld: Sie wird Ihm nimmermehr erfreulich sein." Eine Zeit sozialen Fühlens, gemeinsame' Interessen sollte die neue Zeit sein, eine Zeit des höchsten Materialismus, des zügellosen Privatinteresses der Massen ist sie geworden Möge unser gelie jter Orden vor dem Eindringer dieses Materialismus bewahrt bleiben, möger die Brüder, die in ihm tätig sind, wirken und wachen, daß niemals die Bruderpflicht untei 130

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