Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1919
- Issue
- Nr. 11/12 - Oktober
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 127 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4864325-6029096-6074429--2463-4866548- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
■:km :]'.:■; . ■ u' l Judentums und Menschentums zu werden (Vgl. Julius Bien, Gesch. des UOBB.. übers, von Freuthal (Kattowitz 1888) S. 106 ff). Während der ersten fünfzehn Jahre seit Begründung des Ordens ging im Leben der amerikanischen Juden eine bemerkenswerte Wandlung vor sich. Bildung und moderne Kultur und besonders das Bewußtsein des freien Bürgertums traten immer mehr an die Stelle der Unwissenheit, des engen Sinnes und der gar zu sehr an die ferne Heimat erinnernden Sitten. Aus deutschen Ghettojuden wurden englisch sprechende und englisch denkende Amerikaner. 'Statt der bisher fn den Logen allgemein herrschenden deutschen Sprache erhielt jetzt ganz von selbst das Englische die Alleinherrschaft. Zugleich machte sich das Bestreben geltend, das Ritual des Ordens möglichst zu vereinfachen. Bei der Neuordnung bildeten die drei Teile des Priestersegens die Grundlage für die drei Grade. Wirken und Wachen für das eigene und der Mitbrüder körperliches und geistiges Wohl, rastlose Arbeit' an 'der Aufklärung und Erleuchtung der Mitstrebenden und tatkräftige Unterstützung aller Bestrebungen, die darauf hinzielen, ein friedliches, harmonisches Zusammenwirken der gesamten Menschheit herbeizuführen, waren von nun an die Ideale des UOBB. Nach abermals zwei Jahrzehnten, als der Orden daranging, auch in der alten Welt Verbreitung zu suchen, erwies sich eine weitere Vereinfachung des Rituals als ein unabweisliches Bedürfnis. So erhielt es allmählich die Form, in der es noch in unserer Mitte ausgeübt Eir wird. Eine Reihe vön Wendungen, die noch jetzt bei uns wiederkehren und allmählich jedem Bruder geläufig geworden sind, treten durch die Kenntnis von der ältesten Geschichte unseres Ordens erst in das rechte Licht. Das allmähliche Wachstum und Gedeihen zu verfolgen, ganz besonders auf die Tatsachen einzugehen, die beweisen, welchen weitreichenden Einfluß der UOBB.;durch seine Waisenhäuser, seine Altersheime, seine Bildungsanstalten, seine Büchersammlungen, seine gemeinnützigen Wohltätigkeitsbestrebungen auf die gesamte Judenheit, nicht nur in der neuen, sondern seit etlichen Jahrzehnten auch in der alten Welt ausgeübt hat, wäre die interessante'Aufgabe für eine besondere tiefe Untersuchung. Aber alle diese hier nur flüchtig angedeuteten Tatsachen sind ein glänzender Beweis für den siegreichen Weg, den die Devise unseres Ordens, Wohltätigkeit, Bruderliebe Und Eintracht bisher in aller Welt zurückgelegt hat. ' Die Hauptbedingung, von der die weitere günstige Entwicklung unseres Ordens abhängt ist seine Sorge für dje Aufrechterhaltung \ der unzerstörbaren Einheit I und Einigkeit unseres Judentums. Der Orden darf dabei auf seine eigene Kraft vertrauen .und weiter auf den Segen der Vorsehung rechnen. Er darf mit Demut, aber auch mit einem, gewissen Maß von Selbstbewußtsein bekennen, daß der Gott unserer Väter, dessen Erbarmen uns bisher geholfen und dessen Gnade uns nimmer verlassen hat, uns auch in aller Ewigkeit nicht verlassen und verstoßen wird.