Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1919
- Issue
- Nr. 11/12 - Oktober
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 124 (sequence 6)
- Language
- German
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Hier in New York fanden die Einwanderer bereits eine größere Anzahl jüdiscier Ansiedler vor. Schon im 17. Jahrhunde 1 waren spanische und portugiesische Mararnen aus Brasilien und Peru, wo sie im 16. Jahrhundert eine Zuflucht vor den Verfolgungen des Glaubensgerichts gesucht und gefunden hatten1, hierher gekommen und hatten eine Gemeinde, die älteste in den Vereinigten Staaten, gegründet. Deutsche Juden riefen etliche Jahrzehnte später; in Philadelphia eine Gemeinde ins Leben, bei deren Begründung oberschlesische Glaubensrjrüder beteiligt waren. Restlos mit den andern Bürgern gleichgestellt, taten sich die Juden überall nach kurzer Frist zu gemeinsamem Gottesdienst und zu mehr öder minder wohlgeordnetem [religiösen Unterricht der Jugend zusammen. In New York gab es vor 100 Jahren bereits eine jjemeinde B'nei Jeschurun, deren Mitglieder ausi England, eine Gemeinde Ansehe Cheßed, deren Mitglieder aus Holland stammten-, und zwei klejnere Vereinigungen deutscher und polnischer Jaden. Ein Gemeinde zwang bestand und besteht auch heute in keiner Weise. Dennoch entstand zu gemeinsamer Tätigkeit die Hebrew Benevolent Sociejty, das ist die altehrwürdige jüdische Chewra kadischa, deren Ziel die Ausübung der für das Judentum charakteristischen Tugend»- des Gemilus Cheßed, ist Die jetzt in Scharen zuwandernden deutschen Juden überwogen bald an Zahl alle übrigen. Als Pedlar oder Hausierer in| der Regel anfangend, kamen sie nach wenigen j Jahren zu einem festen Wohnsitz und einem .stehenden Geschäft und suchten, sobald die ersten| schweren Sorgen von ihnen genommen waren,1 leise und langsam Fühlung mit den Glaubepsbrüdern. Nach Heimatsorten und Landschaften jhielten sie treu zusammen und* übten jeden Brauch der1 Heimat mit großer Ehrfurcht aus. . J* ' ■ I Bald aber befehdeten sich diekleinen, fc. T. zwerghaften Conventikel mit Eifersucht uncj hinderten dadurch das Interesse für allgemeine jüdische Angelegenheiten. Die Ehrenstellung einep Almosenpflegers, Gabbai, oder gar eines Vorstehers, Parnes, in einer mehr oder minder eilenden Betstube war der Gipfel des Ehrgeizes von d :n Un- :n Cecer eine ueallermeisten, sobald [sie ein gewißes Maß Wohlhabenheit gewennen hatten.! Unter einzelnen Gemeinden herrschte Streit und frieden. Selbst in cas gesellschaftliche Leb drang der Zwist aus den Betlokalen und meindestuben, und Jie mit Mühe; und Not Verfolgung Entronnenen verfolgten einander) ifiit Neid, Mißgunst und Eifersucht. Nur selten gelang e s einer Anzahl edel Gesinnter, auf kurze Frist Einfl iß zu gewinnen und größere Anzahl von ' /ereinen zur Förderung -meinnütziger jüdisch;r Zwecke zu|verbinden, )is endlich einige begable, arbeitsfreudige und ooierwillige Männer die Mittel zur j Besserung in ernste Erwägung zoj;en. Als ein gesunder und glücklicher Gedanke kann es dabei bezeichlet werden, daß' sie die bestehenden Synagcgin- und Gemeindeverbände ganz außer Bet a:ht ließen und nur danach strebten, eine Vereim'iji ng ms Leben zu rufen, die zwar streng auf den Lehren des Judentums beruhte, aus ihren Erörterungen aber alle partei-religiösen Fialen ausschloß und FrieJe und Einigkeit nur curch Übung der jüdischen Vorschriften über SitJichkeit und Wohltätigkeit zu erzieleri suchte. Eine solche Gesellschaft kannte keinen Untersdied . * zwischen den Heiinatsorten, den Landsmannschaften und den Vaterländern der Juden, so gelangte schon kurze Zeit nach ihrer gründung der allmählich erwachende Geis: Duldsamkeit und Verträglichkeit in den einze Gemeinden zur Herrschaft. Den Begründern unseres Ordens schwebte nach ihren hinter): ssenen Aufzeichnungen Bild etwa die Organisation der Freimaurer Odd-Fellows vor. Da jedoch die Begrünjdjng eben dieser Orden und Beder hen als und von Freimaurer- und Odd-Fellow-Logen, die r u r aus Juden bestehei sollten, nach der Verfassiing ganz unstatthaft war, schlössen sich Henry Jones, eigentlich He rrich Jonas, aus Hamburg und seine näheren Freu ide, Isak Rosenburg, Wilhelm Renan und Rtben Rodacher, die Juden Amerikas, später!j;anz Israel, zu einem Bi nde zum Ruhme Gottes und zur Erfüllung der ijinsern Vätern am Sinai z igefür die fallenen Aufgaben 124 — zu vereinigen. In der ent- Ge-