Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-08-01 · Nr. 9/10 - August/September · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 9/10 - August/September
Date
1919-08-01
Page
Seite 115 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4864325-6029096-6074427--2450-4866536
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

der gesellschaftlichen Einrichtungen so weit zu dehnen und zu lockern, -daß sowohl das Geschlecht wie die Einzelpersönlichkeit dabei zu Ihrem Rechte kommen. Dies zeigt sich unter andern in den beabsichtigten Reformen des Schulwesens, wo sowohl die Begabungsart, wie der Begabungs g r a d der Schüler berücksichtigt werden sollen. Das geschieht ferner in wachsendem Maße bei der Mitarbeit der Frau in der charitativen, kommunalen, sozialpolitischen Tätigkeit. Es würde zuweit führen, diese Dinge ausführlicher zu betrachten. — Digegen wollen wir zum Schluß noch eine andere Frage zu lösen versuchen, die Frage nämlich: wie verhält sich untere Loge zu den verschiedenen Lehren über die Oleichartigkeit bezw. Verschiedenartigkeit der Menschen, speziell der Geschlechter, und welches sind in dieser Beziehung ihre theoretischen Voraussetzungen? Nun, es wird sich zeigen, daß gerade die beiden verschiedenen Gedankenrichtungen, von denen die Rede ist, in ihr zusammenkommen. Die Loge in ihrer modernen Form, der Inhalt der Loge oder der Logengedanke ist ein Erzeugnis der Aufklärung. Diese Loge aber ist der Idee nach universal; schon eine jüdische Loge ist im Grunde ein Widersinn ebenso wie natürlich eine christliche es ist. Die Loge' fragt nicht nach Juden, Christen, Mohammedanern¬ oder Heiden; sie ist eine Vereinigung von Geislern, von vernünftigen Wesen, die zusammengehören durch den GUuben an Gott, Freiheit und Unsterblichkeit und die den Willen haben, gemeinsam an der sittlichen Vervollkommnung ihrer selbst und der Menschheit zu arbeiten. Zu dieser Gemeinschaft ist alles berufen, was Menscuenantliiz trägt, um in der Sprache der Aufklärung zu reden. Nun aber ist die Loge als Produkt der Aufklärung nicht gänzlich nea entstanden, sondern die Zuleitung frischer Quellen in das versandende Bett der Freimaurerei. Verschiedene Nebenflüsse, Rosen kreuzerturn, Ordensgedanken usw. sind Im Laufe der Zeit in sie eingemündet So ist sie l zugleich ein Erbe uralter mystischer Traditionen geworden, und ihnen verdankt sie ihren exklusiven Charakter. Ueberau wo Geheimnisse gehütet und überliefert werden, da gibt'es eben Eingeweihte und Uneingeweihte. Hier finden wir also neben dem demokratischen einen aristokratischen Zug, neben der Neigung, die Menschen als gleich artig anzusehen, die Tendenz ihre Vcrschiedenhrit zu betonen und zum Ausgangspunkte für ihre Behandlung zu machen. Diese Doppelheft in den geistigen Grundlagen alles Logentums besteht auch in der jüdischen Loge, und sie zeigt sich nirgends deutlicher als in dem Vorhandensein einer Schwesteravereinigung der Loge. Darin setzt sich einerseits der Gedanke durch von dem Mitbefaßtsein der Frauen im Logenideal, freilich als Uneingeweihte, andererseits aber die Vorstellung von einem besonderen Modus, jn dem dieses Ideal seine Verwirklichung unter den Frauen finden soll. Dieser besondere Modus verlangt die Trennung der männlichen und der weiblichen Gruppe und erwirkt der weiblichen eine eigene Leitung und Organisation. Das ist kein Kompromiß, sondern bringt nur die Talsache zum Ausdruck, daß ein konkretes und lebendiges Gebilde nicht einem einseitigen abstrakten Prinzip folgen kann, sondern einer Verein gung widerstreitender Kräfte seih Dasein verdankt. Ein Wort zu den Ausführungen des Herrn Justizrais Schindler, Expr. D. R. L. »» Die Frauen im Orden"/ •. ' <■ Wenn ich als Mitglied des Schwesternvereins der Fraternitas-Loge den Ausfüllungen des Herrn Justizrats Schindler zustimme, so weiß ich wohl, daß ich mir die Mißbilligung mancher Schwestern zuziehe. Nach meiner Ueberzeugung genügt schon einer der in Absatz III. der oben erwähnten Abhandlung (Sollen die Frauen Mtglleder des U. O. B. B. werden?) Von Grete Po in er-Dresden. angeführten Gründe, um die Gefahr für das Fortbesteben des „alten lieben Tempels" den Logenbrüder* vor Augen zu führen. ■ Wir wollen doch ganz offen sein, liebe Schwestern und zugeben,) daß die Mehrzahl der Frauen nicht •) S. Monatsbericht No. 5, April 1919.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.