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Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-08-01 · Nr. 9/10 - August/September · p. Seite 114

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 9/10 - August/September
Date
1919-08-01
Page
Seite 114 (sequence 20)
Language
German
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was ihm fehlt das Interesse der Erotik, das Weib mit dem poetischen Schimmer, des Gehe mnisvollert zu tg klären; denn seine höheren Liebet regufgen galten ■icht den Frauen, senden: denj<naben und J&rglingtn. Das Gefühl, das. wir dem Geheimnisvollen [und Wunderbaren gegenüber haben, d. b. gegenüber [dem zugleich Wertvollen und Fremdartigen, is, E h r; u r c h r, Dicht Achtung Achtung, haben wir vor dem, wir »ersteben, was uns gleich ist Daß man einem für wertvoll angesehenen Menschen garz verschiedene Gefühle der Verehrung entgegenbringt, je nachdem ob man ihr für wesensgleich] -mit sich selber ansieht oder nicht, das ist die Quelle fortwährender Mißverständnisse und Streitigkeiten zwischen Männern und Frauen. Die Frauen beklagen sich Aber einen Mangel an Achtung von Seiten der Männer. Die Männer machen dagegen geltend, daß sie die größte Ehrfurcht vor der Frau hätten. " Besonders die Deutschen berufen sich bei dieser Gelegenheit gerne auf die Erzählung des laci'us, daß die Germanen die Frauen als etwas Göttliches j Ehrwürdiges ansähen. — Beide Parteien haben Rjecbt; der Mann, der wirklich Ehrfurch' bat vor dem Weib ., gibt ihm damit in der Tat einen hohen Rang; idenn Ehrfurcht ist ji auch sein Getüal für Gott Dle^Frau aber hat auch Recht; denn erstens ruht die Ehrfurcht vor dem Fremdartigen — wie wir gesehen haben — auf unsicherem Grande, sie kann jeden Augenblick in ihr Gegenteil umschlagen, in Schauder und Grausen sich verkehren. Zweitens aber ist dieser fremdartige Zauber ihr dann nur so eigen wie eine Naturgabe oder die Wirkung einer göttlichen Gnade, an der sie selbst keinen Anteil hat Die Frauen sind, wenn sie nicht Gegenstände der Achtung sind, ausgeschlossen von den spezifisch menschlichen Daseinsarten des Kämpfens nnd Ringens, des Verdienstes und der Schuld, der sich selbst schaffenden Persönlichkeit.. jenes Wertvolle kann in ihnen nur so sein, wie die Schönheit und der Duft in der Blume ist, die wir ja. auch bewundern, ohne sie ihr anzurechnen. Damit fallen aber auch alle wahren Wertunterschiede unter ihnen fort. Wir finden zwar auch eine Blume schöner als die andere, ohne aber damit eine wirkliche Ueberlegenheit jener über diese zu konstatieren, so wie wir den Menschen, der ah sich arbeitet, sich zu einer sittlichen Größe erhoben hat, ■ Der den im Naturzustände dahinschlendernden Die „Ehtfurcht vor dem Weibe in der Frau" erkennt keine sittliche Ueberlegenbr.»: der-einen über die andere an; sich mit ihr zu begnügen würde für die Frau dasselbe bedeuten wie für den Mann: sich zufrieden zu geben mi> der Achtung vor allem „was Menschensritiitz trägi"— uid keine Achtung vor seiner Persönlichkeit zu beanspruchen. Diese Zumutung an die Frau ist nicht nur erniedrigend sondern auch ungerechtfertigt, weil sie den Tatsachen widerspricht. Sittliche Unterschiede und Zurechnungsfähigkeit der Frau sind doch wohl deitlica erkennbar. Und.so mußte man sich zulezt entschließen, die Grundlage der Achtung, eine gemeinsame Menschlichkeit, anzuerkennen. Man will je';:t einen Ausgleich schaffen zwischen den Anschauungen von der Gleichartigkeit und der Verschiedenartigk >it der Geschlechter. Dabei s-.tilt man sich wiedeium zwei entgegengesetzte Pole vor, für den typischen Mann und die typische Frau und zwischen ihnen einen Zwischenraum, in dem die mehr oder mit der typischen Menschlein sich befinden. Früher wai der eine Pol der wertvolle Mensch schlechthin, der andere Pol war einfach der verworfene Mensch. Frt her hatte der Mann 1 ein Maxraum an Verstand u ld Ge'übl usw., die Frau von beiden ein Minimum. Jetzt hat etwa der Mann ein Maximum an V erstand, ein 'Minimum an Gefühl, die Frau umgekeirt, ein Maximum an Gefüh', ein Minimum an Verstand usw. Die „Pole" sind jetzt Verstand und Gefühl. Dabei wird vorausgese'zi, daß Verstand und Gefühl einander gleichwertig seien, und dan it sind es auch Mahn und Weib. In ihrem Wesen sind sie nun aber sowohl verschieden als auch glech, weil ja Verstand urd Gefühl beide menschliche Eigenschaften sind. Es gibt ja trotz-der Ucberleg inheit des Mannes an Verstand, der Frau an Gefühl, doch keinen Mann, der nicht auch Gefühl, keil te Frau, die nicht auch Verstand besäße Außerde tn gibt es Frauen, die mehr Verstand haben als viel; wenige Männer ein tiefens und erregbareres Oefübl besitzen als zahlreiche Frau en. Mit dieser Anerkennung nun ist eine Grundlage ständnis nnd Annäherung der jede einzelne Frau s Männer, ebenso wie eicht gegeben, auf welcher Vergedeihen können, und auf ch die ihrer Persönlichkeit zukommende Achtung erwerben kann. Und dabei braucht doch die poetische Anschauung des Geschlecht Verhältnisses, das nur bei einer gewissen Entgegengesetztheit und Verschiedenheit beider Parteien stattfinden kann, nicht zu verkümmern. — Diese stellen, theoretische Stellung zur Frau fängt nun auch an, die praktische Lebensgestzllung zu beeinflussen. Man versucht die bisherige Starräeh und den Schema! sraus — 114 — * I I

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