Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1919
- Issue
- Nr. 9/10 - August/September
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 116 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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)^nkkr sozitl denken ktnn, einen ziemlich engen Dinkkreis besitzt, den Kastengeist nicht abtun kann, das Äußere für das Wichtigste hält und Sachliches und Persönliches kaum auseinanderhalten kann. Es ist uns ein Spiegel vorgebalten worden, Schwestern! „So seid Ihr", hat man uns gesagt. Ja, so sind wir, im Allgemeinen, im Großen und Ganzen, aber im Besonderen, im Einzelnen, wie-sind wir da? An alle1 die Besonderen, die Einzelnen, die sich von dem Wabrbeitsspiegel des Herrn Justizrats Schindler nicht verletzt fühlen können, ergeht mein Ruf: Laßt den Logenbrüdern ihren „llebenj alten Tempel! — Laßt Eure Hände von einem gefährlichen Experiment! j— Baut Euch selbst einen eigenen neuen Tempel! Verdoppelt die Arbeit des Schwesternvereins, nein, verzehnfacht sie der beutigen Zeit angemessen! Fangt bei den Kindern an! Holt die schulentlassenen Mädchen herbei! Gebt ihnen in der Zeit der stärksten Eindrucksfäbigkeit Werte fürs Leben! Gebt ihnen Bücher, unterweist sie in Dingen, die Freude ins [Leben bringen, sie werden es ohnehin trübe jgenug haben. Gebt ihnen Unterrichtskurie, praktische Beratung, macht sie lebenstüchtig, berufstüchtig, laßt sie turnen, spielen, wandern, singen. Bewahrt sie von Verl lachung, vor den Kinos, vor den Cafes, vor der Straße!. Greift überall da ein, wo die führende Hand fehlt oder selbst unsicher tastet! Ich denke, es werden sich unter den Schwestern manche finden, die gleich mir den Wunsch hegen, bestehende Einrichtungen zu verbessern und auszubauen und die gleich mir fühlen: Hier muß unser Tempel gebaut werden! Anmerkung der Schrif tleiturig. Der scharf geschliffene Spiegel, den uns Fr. Grefe Posner vorhält, spiegelt nicht nur unser, der F r a u e n Antlitz wieder. Ach nein, das Gesicht der Durchschnittsmenschheit blickt uns daraus entgegen. Darum geht es nicht an, nun zu behaupten: So sind die Frauen! Unsoziales Denken, engen Gesichtskreis, Kleinigkeitskrämerei, Wichtigtuerei und Unsachllcbkeit finden und verurteilen wir bei beiden Geschlechtern. Gibt es denn in Wirklichkeit jemals auf . der einen Seite alles Licht und auf der andern nur Schatten? Es müssen s'ärkere Argumente gegen die Wünsche der Frauen, zu finden, vorgebracht Einlaß in den Logentempel werden. Die von echtem sozialen Empfinden gelragenen Ausführungen, die Fr. Posner in den Richtlinien iür Ausgestaltung der Frauenarbeit in der Loge gib', können ganz weder von Männern noch von Frauen allein durchgeführt werden. Beide Geschlec hter müssen diese Arbeit an der weiblichen und männlichen Jugend gemeinsam und sich ergänzend leisten, wenn sie Erfolg haben, wenn sie eine Zierde dei Tempels werden soll.: Julie Saliqger. Der Frauenverein der Lessingloge (Vors. Gertrud Levy) hat durch das Dahinscheiden von Frau Auguste Kanter :inen herben, schmerzlichen Verlust erlitten. Sie gehörte seit einer langen Reihe von Jahren dem Vorstar d als eins seiner wertvollsten Mitglieder an, und ihr Tod reißt «ine Lücke, die sich nur schwer ausfüllen läßt. Eine seltene, aus reinem Herzen stammei.de Güte zeichnete die Verklärte aus und gewann ihr die Gunst und ungeteilte Wertschätzung aller, die mit ihr in Verkehr standen. Mit der ihr eigenen, natürlichen Liebenswürdigkeit verstand es Frau Kanter, durchdrungen von edler Menschlichkeit und Nächstenliebe, s!cb der bedrängten Armut anzunehmen und Wohltaten auszuüben. Die Gabe, die die teure Dahingeschiedene einem Notleidenden spendete, war nie ein Almosen sondern ein Liebeswerk, getragen von echtem Wohlwollen und religiöser Gesinnung. Der Name von Frau Auguste Kanter wird in unserer Mitte unvergessen bleiben; in Liebe und dankbarer Verehrung wird der Frauenverein der Lessingloge der edlen Heimgegangenen gedenken. I - i •- I ' . I — 116 —