Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-08-01 · Nr. 9/10 - August/September · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 9/10 - August/September
Date
1919-08-01
Page
Seite 113 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4864325-6029096-6074427--2448-4866534
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

von dunkeln, unergründlichen und bedeutsamen Ideen sind weiblich" sagt Bulwer. Die Frau kann demnach sowohl als das hohe Uebermenscbliche angebetet werden, als auch als das Abscheuliche und Teuflische verworfen; beide Richtungen finden sich unmittelbar nebeneinander. Das beweist uns am deutlichsten das christliche Mittelalter In den Parallelerscheinungen des Madonnenkultus und der Hexenverbrennungen. Minder extreme Verbaltungsweisen zeigen doch einen Unterschied darin, ob der Mann die Oesellschaft der Frau anstrebt oder flieht. Gesuch' wird das Zusammensein mit den Frauen in den Zeiten der Troubadoure, der Minnesänger und fahrenden Ritter. Die Standessitte verlangte den Frauendienst von jedem Ritter, der auf Wohlerzogenheit Anspruch machte. Der Mann ergibt sich hier dem sänftigenden und veredelnden Einflüsse der Frau und unterwirft s<ch in den Minnegerichten sogar ihrem öffentlichen Ricbterspruch. Verbreiteter aber ist das entgegensetzte Bestreben: der Mann sucht sich möglichst fernzuhalten von der Frau, in der er das Niedere und Böse fürchtet; er will ihren Einfluß melden, sie womöglich ganz ausschalten aus der Gesellschaft. So wird denn die Frau eingesperrt In das Frauenhau;, den Harem; oder man verbietet ihr mindestens das öffentliche Reden: mulier taceat in ecceleaia! Freilich handelt es sich bei diesen und ähnlichen Maßnahmen nicht nur darum, daß die Männer die Frauen fernhalten wollen, sondern sie wollen auch „unter sich" bleiben: das angenehme Gefühl der sozialen Zusammengehörigkeit, das Kollektivbswußtsein stellt sich leichter ein in einer Gesellschaft von Gleichen! Wir können an dieser Stelle einen Blick werfen auf das Verhalten des jüdischen Mannes zu seiner Frau. Eigentliche Rechte, d. h. irgend eine Freiheit des Handelns billigt er ihr nicht zu, auch er steht bis in die neuesten Zeiten noch ganz im Banne patriarchanseber Oesinnung. Andererseits mißbraucht der Jude seines Machtstellung entschieden weniger als die anderen Männer; er bebandelt die Frau im Ganzen gut und liebevoll und wird zu einer solchen Behandlung auch durch die talmudischen Vorschriften angehalten. Er befolgt in seinem Verhalten zu ihr den Grundsatz der Metternichseben Politik: Alles f ü r das Volk, aber nichts durch das Volk. So geschieht in einer alljüdischen Ebe zwar alles für die Frau aber nichts durch die Frau. Für die Frau rackert der Mann sich ab; er verdient sein Geld, um ihr das Leben ieichter zu machen, ihr Dienstboten zu halten, eine schöne Wohnung und angenehme Lebensführung — 1 ■ ' ' I 'I t; ''■ ' \K ■ . I •' ' ' -■ «3 J r ■ K j i " " ' . •"• ■•' '• -'■' zu ermöglichen. Er ist auch verpflichtet, ihr eisen „standesgemäßen Lebensunterhalt" zu geben u.s.w. Aber'zu sagen bat doch nur der pater famillas allein. Jetzt hat sich auch dieses natürlich geändert. Die , typische Repräsentantin der Frau vereinigt die beiden Eigenschaften der Natur, Vorstufe und Oegens-.'z der Kultur, des Oeistes zu sein; es ist die Frau als Eva. Eva ist die Stammutter des Menschengeschlechtes und sie ist zugleich diejenige; die zur Sünde verlockt. Eva ist ein T e i .1 des Mannes and sein Oeg*ensatz. In dieser Vereinigung wird der Oedanke von .der Minderwertigkeit der Frau anders aufgefaßt als in der Ansicht von ihrer Unentwickelheit. Hier sind die schlechten wertwidrigen sowohl als die wertvollen Eigenschaften spezifisch menschlich: Klugheit und Qüte sowohl wie Dummheit und Bosheit. . Der Mensch, welcher alle schlechten Eigenschaften in sich vereinigt, steht dem Kinde, dem Tiere ebenso fern wie derjenige, dem alle guten ankommen. Zwischen beiden spannt sich eine Skala von menschlichen Verschiedenheiten; an ihram schlechten Ende steht das typische Weib, aat ihvem guten Ende der typische Mann. Diese Auffassung entsteht aus der Neigung des Mannes einen Teil seiner selbst sich herauszusetzen und von sieb abzusondern. Die Frau ist die fleischte wordene Sinnenlust, das teuflische Prinzip. Aber sie ist auch Kameradin des Man «es, nicht nur Fleisch von seinem Fleische, sondern aaieh Geist von seinem Geiste. Die Frau begegnet ans auch als Inbegriff des" männlichen 'Geisties: Pallas Athene, die dem Haupte Zeus' entsteigt, ist die Substanz des griechischen Mannes. Bei Homer erscheint sie auf der Erde fast stets in Männergestalt, weise und tapfer, umgössen von der Heiterkeit und Freundlichkeit des Geistes. Keine, mythische Figur gibt es, welche eine so hohe Achtung vor dem Weibe ausdrückt, wie diese, und dennoch gibt es kaum ein Volk, das die Weiber gründlicher verachtet hat als die Hellenen und unter ihnen gerade die Athener, deren Schutzgöttin die Pallas war. Aber dieser scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn wir'bedenken, daß Achtung und Verachtung auf demselben Boden erwachsen, dem Boden der Gleiafaartigkeitstheorle. Nicht nur achten sondern auch verachten kann man die Frau nur, wenn mirT^ie.jl«lt dem Manne vergleicht. Achtung und Verachtung zollt man nur einem Menschen; das Tier verachtet 1 ■J - 1 «1 t * ■-[■-■ man ebenso wenig wie man es achtet. Der Grieche besonders der A'hener betrachtet d^s Weib mit absoluter. Nüchternheit und vollkommen gläicb'gültig; - -r- % 3- V :::,;,.;«:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.