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Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-08-01 · Nr. 9/10 - August/September · p. Seite 112

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 9/10 - August/September
Date
1919-08-01
Page
Seite 112 (sequence 18)
Language
German
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Die Anschauung, daß die Frau das unentwickeltere Meascaenwesen sei, kleidet sich heute oft in das Gewand einer Lehre van ihrer größeren Unditferenzteifeeii, ihrer Einheitlichkeit. In der geschlossenen oder kau« geöffneten Knospe schläft jedes Blittcheiu noch dicht an ihrem Herzen; keines hat sich weit war ihm weggestre:kl. Alle Ihnein einander rfoch; ihre Gestalten haben sich noch nicht von einander Unterschiedes So bleiben in defF.au auch dpe verschiedenen Triebe, Fähigkeiten, Eigenschaften jnniger rot eininder verbunden und spannen sich nicht in so weitem feindseligen Abstand gegen einander, wie sie das^jm Manne Un. Die Folgerung au^h aus dieser Auffassung ist'der Wunsch, die Frau ijor der Emseiligkeil des Berufslebens und der politischen Tä igkeit möglichst zu bewahren. Der Benu, bildet — so fceiflt es hier — nur eine Seite der Persönlichkeit aus. und l$ßt die andern verkümmern. Die Arbeit der Hausfrau, Gattin und Mutter dagegen betaßt di^ verschiedensten Tätigkeiten unter si4h; sie kann zi\c Fähigkeiten zur Entfaltung bringen, alle Bedorfciisse cies Geistes und Gemüies bis zu einem i^wisse» Grade befriedigen. Sie ist deshalb der S-faöpfung bezw.'Erhalt u ig eines geschlossenen vielseitigen Me iscaerrwe-em günstiger. Es darf nidht verkannt werden, daß sich auf diesem Standpunkte oft eine sehr hohe Einschätzung der Frau einstellen kann. Der Mann sehnt sich aus der Zersplitterung und Zerrissenheit seines Lebens nach einem harmonischen Dasein als einer höheren Form des i Mrsschentums, und dieses Menschentum verkörpert ij« dann die Frau. Einheitlichkeit ist sowohl der Anfangswie der Endzustand jeder Kulturentwicklung, und deshalb kann die Frau unter diesem Zeichen sowohl ein tieferes als auch ein höheres S aditm darstellen — höher freilich nur deshalb, weil sie nicht so weite beschwerliche Unwege zu dieser Hö'ae zu wandeln hat wie der Mann. [ , Eine ähnliche Zwiespältigkeit der Bewertung liegt In der nahe verwandten Anschauung, die d-n Man n als das Kulturwesen der Frau als dem Naturwesen gegenüberstellt. Der Mann sucht dann entweder Erholung in der „Frische" und „Urspringlicbkeit" des Weibes, die er ungern zerstören will; oder er ärgert sich in anderer Stimmung über ihre Verständnislosigkeit für die logischen fsformen, al.'ger.ieinen Rechiisätze und anderen Kulturefrun?enschafien. Ganz ebenso fühlt sich der hochentwickelte, 1 von Zweifeln und Problemen geplagte Gebildete dem I niederen Volke gegenüber. „Das- Weib un1 das Volk — :i konservieren und repr hentjeren in den Kulturgeschichten den weitewipen Faktor der Natur," sagt Bogumll Goltz in. der „Naturgeschichte der Frauen". Auch die Menschen aus dem Volke wirken einmal als „schlichte Natur", ah „Jungbrunnen", als „Quell der Gesundheit und Re nbeit"; das! andere Mal wird ihre Widerspenstigkeit regen einfache logische Einsichten, mechanische Verbesserungen, A'l^emeingültigkeit abstrakter Gesetze usw. als unerträgliches Hemmnis jedes vernünf igen Fortschrittes empfunden Je nach der Einschätzung von Kultur und Natur überhaupt pestaitet sich in beiden Fällen die Bewertung von Frau - und V olk. Einmal wird ihr „unbeirrbarer Instinkt", Ihre „sichere Intuition", ihr „gesunder Menschenverstand" als etwas Göttliches und aller Kultur unendlich Ueberlegenes angesehn, das durch Erziehung nur verdorben und verfälscht werden könne, — eine Einschäfzung, wie wir sie besonders bei russischen Schriftstellern oft finden. Bei andern wiederum' ist es die Kultur, die aus diesen Halbtieren erst Menschen zu machen hat. Diese Doppelbett in der Bewertung dei Natur entspringt daraus, daß die Natur einmal all Grundlage und Voraussetzung allei Kultur angesehen wild, das andere Mal als ib Gegensatz. Die Natur ist etwas anderes als dii Kultur, d.h. hier etwas anderes als der Oeist - denn der Kulturmensch unterscheidet sich eben duret den Geist vom Naturmenschen. Die Nattir isl für den Menschen das Andere und dem Anden gegenüber ist man ei rentlich niemals sicher, ob e i besser oder schlechter gleichen. Die Natur ist; man kann es ja nicht ver n sowohl als göttliche Mach gelten wie als das höllische Böse! Begreiflich ist fü den Geist nur was ihm gleicht, und die Frau ist als Natur das Rätsel, das unbegreifliche. „Es gibt kein: mystische Schöpfung, kein Bird, kein Symbol und kein: poetische Erfindung ::ur Bezeichnung des Dunkeln, Verborgenen und Ui[begreiflichen, ohne daß daz i die Repräsentanten ais dem weiblichen Geschlectt ewäult wären. Da ist die Sphinx, die C h i m ä r e nd die Isis, deren Schieier kein Mensch je gelüfte: at.. Ebenso die Pandora, die Persephone, ie stets entweder in Himmel oder in der Hölle ein mußte, und die H e k a t e, welche bei Nact t das Eine, bei Tag las Andere war. De Sybillen waren Frauenzimmer, desgleichen die Gorg^nen, die Harpyien', die .Furien, die Paifzer, die teufonischen Walkyren,i die Nornen und die Pythia; kurz alle Darstellungen

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