Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1919
- Issue
- Nr. 9/10 - August/September
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 111 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Frau ist der unentwickelte, kindlich gebliebene Mensch, ein Wesen, das deshalb nicht selbst über sich »erfügen kann. Aus eigener Ueberlegung und eigenem Antrieb würde sie niemals das Rechte tun. Die soziale Erscheinung dieser Auffassung ist die mildere Form des Patriarchalismus. — Die müdere Form insofern als hier die Frau nichi mehr als blcße j Sache angesehen wird — rein als Besi'zium des Mannes. Sie ist ein Mensch/ wenn auch ein unreifer, sein ganzes Leben lang de) Vormundschaft ' bedürftiger. Die Frau h 11 hier m Prirzip Rechte, 'nur darf sie sie nicht selbst vertreten. So bedeutsam der Unterschied theoretisch ist, so gfring ist er übrigens praktisch; denn derjenige, der die Frau vertritt, ihr sogenannter Geschlechtsvormund — und ebenso der Richter — gehören doch immer zu der Partei dessen, gegen den dies Recht vertreten wird, ganz abge&enen davon, wie gering diese Rechte überhaupt immer gewesen sind. Die- , selbe Stellung, die hier der Mann der Frau gegenüber einnimmt, hat der Vater den Kindern, das Familienoberhaupt allen Angehörigen, der Hausherr dem Gesinde, der Herrtcher dem Volke gegenüber. Und überall ist diese Stellung gegründet auf die Verstellung von der Unmündigkeit des Geknechteten oder wird doch nachträglich damit zu rechtfertigen versucht. Alles geschieht nur zu seinem Besten! Diese Unmündigkeit verpflichtet den Patriarchen einerseits zum Schutze, andererseits zur Erziehung der ihm Uaterstellten. Erziehung aber heißt Zucht, tu d die Pflicht zur Erziehung erwe st sich lange - Zeit hindurch im Grunde als nichts Anderes denn als ZuchtigungsrechL Immerhin aber hat der Gedanke der Erziehung doch auch edJere Früch e getragen. Zunächst setzt die Forderung der Erziehung die An nähme einer Erziehungsfänigkeit voraus. Die erziehungsfähige Fraa und das erziehungsfähige Volk sind nicht für alle Zeiten zur Unmündigkeit verdammt. Anfangs freilich findet der Gedanke der Erziehung des weiblichen Geschlechtes und des Volkes nur in der Form Eirgang, daß das Geschlecht beziehungsweise das Volk als Ganzes erst gehoben sein müsse, bevor man irgend einem seiner Mitglieder die Mündigkeit zusprechen könne. Tatsächlich ist natürlich gerade das Umgekehrte, das frühere; hervorragende Frauen, besonders aber hervorragende Männer aus dem Volke haben sich zu allen Zeilen Ansehen zu verschaffen gewußt. Was nun hier praktisch vorweggenommen ist, wird endlich auch theoreiifch erobirt. Die An- | '";' .! ■ l erkennung der Persönlichkeit und ihres 'besonderer. Rechtesj Die Verbindung von Gleichwertigkeit und' Verschiedenartigkeit kennt nur ein einziges Niveau, auf -' dem die Menschen nebeneinander sieben und ^e-. trachtet die Gesellschaft als einen Mechmismns, ejjie Maschine, bei der alle Räder ejnfaca ineinander greifen.! Dagegen erblickt die Verbindung von Gleichartigkeit und Verschiedenwertigkeit Staat und * Gesellschaft als . einen Stufenbau (für den extremen Deraokratismus existiert gar kein Staat, nur ein Haufen Menschen, für den extremen Aristokratismus' kann er unter Umständen im Bilde eines Organismüs vorgestellt werden, der ja auch einzelne „edlere teile" hat). Die Welt.nschauung, die dieser Konstruktion zu Grunde liegt, nimmt an, daß irgend ein „Graridwesen",| eine „Ursubstanz", — etwa der Oeisr^le Vernunft, das Göttliche — allen Dingeneiuwohne besonders allen lebendigen Geschöpfen nnd in' höchstem Maße natürlich den Menschen. D e Wesen unterscheiden sich aber durch den Grad, im dem dies oberste Prinzip in ihnen verwirklicht ist. jedes Geschöpf in der Welt hat seiner An läge-nach die höchste Wesenheit in sich; jedes strebt danae'c, das Größte zu erreichen; aber jedes gelangt doch nur bis zu einem bestimmten Höhepunkt, über1, den es nicht hinaus kann, auf dem es aber von andern überholt und übertroffen wird. Ganz ebenso sollen in der entsprechenden Gesellschaftsform alle Kinder von vornht rein die gleichen Aussiebten der Erziehung , und Förderung haben, jedes bat .die Möglichkeit, an die Spitze des Staates zu gelangen; aber jedes kann doch nur sowe t kommen, wie es dem Grade seiner Begabung entspricht; dabei wird die Begabung der Frauen dann im aligemeinen geringer eingeschätzt als die der Männer. „Der Aufstieg der Begabten", „freie Bahn dem Tüchtigen" sind die Schlagworte dieses .Gesellscbafisideals, das maa am besten als eine „Geistesiristokratie" bezeichnen kann. Aristokratie, nicht Demokratie — denn herrschen sollen auch hier die Beaten 1 Der Boden dieses Ideals lind die Weltanschauungen der Aufklärung und des deutschen Idealismus; für die Frauea beginnen die Früchte ihrer Lehren — .wie gesagt — erst jetzt zu reifen. Zweitausend jähre früher jedoch bat schon der griechische Philosoph Piatcn ür die Frauen die Teilnahme an der Erziehung und den Beschäftigungen der Männer gefordert, well sie nur ejeo2 Grade, nicht der Art nach von ihnen verschieden seien. -. ■ ,• T | - ••>;.■•