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Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-08-01 · Nr. 9/10 - August/September · p. Seite 109

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 9/10 - August/September
Date
1919-08-01
Page
Seite 109 (sequence 15)
Language
German
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Gesellschaftsform der Aristokratie nicht als ungerecht verwerfen. Aber der echte Aristokratismus behauptet nicht nur, daß die herrschende Klasse besser sei als die beherrschte, sondern auch daß sie anders sei. Zwischen dem adligen und dem gemeinen Menschen besteht ein Wesensunterschied derart, daß kein Abkömmling der niederen Menschenklasse jemals der höheren. gleichkommen kann. Ihren extremsten Ausdruck findet diese Weltanschauung einerseits in den Sagen von der göttlichen Abkunft der Könige — die früheren Herrscher sind überall Söhne der Götter, Söhne des Lichtes, Söhne der Sonne, und zu Ihnen gehören eine Reihe von gleich gearteten Angehörigen, oder es gibt in ihrer Umgebung Heroen, Halbgötter und ähnliche Gestalten. Die Ergänzungserscheinung .ist die Absonderung einer Pariakaste, einer Klasse von Unreinen, deren Berührung befleckt. Auchdie Sklaven- und Leibeigene nWirtschaft entsteht ja in den meisten Fällen nicht unter den Angehörigen eines einzigen Volkes, das sich als verwandt und gleichartig fühlt, sondern da, wo e i n Volk ein anders geartetes fremdes unterworfen hat; das fremde ist eben dem naiven Menschen mefstens das minderwertige. So wird hier überall Artverscbledenbeit die Grundlage eines ungeheuren Rar gunterschied cp. Der extreme Aristokratismus ist die Lehre vom Herrenmenschen und vom Sklavenmenschen. Nur die Herrennatur bat einen Wert und zwar einen unendlich großen; der Sklave dagegen bat gar keinen Wert oder einen unvergleichbar gcr'ngeren, jedenfalls keinen spezifisch menschlichen. Es ist Abrigens charakteristisch für diese Auffassung, daß sie einen Menschen wert eigentlich garnicht kennt. Für den Junker ist'sein Hund, sein Pferd bedeutend wertvoller als der Mensch, der nicht der „Herrerrasse" angehört. Dieser extreme Aristokratismus ist in außerordentlich großen Landstrecken und in jahrtausendelangen Zelträumen grundlegend gewesen für das Verhältnis des Mannes-zur Frau und ist es z. T. noch heute. Mann und Friu sind Wesen ganz verschiedener Art, ein Mensch in höherem Sinne — d. h. ein vernünftiges Wesen, das in einer Beziehung zum Göttlichen steht — ist nur der Mann. Folglich kommt auch nur dem Mann ein Wert zu. Wir können dieser Auffassung des Geschlechtsverhältnisses etwas summarisch als die asiatische bezeichnen. Wo sie besteht, da wird iberall der Frau die Seele abgesprochen. Der Chinese z. B. zählt nur die männlichen Mitglieder seines Haushalts, wenn er angeben soll, wieviel Seelen dazu gehören. Der Inder verlangt die Verbrennung der Witwe atY einer Sache, die ihrem Manne gehöre und die nur Hand zu sein habe, wenn der Mann im Jenseits suöh ihr verlange. Daß der Mann auch hier Pflichten hat geijen die Frau ist kein Gegenargtim-nt..' £f.lal.ten' hat ja Juden der Mensch auch gegen die TierV,; bei» nns auch gegen die Sachen: wir dürfen sifi hiebt j zers'öi en. - Aber das sind eben keine jo'z i a i e n Pflich en. Von einem sozialen Verhältnisse des Mar ms zur Frau kann also erst da die Red* sein, wo nicht nur dem Manne, sondern auch dir Frau ein Menschenwert zuerkannt wird. Ebenso kann auch 1er extreme Aristokratismus kein soziales Ver- ■ bältnis der Herrenschicht zum Volke begründen. Ein soziales Verhalten ist erst möglich, wo en gleiches Menschentum anerkannt wird! Das geht noch besonders hervor aus alten Rechtsgrundsätzen, welche forden, daß ein Mann nur von1 seinesgleichen gerichtet werden dürfe. Das soziale Verhältnis von Richter und Gerichteten kann also nur unter ülewhen statifl iden. D :r extreme Aristokratismus — das Herren*»« — schafft ein menschenunwürdiges und damit aseaiales Verhalten zum Volke und zur Frau. Ebenso angreifbar,, ja völlig unmöglich ist sein konträrer Oegensatz, der extreme Demokratismus und Sozialismus, die Vereinigung derGleicbartigkeitsmit der Gleich wertigkeitsihecrle, In die Praxis umgesetzt. Wenn alle Menschen gleich sind, darf keiner dem andern befehlen and jeder tut, was er will. . Es ist klar, daß dabei keine Gesellschaft entstehen oder bestehen kann. De Menseben würden wie die Gasatöme im Ranme durcheinanderwirbeln, regellos gegeneinander anprallen und zu einer vollkommenen Anarchie gefallen. Die Versuche, die unternommen worden sind, um d.cse Theorie in d e Pr:xis zu übertragen, sind selbst-' verbindlich alle gescheitert, ehe sie eine' grcle Verbreitung erlangt.haiten. Es bandelt sich hier aberali um religiöse Sekten, die Frauen und Männern vollkommene Freiheit gegeben baben. Damit sind sie auf dem Gebiete des Geschlechtslebens ebenso wie in wirtschaftlichen und politischen biegen zn gänzlich des unhaltbaren Z<is änden gelangt, die len Keim ^Verderbens in sicbjselber trugen; In Rußland z. B. baben sich im 17. Jahrhundert verschiedene solcher Sekten gebildet. Damals mußte man große Waisenhäuser gründen, um den Kindern der Mitglieder ein Asyl zu -geben. Was der heutige Spartak smus und Bolschewismus vielfach ahJtrcc', das — 109 — "

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