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Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-08-01 · Nr. 9/10 - August/September · p. Seite 108

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 9/10 - August/September
Date
1919-08-01
Page
Seite 108 (sequence 14)
Language
German
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Aach hier gehen Meinungen ursprünglich; aus Bedürfnissen und Trieben hervor, um schließlich eine . führende Rolle in der Gestaltung der Zustände zu übernehmen. Jene Bedürfnisse, welche die Swcliung des beherrschten Geschlechts und der behenkchten Klasse geschaffen haben, waren aber — abgesehen von der Sexualiiät — im großen ganzen dieselben. Deshalb zeigen sich auch in den Anschauungen über sie gewisse Uebereinsfimmungen. Dazu kommt, daß mit fortschreitender Kultur die theoretischen Üeberitgaagen überhaupt zu einer Vereinheitlichung und za einen Zusammenschluß drängen. Die Vorstellungen vom Wesen der verschiedenen Menschengrippen werden mehr und mehr abhängig von den Vorstellungen über das Wesen desMenschen iberhaupt Auch diese Verstellungen sind zuerst dea ursprünglichen Bedürfnissen und Trieben entsprangen, mit der Zeit aber durch Erfahrung und gedaakliche Tätigkeit auf eine höhere Stufe gehoben aad schließlich in der allgemeinen umfassenden Weltanschauung verankert worden. Dies bedeutet nun freilich nicht, daß im Einzelnen die Stellung der Frau und die Stellung des niederen Volkes überall die gleiche ist. Erstens pflegen die Gedanken, welche bestimmend auf das Schicksal der Menschen einwirken geeignet sind, nicht 10 leicht konsequent m Ende gedacht zu werden, der Aufkiärungsgedanke 2. B. von den allgemeinen Menschenrechten Ist erst ia allerletzter Zeit auch auf die Frauen angewendet worden. Zweitens pflegen abstrakte Ideen das Leben aar sehr langsam, unvollkommen und höchstens in ganz großen Zügen umzugestalten; im Einzelnen «rweisea sich die realen Interessen oft als unüberwindliche Hindernisse. Deshalb dürfen wir nicht erwarten, in jedem besonderen Falle nun eine gleiche Behandlung der Frauen und des niederen Volkes anzutreffen. •!» Trotz dieser' Vorbehalte aber scheint es mir kein frachtloses Bert üben zu sein, den Zusammenhang jener Vorstellungen mit den Formen des geschlechtlichen und sozialen Lebens bloß zu legen. Diese Formen werden dann als die Folgen oder d:e Erscheinungsweisen jener Vorstellungen angesehen. — Wenn wir die Verhältnisse, m deucn Menschen zu einander stehen können, auf solche Weise verstehen wollen, so rr.üssen wir ans zuerst klar machen, weiche Anschauungen gerade nirrüber in den abstrakten Vorstellungen über das Wesen der Manschen vorgebildet sein können. Der tiefste Gegensa z in den Auffassungen vou dea Verhältnisse" der Menschen zu einander ist der Gegensatz zwischen der Feststellung ihrer all gemeinen G 1 e i c h h Die eine Auffassung Grunde gleich; die Menschen sind "nicht ein satz kreuzt sich besagt: Die1 schieden — die Menschen gleich. Der zweite Menschen sind ihrem : i t und ihrer Ungleichhe sagt: Alle Menschen sind Ith andere Auffassung sagt: Eis nur scheinbar und an cir Oberfläche, soudern auch in der Tiefe ihres Weser g von einander verschieden. — Mit diesem ersten Gegen zweiter Der erste Gegensa z Menschen sind ihrer Art nach vtf sind ihrer Art na* h Gegensatz sagt nun: Die Werte nach verschiede i, oder: die Menschen sind ihrem Werte nach einander gleich. Man muß sich klar machen, daß dis etwas ganz anderes ist alt jenes. Das kann mar, am besten dadurch, paß man sieht, wie sich bel le mit beiden verbinden lassen. Wer annimmt, daß die Menschen ihrer A r t nach verschieden sind, kai in entweder sagen: DieI verschiedenen Arten von Me isehen haben den gleichen Wert oder die Arten haben verschiedenen) Wert, es gibt wer;vollere und minder wertvolle Menschenarten. Ebenso: w!er die Menschen als glekhg e ar t e t ansieht, kann dabei immer noch verschiedene Grade des Wertes anerkennen, er kann z. Ä sagen: Alle Menschen haben zwar die gleichen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften, aber nicht alle In demselben Maße: der eine hat ein größeres! Maß von Güte, Klugheit usw. als ein anderer. Oder aber er sagt: Alle Menschen sind nicht nur gleich geartet, sondern auchgleichwerl Ig. Wir werden finden, daß sich die verschieder en Gesellschaftsgestaltungen auf diese Unterschiede im wesentlichen zurückführenlassen — noch mehr a >er als die wirklichen Gestaltungen natürlich die Par eibeslrebungen, Reform wünsche und Utopien, in dei ien sich ja die Idaen weit reiner und ungestörter a mwirken könnenJ Zwei einander entgegengesetzte Hauptströmun;en erkennen wir als die Grundrichtungen in dem scbi inbaren und oberflächlichen Durcheinander der innerpolitischen Machtkämpfe: die aristokratische und die demokratische. Der Aristokrat.siaus verlangt: Fltrrscbait der Besten. — Der Demokratisi nus verlangt: Herrschaft des gesamten Volk«, jener r |uß mindestens die Voraussetzung machen, daß es Betpe und Schlechtere gäbe; dieser muß bis zu einem gewissen Grade eine Gleichwertigkeit der Menscien statuieren; er darf jedenfalls nicht voraussetzen, laß einige wenige der großen Masse in außerordentlich - hohem Grade über egen seien; sonst dürfte er die 08 - '•: .:*

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