Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1919
- Issue
- Nr. 9/10 - August/September
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 107 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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m» l \ Aus dem Verbände der Frouenueremwen der UJO.B.B. Losen, j I Artikel und Berichte aus dem Verbände stehen unter Verantwortung der Redaktion der Monatsberichte der Grossioc»; 1 | Manuskript* für Einsendungen, die unter dieser Rubrik erscheinen sollet', werden jedoch zuvor an die Adresse "ron_ 1 Frau Julie S a Ii n g e r, Dresden-A., Oabelsbergerstr. 20, erbeten. ■ .>','. ■ II» II »II »II»«» II Wertung und Stelluii g der Frau Vortrag-, gehalten an 15. Mai 1919 in der Schv.es crn .erci.vtfu ig der Stelnthal-Log«, Hanburg von Dr. pbil. Betty M Helmann. Es gibt -eine Fülle von Gegenständen, deren Betrachtung für alle Menseben fesselnd und anregend ist; daneben aber bestehen für jeden einzelnen nicht nur — sondern auebi weiter für jede Gemeinschaft, jede Art, jede Gruppe von Personen besondere Fragen und Untersuchungen, die innen mehr als andere am Herzen liegen. Der Mensch ist im allgemeinen sich selbst das interessanteste aller Forschungsobjekte; so haben auch wir Frauen sicherlich das spezielle Bedürfnis, gerade solche Probleme unter uns za behandeln, welche aus unserem Wesen als Frau hervorgehen, und welche unsere Stellung zur Welt, zur Gesellschaff, zu den Menschen überhaupt und unter ihnen zum Manne beireffen. Ja von allen „Frauentagen" sind vielleicht keine von größerer Bedeutung und berechtigterer Aussicht auf Teilnahme als eben diese, die sich auf das Verhältnis von Mann und Weib beziehen. Das Verhältnis von Mann und Weib ist überall vom Manne geschaffen, bestimmt und geregelt worden. Der S'ärkere hat wie in jedem andern Falle so auch hier seinen Willen und seine Wünsche zu Grunde gelegt und ihnen Erfüllung gesichert. Bei dieser Gestaltung der Geschlechtsverhältnisse sind zuerst fast ausschließlich seine niedrigsten Bedürfnisse und Triebe maßgebend gewesen. Herrschsucht, Eitelkeit, Besitzgier, Sexualität, Arbeitsscheu und Konkurrenzneid. Nur bei einigen Völkern haben religiöse Vorschriften einen gewissen Einfluß ausgeübt, aber gewöhnlich nicht in einer Richtung, welche eine Milderung der harten Lage der Frauen bewirkt halte. Nur im Einzelnen wollten jene Vorschriften eine allzu brutale Ausnutzung der männlichen Herrschergewalt verhindern, im allgemeinen a he r waren sie gerade eine Sanktionierung der Unterwerfung der Frau durch den Mann.! Und das ist kein Wunder; sind doch die religiösen Anschauungen, aus welchen jene Forderungen flössen, in denselben Männern entstanden, welche auch die tatsächliche Stellung der Frauen geschaffen hatten. Die männlichen Bedürfniste, welchen zuliebe die;e S'ertung entstanden war, sind zugleich'die Qadle der Anschauungen über das Weib und die ihm* von einer göttlichen Weltordnung zugewiesenen Rolle. (Ein hübsches Beispiel dafür ist u. a. das Versprechen Mohammeds, daß auch die Frauen ins Paradies kommen sollten, aber die alten erst, nachdem sie Wieder jung und schön geworden seien. Ohne fange schöne Weiber gibt es eben für den orientalischen Mann kein Paradies!) Anfangs hat also die p r a k - tische Stellung des Mannes zur Frau sein theoretisches Verhalten ihr gegenüber be'ttianmt. Nachdem dies theoretische Verhalten nun aber-einmal entstanden war, so mußte es natürlich aach seinerseits auf das praktische Leben einzuwirken beginnen. Die eigentlichen Normen, die äußeren Rechtsverhältnisse erhielten sich allerdings auch bei den Kulturvölkern noch bis in die Zeiten' ihrer hörhiten Blüte, ja bis über diese Zeiten hinaus so, wie sie im Anfang gewesen waren. Das i n n er e Verhältnis der Geschlechter aber wandelt sich ja doch im Laufe der Zeit, und schließlich muß das äußere denn auch etwas nachgeben. Nunmehr also sind nicht länger nur die Anschauungen des Mannes über das Wesen der Frau abhängig von ihrer Stellung; sondern es wird jetzt mehr und mehr. aach d i e Stellung der Frau abhängig von der A h s i c h t, dl: der Mann über sie hat — ganz gleich, ob diese Ansicht klar formuliert ist, oder nur unbewuß wirkt. So k >mmi es, daß wir eine weitgehende Parallele finden zwischen den Anschauungen über das weibliche Geschlecht und der Art, wie ihm begegnet, wie es behandelt wird — sowohl im öffentlichen als auch im privaten Leben. Dieser Zusammenhang — d. b. der Zusammenhang zwischen den Anschauungen über das Weib und seiner Stellung ist unser eigentliches Thema. Ein ähnliches Wechstlverhältnis zwischen praktischer und theoretischer Stellungnahme wie in den Beziehungen zwischen herrschendem und beb errichte n Geschlecht, findet sich auch in den Beziehungen der I herrschenden zu der beherrschten K la s s e. im?