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Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-08-01 · Nr. 9/10 - August/September · p. Seite 98

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 9/10 - August/September
Date
1919-08-01
Page
Seite 98 (sequence 4)
Language
German
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oJ Die Emigrationsfrage im Rahmen der Ordensaufgaben Ein Beitrag zur Fr*gfc der Neuorientierung der Ordens* ätigkeit von Dt. Alphoos J. Sußnitzki (Br. dtr Konstantiaopel Der Weltkrieg bat uns den Zusammenbruch nicht nur unserer äußeren, sondern auch unserer inneren Welt gebracht. Und wie wir unsere bisherige Wirtschaftsordnung aus den Fugen gehen sehen, so werden wir nicht umhin können, auch mit zahllosen uns vertraut gewesenen Begrifien und Vorstellungen, Anschauungen und Gedankergängen aufzuräumen. Mehr denn je Ist es daher unsere Pilichti eae wir zu neuen Taten schreiten, uns über deren Tragweite und das Ausmaß ihrer Wirkungen Rechenschaft abzulegen, damit auf den .Trümmern ein wohnliches Haus errichtet werde und aus dem durchwühlten Boden ein schöneres Leben erwachse. Besonders gilt dies für Institutionen, die sich in den Dienst idealer Bestrebungen gestellt haben. In höchstem Grade also auch für . unseren Orden „Bnei Briß", der in umfassender Form die Pflege alles Edlen und Guten im Leben sich zur Aufgabe! gemacht hat Hier muß die Neuorientierung als erste Forderung aller unserer - Unternehmungen j für die Zukunft gestellt'werden. In einem in der Beilage zum „Monatsbericht" für Jar.uar,Februar d. J. veröffentlichten Aufsatz: „Die Aufgaben des Ordens nach dem Kriege" unternimmt es Br. Expräsident Justizrat Dr. ß lau, Frankfurt a. M., das künftige Arbeitsprogramm für die Logen zu formulieren. „Die Pflege der Menschenkultur im allgemeinen und die Pflege der jüdischen Kultur im besonderen" als das letzte und eigentliche Ziel des Ordens betrachtend, zeichnet er, vpn dieser hohen Wirte aus, die R chtlinien, die den Wirkungskreis des einzelnen Bruders wie der Logen, die Ordenstätigkeit nach innen wie nach außen zu umfassen hätten. Die lichtvollen Ausführungen des Verfassers dürften noch auf lange hinaus die Grundlage für ausgiebige Erörterungen und Auseinandersetzungen im Logenleben bilden. So möchte auch *) Wir geben den Ausführungen des Br. Dr. Sußnitzki Raum, da wir die Bedeutung der Wandert rlage der Ostjuden in keiner'Weise verkennen. Inwieweit der Umfing und die" Dringlichkeit' der innerjüdischen Frfgen in Deutschland die Möglichkeit umfassenderer Behandlung der außerdeutschen jüdischen Fragen zulassen wird, wird eine Frage der. Entwicklung sein. Der Zusammenhang der Fiagen Ist unverkennbar und die Notwendigkeit, nach Kräften einzugreifen, für jüdische Organisationen unabweisbar. Das Red.-Kom. •*) L*e). ich aus dem blüte ireichen Strauß der. Anregungen einen knospenden Gedankengang her aufgreifen und durch eingehendere Darlegung zii dessen voller Entfaltui g beitragen. Ich meine di: Prüfung der Frage: ob und wie weit der Orden di: Behandlung der ostjüdischen Auswanderung in dei Kreis seiner Tätigkeit ziehen soll. Br. Justizrat Blau tritt mit allem Nachdruck für eine Beteiligung der Logen bei der Regelung der Auswanderungsfrage d<r Ostjuden ein. Er weist aif die verschärfte Lzge in den Pogromländern hin, d e eine Massenflucbt unt:r den dort lebenden sechs Millionen Juden erzeugen muß, und hebt hervor, diß der Gedanke, gei;en eine Einwanderung os jüdischer Elemente sich sperren zu wollen, nicht nur töricht, weil auf die Dauer ja doch vergeblich, sondern vom jüdischen Standpunkt direkt freventlich wäre und seine Urheber mit dem Fluch der Unbrüderlid i keit beladen würde. Eie Fürsorge für die Ostjudeo bildet somit „eine 1er wichtigsten Au gaben, die im Augenblicke der g< samten Judenhelt obliegen". Ihre Bf tätigung indessen entspringt und entspricht nicit weniger den Interessen der westeuropäischen Jüdin selbst. Demgemäß ergibt sich für uns d.e Forderung, so schnell wie möglich mit den Juden nicht nur n Neutralien, sondern auch der Läider, mit denen wir inrKrieg verwickelt gewesen sind, in ein Verhältcis zu kommen, „dis die Voraussetzung für ein einheitliches Vorgehen in der Ostjudenfrage bieten würde. Diese zwischenstaatlichen Beziehungen der Juden wieder aufzu nehmen, ist nun, schon sein;r Internationalität wegen, wie keine andere Organisation besonders der Bnei-Bri: s-Orden berufen." Verfolgt man diesen, wie mir scheint, durchaus richtigen Gedanken bis zu Ende, dann wird man bald zu der Erkenntnis kom nen, daß für die Regelung c er ostjüdischen Wanderfrage ein einmütiges Vorgehlen der Juden aller Länder nicht nur aus Zweckmäßigkeit^ gründen geboten sei, sondern grundsätzlich gefordert werden müsse, weil das Problem, seinem eigentlichen Charakter internationaler nach, gar nicht anders als auf Basis gemeistert werden kann, Man mache sich den Begriff der „Wanderung" klar, und man wird sofort einsehen, was ich damit sagen will Umfaßt doch die Wanderung von vornherein mindest) ns 98 - -r

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