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Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-08-01 · Nr. 9/10 - August/September · p. Seite 96

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 9/10 - August/September
Date
1919-08-01
Page
Seite 96 (sequence 2)
Language
German
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mißgestaltet Haupt und begeifert untre Ehre. Wohl uns, wenn ihm gegenüber unser gutes Gewissen standhielte; es ist unser Stolz, daß es üoeraus zart und empfindlich ist. Es hieße Uebermenschliches verlangen, daß der letzte Jude sich noch in einer Umwelt allgemeinster Unmoral hätte immun erweisen sollen. Nicht, weil es auch Judenhaiser sagen — ihre immerfertigen Tendenzlügen reichen nicht an uns heran — sondern weil wir zur Wahrheit »gelangen wollen, bekennen wir, daß unser Schild, als Gesamtheit betrachtet, nicht so fleckenlos geblieben ist, wie es unsern höheren Idealen entsprochen hätte! Unsre Gemeinschaft bat es fertig gebracht, diß Brutalität als Quelle von Vergehen und Verbrechen in unsrer Mitte fast versiegt ist. Sie wird darnach ringen müssen, die schwerer zu bekämpfende Geninnsucht (zu überwinden, aus der Unredlichkeit und Untreue fließen, diese entstellenden Flecken im Antlitz unsrer Zeit. Ein jeder von uns sei ein Pionier der Wahrheit und Rechtschaffenheit in öffentlichen Angelegenheiten, der Treue und Zuverlässigkeit in Handel (und Verkehr (diesallesbedeutet„eraes"), das heißt eine wankende Säule der Gesellschaft wieder ins Lot rücken. Wahrheit ist Selbstgerfcbt;• die Welt abe* verlangt strafendes Recht. Dies und nichts anderes tot „din", der 2. Stützpfeiler nach unsrer Sentenz. Die Strafe ist die Ehre des Sünders, sagt ein tiefes Wort; wo auf Schuld erkannt ist, muß die Sühne folgen. (Ais unsre Gegner, bnge bevor ihre Ueberlegenheit siebtbar das Recht des Schwächeren wahrzunehmen, uns Erleichterungen zu verschaffen und auf den wenigen Gegenleistungen zu bestehen, die zögernd gewährt werden (nan denke an unsre armen Kriegsgefangenen); aber der nur ethisch Interessierte möchte am liebsten seine Stimme garniebt erbeben. Das jüdische Krimin ürecht stellte das sonderbare Verlangen an die zum Tode Verurteilten, ihren Richtern - das Zeugnis zu geben: „schön habt ihr über mich geurteilt, s< hön und wahr!" Haben wir auch in unserm Falle iazu keine Ursache, so können wir doch auch nich nachträglich behaupten, der Kriegsausgang begründe überhaupt kein Recht. Ein verderblicher Wahn war es, den Entscheid der Waffen anzurufen, hat en wir ihn aber zum Gerichtsherm bestellt, dann mußten wir uns ihm beugen Und wenn er auch b inder Zufall hieß, wie er eben im eisernen Würfelspil l vorherrscht; die Würfel sind unerbittlich, gegen ihren Spruch gibt es' keine Berufung. Oder doch? Bleibt dem Unterlegenen nicht bei f auf Erden der Appell an eine meinen nicht den Völker kann einmal eine Revision bringen, aber noch ein Schemen. Noch Crieg, od« den inneren Ausnge von selber treiben. Wir meinen Gott. Dhs Gericht ist Gottes, sagt die Schrift, und unser Ne ljahr nennen wir den Gerichts tag des Weltenlenkers Da ziemt es sich, des tiefen jeder res judicata biet höhere Instanz? Wfr bund; er er ist im Augenblick weniger einen neuen gleich, zu dem die D war, von Schadenersatz und Wiedergutmachung „Tonne Wortes sich zu eritnern: „bim'tfom sch'en din, um Tonne" redeten, wiesen wir jeden Gedanken daran entrüstet zurück. Im Kriege, so meinten Wir, müsse man dein Feinde ungestraft schaden können, denn der Krieg se'ze jegliche Rechtsordnung, die* objektivierte Idee der Gerechtigkeit, außer Kraft. Die Feinde aber rechneten fort, wenigstens unter den Formen des Rechts. Der Gedanke, daß. der Feind einmal Richter und Rächer in einer Person werden könnte, kam uns überhaupt nicht; alles Recht konnte nur einseitig von der. Uebermacht der Waffen ausgeben, und die glaubten wir auf unsrer Seite. Mit unsrer Niederlage änderte sich das Bild vollkommen, und beschämt sahen wir ein,, was wir mitten im Waffeagetümmel niemals hätten "vergessen dürfen, daß (die Welt nimmermehr der Gerechtigkeit entbehren könne. Sollen wir jetzt darüber klagen, welche entsetzliehen Härten uns der Vertrag von Versailles auferlegt? Wir würden wenig Eindruck damit erzielen. Unsre Staatsmänner haben allerdings d e Pflicht, jescb din'.-' wo die sagt, da gerade setzl auch den Richter. S Urteilsspruch, bei Strafvollstreckung. Sie und der Rache, sie die Ukraine .nicht; ke Orden verpflichtet uns folgung zu Hilfe zu menschliche Gerechtigkeit ver die göttliche ein. Sie richtet e prüft seine Gesinnung, beim dar Urteilsbegründung, bei der ist ein Rächer des Unrecht) ist der Anwalt der Oanoncht, Darin liegt ein mä chti rer Trost. Wir bedürfen diese? Trostes auch angesich s der himmelschreienden Gr walttaten gegen un ire Glaubensbrü der in klassischen Ländern der Pogrome. Auch Pol wird nicht bestehen, bis es für das Blut gesühnt mit dem es seine junge Freiheit besudelt hat; auc :|n Land und kein Volk. Unser dazu, den Opfern der Ver commen.- Vielleicht kann um das amerikanische Vorbild aneifern, unsere organisierte Kraft mehr als bisher dazu einzusetzen, um Verfolgungen vorzubeugen. Das wäre mehr, als dl: schon geschlagenen Wunden nachträglich und notl 96 — t-

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