Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1919-07-01 · Nr. 8 - Juli · p. Seite 92

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1919
Issue
Nr. 8 - Juli
Date
1919-07-01
Page
Seite 92 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4864325-6029096-6074423--2426-4866513
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zum Delegiertentag des Verbandes der jüdhch?n Jogmdverelne; Von Bf. E Fink;!. Seit Begründung des Verfcindes im Jahre 1900 wwde vcn verschiedenen Seiten das Neutralilätsprinzip, das die Grcfiloge der Jugendorganisation! als Richtlinie «rfstellfe, am die jüdische Jugend aller Richtungen?tf (Trer parteilosen P;*ttfcrm zu sammeln, bekämpft. Die Ne«r-a!Hi» — so wurde behauptet — sei nichl getig«*, ges iblossene Charakters jtu erziehen und Peinlichkeiten heianzubilden Diei Neujra'ltit «röge wohl iur das abgeklärte reife und schwerfällige Älter pss?en, die frische, bewegliche Jugend dagegeh müsse sich zu einer bestimmten Tendenz r bekennen; Sie dürfe nicht nur parteiisch S'in, sondern mü«se Parte! ergreifen. Diese von Parteipäp.ten geprägten SchJagwrrre wurden dann von vielen gedankenlos nachgesprochen; man sagte da neutralen Jugendbe- *'«£,jrg ein nur kurzes Dasein Voran«, dji sie weder Kraft noch Saft besitze, um auf Herz undjOemüt der Jugend zu wirken und sie auf die Dauer; zu fesseln. Durch diese vielfach und eifrig wiederholten Prophezeiungen wurden selbst einzelne Anhänger des Neu'ralifätspi'ir.zips ein wenig in ibret Meinung unsicher gedacht. Es erfüllt uns daher mit großer Genugtuung und Freude fes.stellen zu können, daß der am 15. und 16. Juni er. stattgehabte Delegierten dg des Jugendverbandes dem vielgeschmähten Neuraiitäbgedanken einen vollen Erfolg brachte. Diese Tagung zeigte mit unverkennbarer Deutlichkeit, wie tief dis Neutralitätsprinzip gerade im Herzen der Jugend verwurzelt ist. Nach zehnjährigem Bestehen c'cs Verbandes besdrloß die Delegiertenversammlung einmütig das unentwegte Festhalten am Neutral;tät$- pro^raram. Der erste Verhandlungs'ag der Ddegiertenversa .l-c'ung, an dem der Vertreter der Großloge Br- Maximilian Stein zweimal in die Diskussion eingriff' nahm einen überaus stürmischen Verlauf; es gab ungemein fesselnde .dramatische Momente und zeitweise schien es, daß der Rahmen des neutrale« Jugendverbandes gesprengt Werden würde. Die Veranlassung zu der fast zehnstündigen aufgeregten Debatte gab ein vom Verbandsvorsitzenden Dr. Apfel eingebrachter Antrag auf Aenderung des Tendenzpiragraphen 1, in welchem bekanntlich bei der Verbandsgründung die Neutralf*t festgelegt wurde. In dem Abänderungsvorschlage Apfels, der die deutsch-vaterländische Gesinnung dar Jugttid vereine statutarisch regle rrienH»ren wollte, glvnVen yiilfc De'»gierte eine Vofvtzung 4er NeutraliW erblicken zu sollen, da einer Antrag als ein Vont«B gegei die zionistisch ges nritejugend aufgefaßt werden kfirmt«. Obgleich Br. Apfel seinen ursprünglichen Antrag Zurückgezogen ind ihn in einer anderen, wesentlici gemilderten Fassimg als § 2 einbrachte, wurde auch diese hartnäckig bekämpft. Viele st'fßen sich an c 'n Worten: „deutscli-va'erländ'scb» Greinnun»" die in den Kriegsjahren durch die Alldeutschen diskreditiert seien; andere widerum msebten geltend, daß die Pflege vaterländischer Gesinnung eiwss Selbstverständliches sei, das nichl erst in einem besonderen Paragraphen hervorgehoben zu werden brauchte, umsoweniger als der Delegiertenfeg vor Eintritt in die Verbandlungen eine Entschließtng einstimmig angenommen halte, die der Jugend zir heiligen Pflicht macht, „ihre ganze Kraft für den Wederaufbau des Vaterlandes einzusetzen." Die ji kir-che Jugend habe im letzten KrU ge ihre Treue zum 1 Verlande in reichem Maße bekun Jet und es hieße, dis Blut verwässern,'las von Zioniseu und Nichtzionisten auf den verschiedensten Schlachtfeldern in Ost und West vergossen worden ist, wolle man noch übe die vaterttndisebe Gesinnung i er jüdischen Jugend diskutieren. Und so tobte 1 lie Redeschlacht zwischen den Anhängern und Gegn m des Antrages Apfel bis g**gen Abend. Als der Tag s ch neigte, ergriff Br. Apfel das Wort zu ein er großangele jten Rede.in der er mit innerer Erregu pg und mitgroßer U 'ärme die Gründe auseinandersetzte, lie ihn zur Einbringung seines Antrages bewogen hätten. Er versicherte, < aß er damit keine Richtung im Judentum habe treffen wollen, rfiß vielmehr der unsägliche Schmerz über die Not und das Unglück des Vaerlandes diesen Antra? geboren habe. Nach der eindrucksvollen Rede des Hr. Apfel erbat nochmals der Vertreter der Großloge, Br. Miximi ian S'ein, das Wort. Er stellte zunächst seine am Vormittag gemachten Ausführungen dahin klar, daf er die Betonung der bereits bei der Begründung des Verbandes festgelegten selbstverständlichen lindischen Gesinnung in der Form einer Einschließt der Delegierten-Versammlung auch ohne ausdrückliche Aufnahme eines diesbezügl. Pasaus in die Satzungen gehalten bitte, ohne damit aber, wie weise angenommen worden sei, den für ausreichen mißverstandli! modifizierten zu w strag 2 des Verbandsvorsitzenden bellten. Redoer habe im Oegenteil bereits vormittags mrvorflphobea, «VI er in dam abgeänderten Apfelsäften

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.