Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1919
- Issue
- Nr. 8 - Juli
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 91 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Dies« aus den Gedankengängen des Orgens und der Loge heraus entstandene Arbeitsprogramm mag infolge der Entwicklung der Krlegiverbättnisse und vieler Erscheinungen, die diese Entwicklung im Gefolge hatte, eine gewisse Neuorientierung bedingen; im großen und ganzen aber glauben wir, Ihnen das unentwegte Festhalten an dem Standpunkte empfehlen zu sollen, den Sie mit uns vor 10 Jahren eingenommen haben. Noch vor Ausbruch des Krieges wurde auf einer| Tagung der deutschen Zentrale für Jugendfürsorge der Kampf der Parteien um die Jugend lebhaft eröilcrt und der Sorge Audiuck gegeben, d;.ß die Jugendbewegung zu einem wüsten Kampffeld schroffer Gegensätze und Spaltungen au arie, und daß eine zunehmende Politisierung eine verhängnisvolle Schädigung der im Grunde an sich unpolitischen Jugendbewegung in sich schließe. Weit weniger noch als christliche' Krtise können wir Juden uns den Luxus immerwährender Zerk'ü'iungen und des ewigen Pirieihaders leisten. Eine übermäßige Politisierung unterer jüdhchzn Jugendbewegung Würde dieser verhängnisvoll werden Unsere Jugendvereine dürfen nicht zu paiteipoliiischen Kampforganisationen ausarten, die trennend und ausschließend wiiken. In den Jugendvereinen darf es auch getrost eine gewisse religiöse und politische Schonzeit geben!; Oewiß kann man von der Jugend nicht erwarten daß sie parteilos ist, und mm kann sie nicht bindern Partei zu ergreifen. Soweit es in einem Jugendverein referierend zu Informatorischen, jüdisch politischen Erö/terutigen kommt/dürfen diese nicht zu dem Fanatismus führen, dem die r arteipolitische Propaganda Selbstzweck und die ganze Jugendbewegung nur noch Mittel zun Zweck ist. Es Ist für jeden jungen Measchen, ganz gleich, wie er religiös und parteipolitisch denkt, nur nützlich, einer neutraten Organisation anzugehörer j die ihm Gelegenheit bietet, sich mit Menschen verschiedenster Anschauungen zusammenzufinden, sie kennen und verstehen zu lernen. Fern von aller Einseitigkeit bat der Jugendverein die Persönlichkeit u umfassen und nicht nur durch Belehrung zu bilden, sondern auch durch Vorbild und Beispiel, durch freundschaftlichen Verkehr mit gleichstehenden Altersgenossen. Die Jugendvereine müssen Schulen der Toleranz sein, Starten objektiven Meinungsaustausches und wohlwollender Duldsamkeit. Herabsetzungen, Verunglimpfungen Andersdenkender verwirren alle idealen Uiteilsbildungen und führen zu einem uufruehtbarea Verbrauch der Kräfte, die man wahrhaftig weit besser für positive, praktische Jugendarbeit verwendet Angesichts der Unsicherheit unterer Zeit soll der Jugendverein /ar Harmonie, zur Lebensfreude, zu neuem friicacn Lebentmut hi: geleiten, anstatt Immer-Gegensätze zu schüren und hervortreten zu lassen. Mehr denn je braucht die Jugend heute, da alle Autorität Ins Wanken gebracht ist, und jeder einzelne von äußerer u;id innerer Unruhe beherrscht wird, der Selbstdisziplinierung. D e Gesamtheit der tausendfältigen Probleme, an denen wir mitzuwirken haben, gib! uns so unermeßlich viel Arbeitssto f, daß man sich fürwahr nicht immer wteder mit dem Ziouismus zu befassen braucht. Neben Verbreitung allgemeiner Bildung und allgemeinen W-ssess die Befähigung zur Mitarbeit am gels.igen und wirt-cha.'tlichen Wiederaufbau.Deutschlands, die Pflege speziell jüdischer Geschichte, Literaiur, Religlons- und Kulturgeschichte, die ethische Erziehung zu sittlich rr fen Persönlichkeiten; .die Teilnahne an allen jüdischer^ Gegenwartsproblemen, die S'ärku'g des jüdischen Gemeinschaftsgefühls, die Schaffung von Jugendheimen, die. körperliche Ertüchtigung durch Sport-, durch Ruder-, Turn- und Wandergruppen, die Erweiterung der Zahl der den Juden zugänglichen Beruf anen und die Erleichterung der Ergreifung derselben, -der Kampf gegen Abttünnigke t, Indolenz, Treulosigkeit und Indifferentismu-, die Einbezleuung der Fraueo zur Mitarbeit an allen wirtschaftlichen Aufgaben, die Vei breiiung sozialen W.sseni, die Erwckung sozialen. Sinnes Und Verständnisses, die Ausrüstung für den Kampf gegen den nichtjüdischen und auch gegen den jüdischen Antisemitismus, gegen Herabwürdigung des Judentums in unseren eigenen Kreisen, die Stärkung des jüdischen Veratitwortlichkeifsgelühls und so unendlich vieles mehr, das sind positive Aufgaben unserer Jugendvereine. ..'■[• So erklärlich es ist, daß heute alles* im -Brennpunkte der Politik steht, so ist das Heil der Jugendbewegung letzten Endes doch nur in der Abkehr von politischen Streitigkelten und in der Rückkehr zur positiven Arbeit zu suchen, zur praktischen, bewußt-jüdischen, ethischen erzieherischen Arbeit an der Jugend, für' die Jugend, im Rahmen und auf dem Boden unserer bewährten Neutralität. ' - tt -