Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1919
- Issue
- Nr. 7 - Juni
- Date
- 1919-06-01
- Page
- Seite 72 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4864325-6029096-6074422--2405-4866493- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vir ans Erfahrung wussen. nicht nnr »otaltäfig auch wohltuend; dir zentralisierte W jhltätigkeit hingegen ist gleichsam Fabrikware, weitaus nicht so stark im Sinne, in dem sie uns durch den Orden als Mittel vorgeschrieben wurde. -Audh kann in mir gerade über das durch .Wohltätigkeit Erreichte kein rechter Stolz aufkommen; denn ich muß mir sagen, daß das jüdische Herz von je her gerne Mildtätigkeit und Barmherzigkeit übte, und d^ß es durch den Jammer der Diaspora, durch den brück der - Jahrhunderte, von dem ich früher sprach, gerade in dieser Eigenschaft nichts verlor, sopdern vielfach gestärkt worden ist. Wer selbst gilitten, versteht besser das Leiden anderer: geschwächt und Schaden erhalten haben wir'Juden aui ar derem Gebiete unseres Geistes- und Seeleniebens\ Teilweise Verloren wir den Sinn 'iüi*Schönheit und Xunst, vernachlässigten äußere Formen und überschätzten den Wert irdischer Genüsse, die wir zu lanfe nur aus 'ler Anschauung kennen lernen durften, j Wir wurkn leicht mißtrauisch, habgierig und manchmal gar unversöhnlich und rachsüchtig, und das alles zu. i es Fehlern wie Hartnäckigkeit und Mißgunst, die noch aus biblischen ZeiterJ ererbten Diese so betrüblichen Tatsachen müssen klar eil:annt werqen. Gewiß haben wir das 'Recht, die Entstehung silier dieser Mängel und Fehler durch psychologische Begründung zu entschuldigen — weit höher »her steht doch die Pflicht, sie zu bekämpfen und /auszumerzen-. . . und dafür wurden ün$ auch hier ' die schwierigeren Heilmittel diktiert, die Brüderlichkeit und die Eintracht. — „Siehe, wie gpt a*d lieblich ist es, wenn Brüder in Eintracht beieinander sitzen!" Was macht mir nun den Mitnieischtn zum Bruder, was nenne ich in Eintracht zusarimenleben? Mein Bruder-ist derjenige, zu dem ici beichtend hintreten kann und sagen: Ich hatyc da uid dort gefehlt; das Gericht oder nur die Welt verurteilt mich. Ich habe dem Namen unserer Familie Unehre beredet . . . ich gestehe; aber du sollst die Gründe meiner Tat wissen und aus meinem Bekenntnis entnehmen, daß ich Besserung gelobe — un 1 nun beurteile mich und verzeiht mir,"wenn du es kannst! Mein Bruder ist derjcni.ee, vor den ic|i anklagend hintreten darf und sagen; du hast da u;id dort unklug oder gar unehrenhaft gehandelt; das Gericht hat dich verurteilt, oder die W elt spricht schmähend über dich. Hast du "nicht an die Ehre jinserer Familie gedacht? . Ich will und muß klar werde dir gerne verrohen, wenn ich es Wann! sehen; ich Mein Bruder soll so [sein. daß. wenn draufied in Leben von ihru gesprochen wird, ich mit Strtz sagen kann: Der ist >on meinem Stamme, meinen B:Ue — und so soll ich meinem Bruder sein! Mein Bruder darf nicht so sein, daß ich, wer* di außen von ihm gesi rochen wird, errötend schweifen muß und beschämt davon schleiche — und darf ich nicht meinem Bruder sein! In Eintracht : e b e ich mit ihm, wenn Freude und Leid gan:: mit ihm teile und er mit nür; wenn unser SeeleuieDeu hell vor uns da liegt wie ein reiner Spiegel; wenn wh unsere Schwächen kennen, um sie zu mterdrücken, hnsere Vorzige, tnis sie zu stärken und weiter zu bilden. Eintracht verlangt keine Einheit der Ansichten und Meinungen, sie Verlangt nur eine gegenseil ige Achtung und Wertschätzung. Sie muß mit Banden ei sit sind gegen Eigensinn lujd durchglühen und erwärnen, umschließen, die Selbstsucht; sie mul ieben Brüder, was haben vir zu wenn draußen wikh Stürme toben, muß härtere Proben überstehen als Edelmetall im ScheijdewE«ser. Und nun, meine getan, um solche Brüderlichkeit und Eintracht schafien, was haben wir erreicht? . Als Mittel standet uns zur Verfügung: Referjate iüx geistigen Weiterbildung. -GeselligkeitspfiYge, Friedensvermittlungen und verschiedene Strafen Wohl hat uns manche gesellige Stande froh hier angeregt; aber jich'en, mancher Vor werden mir zugebet liger bieten können, schon ab und zu ihr haben und von Straf hört. In diesen bei rag , daß Vereine, die sich in iieeoi Gebiete spezia isierend betätigen, wie litcra rische Vereine, Ges urgvereine usw. Besseres ge- Sie Jen Dingen und auch teilwsise bei der Neuaufnahm« von Brüdern treiben wir r leider oft Geheimpc litik, wagen es nicht, vor Forum der doch geschlossenen Sitzung zu trejt bei der wir ja jeweils eindringlich genug an Wahrung des Geheü inisses erinnert werden. W vh mein wahres U teil abgebe, und* hier muß es tun, so sage ich: Es ist mir der eine und der dere der Brüder als geworden, auch wü übernehmen. Aneiferung wegen. - 72 - bilsoll Die Fr;edenskommission vermittelndes Werk vollbricjit;n habe ich noch nie etwas geoch 4s e erln ich anlieb Mensch ss mpathischer und de ich durch hier gehörte Vö|" träge angeregt, besonders dann, wenn ich selbst t'iich gleichsam gezwungen fühlte, einen solcheji üu Ich ejrwähne das Letztere nur Das Gefühl aber habe ich dw fast