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Bericht der Großloge für Deutschland · 1918-12-01 · Nr. 9 - Dezember · p. Seite 128

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1918
Issue
Nr. 9 - Dezember
Date
1918-12-01
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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jüdische Geist alle kulturellen und sozialen Aufgaben seiner Zeit auf.. Keine große Bewegung des 19. Jahrhunderts, an der nicM Juden führenden Anteil nahmen Ich nenne nur die Romantik, die Bewegung ron 1848, d:e Begründung der Sozialdemokratie. Heine, Marx und die nächsten Nachkommen Moses Mendelssohns und Gabriel Rieß:« aber ginr ct den Judentum verloren. *) Mit solcher Inbrunst gab man sich der Emanz palicn bin, diß rejm darüber die jüd sehe Abstammung vergiß. Vielleicht wäre der Untergang der deutscher. Jade»heil drdurch besiegelt gewesen, wäre rieht alsbald der alte Judenhaß in icuer ungebet-'er'xhsr^orri! erx-acht.. Zunächst zvar sireckten Tausenre d e Waftm vor diesem H.ß urd liefen ins anr'c-e Lager über. Darri jedoch erwäge der jüdische f S^oL, cesn gründete Organ:: aticmrn zur •Särkurg des jüdischen Seibtibewuß'.seir.s, und der Jude, der ri.ht jeden aufrechten Sinn verirren ha'te, lern'e die Taufe - verö.chfrh und gegen den Judenhaß kämpfen. D eser Kampf war harr, en'nerver.d. Wae'-:end an Dimensionen b s In u-.SJre.T«gi. Machie er de:!- niü:: e nmal halt vor den unei mißlichen Offc-rn ar 'teurem B'w, die-die deuiche J.dcnh-1. dem "deutschen Va:eilar.i gebtecht hat. Ich habe verhiff den N;rtcn Gecrg Smmti er>vänn . Er war eir.T d-r größ.en Denker unserer Zet unc lsbrie an der Urvvrr;i1ä: Berlin Aber pr warJudr und dss genüg e in Deutsc blal.6, Uta ihm die order'.l eise Profe?su' in B.rlin, auf-die er kraf: seines Giistes einen woblb'egründe-cn Anspruch uatie, zu versagen. Mii 56 Jibrcn erst wurde'er dann in Sraßburg ordeni- I cr-cr P.-o'e>sor/ S'e wissen, d.-ß dieser Fall nicht allein steht. Icn braucne Ibntn nivht v eitcr über d^.sen Juc?erh?ß in Deutschland zu s?re<hen, denn wir fühlen es all« iägücb, äaß e; no.'n ein geistiges Ghetto gibt, das Judentum und ÜLUiscbtum trennen will. Kein WjuraJer sho,, daß man bei uns in einem harten Abwehrkampf alle K'ä'ie emsetfte. D ese Abwehüä igke;t, an tich gewiß rtö:ig, trag jedoch etwas Negat ves ia sich. Man hat mit Rfecht gesagt, daß mancher Jude, xier in diesem Abwehrkampf steht, nicht mehr wisse, warum er Jude sei, wenh es einmal keinen Judenbaß mehr gäae. . Typ eüries solchen Ab'weürjuden ist Waher Rabenau. Eifrtulicb, daß dieser Typ im Diuschtun wurzeit, daß er das Vaterland inbrünstig liebt, wie man nur He materde ') Lassalle ist als Jude gestorben; seif befindet sich auf dem jüdischen Friedhof« .e Grabstätte zu Breslau. D. R. lieben kam, aber zum Judentum ist er rein äußerlich eingestellt und seinem Oelste fremd geworden. Wir haben gesehen, daß es in unseren Tagen gilt, den Geist wieder allenthalben in seine Rechte einzusetzen. Da muß auch der deutsche Jude seine geistigen Wurzeln, soweit sie sich um da3 Judentum ranken, wiederfinden. Wohl sind wir Deutsche und lühlen uns In diesem Deulscbtutn einig mit anderen geistigen Gemeinscha'tsn urc-rrcs Viteriandes. Aber wir sird auch Juden und wenn wir dies allen Anfeindungen gegenüber aufrecht bekennen, so istj es doch nötig, zu wissen, d2ß mit diesem Bekennlnis allein für das Fortleben de» jüdischen Gclites npch. n'chls <-.-tan ist. In drei Seh'chten ier?äjlt die deutsche Judenheit: in positiv G'aubige, Li Zionismen und den Re3t, den bisher leider nur das gemsinjam W2r, daß er zu keinem der beiden anderen Gruppen gehörte. Dic.er leiz'gcnanten S:bicbf muß unst'e ganze Sir"; gelte:, schon weil sie den göß-.en Ted der gtbüde-cn deuiscVsen Jadenheit umfaßt. SesJk'.t me st te a äüß:r!ich zum Judentum, nicht mit Ihm verbunden durch die Religion und nicht durchwein jüdisches Rasser.bewußt.tic H er gilt e; den Glaubet U den 'judtfchea Geist wieder zu erwecken, an d:e unirmtßichen S.bäize, die un-ere Ueberlicfeifung auch für die N.cbtg äubigeri enthält. Unsere Jugend ist bisher vielfach acltios an die.en hohen Weiter vorübergegangen, weil im Elternhaus die jüfdjscie Ueberl;ö"eung nicht mehr hoch gehalten Wirde'unc man in.der jüdiccaen Schule ei rcbg:ö;cn Unterxicb in den Vordergrund stell e und vieliacß nicht verstand, Begtist-trang für jüdische GescTCiiie uad Literatur zu mifachen. Wir handdn im Sinne unseres Gilübdes, wfnn wir ia unserem Orcen alie Bestrebungen fördern, die der Wiedererweckung des jüdischen Gtisles dienen. Die»e Aufgabe k-uin aber nur dann gelöst werden, wenn wir im Innern Eintracht halten. Wer es gut meinte mit dem jüdischen Gedihker, der sah Htagsf bedrückten Herzens, daß keine grof e jüdische Bewegung einsetzen konnte, ohne daß iie gespalten wurde du-ca inaere Parteiu igen und Meinungen. Ich denke da vor aiiem an die jüdisd e Jugendbewegung, von der man für die Wiedergebu i des jüdischen Gentes viel erhoffen konnte. Die einigende Bewegung, die im Anfang die gesamte jidiscae Jugend umfaßte, zerbröckelte — die Schuld daran liegt wohl an allen Teilen — allmählich n eine zionistische und eine religiöse Sjnderbewegunir; die Schwungkraft der Bewegung wurde dadurch ut etcucßlich gelähmt. - 12S —

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