Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1918
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Date
- 1918-12-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/4864325-6029095-6074421--2384-4866472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V der Menschheit. Wird der kommende Frieden von' diesem Qeist beseelt sein, dann hat die „Krisis der Kultur", die dieser Krieg brachte, zur Oenesung der Menschheit gefüjrt. Die Welt ist also dabei, sich neu zuordnen, und es liegt für uns nahe, die Frage' aufzuwerten, wie steht das Judentum und insbesondere die deutsche Judenheit zu dieser Neuordnung. Ich will hier anknüpfen an eine Begebenheit der geistigen Polemik dieser Tagei an ötr wir ni/bi achtlos vorübergehen dürfen. Walter Ra'her.su,/e n deutscher Jude von ganz besonderer Klugheit im'd feinem Gefühl für den Geist umrer Zeit, l,.v, e<ch in einem jüngst erschienenen Buch an die. deutsche Jugend gewandt. Cr verurteilt darin c e Ueberhtbung der? deutschen Jugend, die vor i e-tn. Krxg und bei «einem Beginn vielfach den Glauben ver rat, dai deutsch? Volk sei aüsjerMäblt, den anderen Heil und Licht zu bringen. Dinn ankt&pfend sagt er »örtlich: „Es bat ein Volk -gegeben, das sich das auserwlIUe genannt bat. Es war kefq schlechtes Volk, ts hat der Welt die Offet barunp, viele Propheten urjd eiu herrliches Buch gebracht Wegen seines venuchien Stolzes auf Afiser*ähitheit aber ist es in diel vier Winde zerstreut forden, seine Kinder haben iweitiiuscnd Jahre in Biiit und Tränen ge'üßi, und ihrer Bt-ße ur:d Tränen ist noch heute kein Ende. Gott verhüte, daß auf umer deutsches Volk dieser F/evel fallt!" Soweit sich die jüdische Publizistik mit diesen r Worten bescl ähigt hat — ta r ist nur ein Fall bekannt') — geschieht es In eintr begreiflichen und gereclnen En;rü^'ung. Aber der Vorfall ist zu typisch für das deutsche JuJentuai un 1 sein« Suaden an Geiste, als 4a 3 er mit einigen tart?n Worten ge^en dea Urneber und seiner Widerlegung, die gewß nicht schwer ist, abgtttn werden dürfte. Walhr Ritheaau ist aUTeci:cr deutscher Jude, der fro'z seiner prominenten Sellüng im deutschen ö fcntlichen Leben dem Judentum treu geblieben ist und sein Judentum niemals verhehlt. Er ist ein Mann, der mit selten schafem Geis! die Zeitereignisse er aßt Und darüber in unseren Tagen viel kluge Wcr'c gesagt bat An d:n oöfcn zitierten Wortin aber mü s:n Iwir erkennen, daß 'dieser kluge deutsche JjJe zwar den deutschen Geis', der Deutschland in diesen Krieg füarte, trefflich erkannt *) Hamburger Israelit. Familienbla't, Nr. 42. bat, daß er aber twtz seines bewußten Judentums an dem jüdischen Geist voiü hergegangen Ist. Wie könnte er sonst die Oesinnung, mit der sich der Deu sehe alldeutschen Geblüts über die WelP erhob uijd das Wort, daß an deutschem Wesen die Welt gewesen müsse, mißbrauch e, vergleichen mÜ der Au;dr*ärjhheit, die da3 alte jütische Volk für sich in Anspruch nahm., Nicht Macht und Anaehen, nich: die Htrrschaft über andere Vö ker war und ist jüdischer G:aube, sondern das Bewußtsein einer Auscrwä iltbei! des Geistes, die auch Rienau ahnt wenn er betont, daß die., jüdische Gemeinttbaf'. der W^lt di: Oifeu!;arung gegeben Uabe;. die Lehre nämlicli. daß nicr.t Mactu und äußres Ansehen die Sehnsucht des M:nsc..en sein t ürf?, andern der Glauben &■{ d u G'ist, ah die Grre<+:tigk<"it," an das Ges.iz, ein-; Olfe^birunj, die im.Hiisbtfck auf die MenichheiUverbtüjcrung, die jetzt wieder ertriumt wird, di:n Wt liebsten Ausdruen: findet »i d'eiH Propbetciw>rt Jeaiw: . . > . . " - '* „G6t wird richten zwischen den Nationen und tnlschei»\en' zwischen den vielen Völkern; 'dann werden sie umichraiei?.n ihre S:iiwcri.ji zu'Sichehi und ihre Lanz-n zu Regenmessern; nicht wird iürdcthiii nicht ein Voik das Scbweri erhebah gegen erc^ und sie werden nicht' mehr des Krieg das« an; lernen." .Das gestroc! itif sieb genommen, Leiden, die nur weiden konnten, weil die Menschheit bis ■'■ \ ■ I heuigen Tag nae'j nicht den hoben Grist* bat, den das Judentum vor Jahrtausenden veri sind auäer-Aälibe Worte vor Jahrtausenden en, deren letzten S nn aber die Menschheit bis in ukisre Tage nicht erkannt tat. Eme; Geröeinscl aft, iie solche Worte prägte und mit prophe- tisebetn Geist der Weit verkündete', bar ein gutes Recht auf solch hohe:. Geist sioiz zu sein; iri diesem Stolz hat jsie alle unermeßlichen Leiden der jahrbundeitt möglich auf den erkatit kündete. Üb < agte, der Fall Rathenau ist typisch, und. wir können an ihm lernen. Die moderne Jüdenbei», ganz besonders aber de dcu'scbe, bat'vielfACii deurZusammen hang mit de n jüdischen ei eis; verloren. Die Zeit de* Unfreiheit, de über Deutschland bislang waltete, hat das Juden um arg bedrängt S >la-*ge das Ghetto bestand, war der jüdische Geist auf sich selbst «nge wiesen und seine Uebeilicferung würde hochgeh alten. Dann kam die . äußere Befreiung vor wenig rrehr als hundert Jahren. Kaum, waren die Mauern des Ghettos gesprengt, da griff der rege 127 —