Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1918-08-01 · Nr. 5 - August · p. Seite 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1918
Issue
Nr. 5 - August
Date
1918-08-01
Page
Seite 78 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4864325-6029095-6074419--2378-4866466
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Milte! der Großloge für neue, eigentliche Arbeiten des Ordens freizumachen. D»s Durchbrechen dieses Gedankens mu8 als erfreulieb, bezeichnet und begrüßt werden.' Um aber Mißdeutungen zu vermeiden, sei nachdrücklichst betont, daß die angenommene These nic&t etwa ein Beiseiteschieben der -segensreichen und inj günstigster Entwicklung befindlichen Krankenschwestrrnsacbe bedeutet, sondern nur bezweckt, eine Absorbierung aller freien Kräfte der Großloge durch [dieselbe zu Vermeiden. Ein Abbaue.; der Krankeaschwesternsache wäre ja aueb sch*n deshalb ein schwerer Fehler, weil sie neben den' chiriUtiven Gesichtspunkten in hohem Maße auch Gesichtspunkten der „Erziehung" Rechnung trägt „Was snnd denn nun aber »Erzehung, innere Mission' und mit wek'ren andern Mitteil sollen und Lörnen sie erreicht werden, wenn nicht a(us:cblitß!ich K:ttel5 d:r Wohliä.igke'n?", so fragen wiele Brüder und siad geneig', jps 'vvVrie als phrasenhaft und inhaltsleer anzusehen. In der Tst ist die Wobitädgkeii das hürvorragenste Mittel, S:tJ:cLkcit zu fördern und könnte in dieser Hit »lebt durch kehr andere* erstzi oder auch nur v.csendich ergänzt werden. Aber darf der Orden Eich au; ein: Hebung ces „Mcraliscben' im engeren Sinne beschränken? Hat er. r.lch; nebrn der „Sittlichkeit' auchau' die „S;t:c\"i zu wirken und ist dies nick; eine. Aufgabe, die idrner übirge-vichdger wird, je nsebt* erfre tiichcr'.ve:-e das „Mcralisc'ae" bei uns sich bereits geh-ber. uat und „sich Iis von selbst versehene", um mtit Vischer zu reden, mn uns empfunden wird? '(. Der Begriff der „Sitten ' muß hier so weif ais w.ögiuh genommen werden. E; handelt sich um dieselben Lebeasbezie^ung-::?, die man; wohl auch - I jf ah „Kultur" bezeichnet. Geistige undj körperliche, berufliche umi «freie, Insividua!- und'Sozialbildung,' alles aieses gehört hierher. Auf alles dieses muß der Orden, soweit et Mängel fe^su'lli, erziebemeben Eintluß zu geyrmnen suchen t Hier aber sind die nächsten und wicht gs.ea Mittel, wie j mir scheint: Aufklärung:, Mahnung und Anfeuerung. In diesem Zusammenhang möchte ich einen andern Beschluß des Generaikomitees vom 26. Mai hervorheben, der die Sache der J u g e n ä v e f e i n e betriff-, aber eine darüber hinausgehende allgemeine Bedeutung bat. Dieser Beschluß ruit die Logen auf, versöhnend und vermittelnd auf c;e' streitenden Rettungen der l Jugendvereine, namentlich auf ihre — oft recht kultivierte — Art, einander zu bekämpfen, einzuwirken. Hier liegt tateächllch ein Fall mangelnder sozialer Kultur der deutschen Juden vor und es wäre ein Segen, wenn es dem Orden ge'änge, in diesen vielfach geradezu beschämenden Zuitänden eine Besserung zu erzielen. In diesen Zusammenbang gehört ferner die Frage der „Kriegergräber in der Heimat", die auch auf der Tagesordnung vom 26. Mai stand, aber wegen der vorgerückten Stunde der Vertagung verfiel. Doch das sind nur Beispiele, einzelne Anwendungsfälle. Prinzipielle K'ärung auf dem Gesamtgebiet zu schaffen, das müßte die vornehmste Aufgabe der nächsten Großlogenvollversamtnlung sein. Dabei würde sie an einem wichtigen Punkt nicht vorübergehen können, zu dem ebenfalls die Sitzuag vom 26. Mai einen bedeutsamen Beitrag beigebracht hat. Es handelt sich data*», ob der Orden mit seinen Erziehungsbestrebungen sich nach wie vor nur an seine Mitglieder, oder ob er sich auch an die außenstehenden Glaubensgenossen wenden soll. Inhezug hierauf kam ein Brief eines hoebangesebenen Glaubensgenossen, der nicht dem Orden angehört, in der Sitzung zur Verlesung. In diesem Brief wird der Orden gerad;zu su'gerufen und beschworen, einen erzieherischen Einiiuß auf die deutschen Juden schlechthin auszuüben.. Nach meiner i'e^.en Uajberzeugung wird sich denn auch der Orden über kurz oder lang 4trotz aller Bedenken — zu einer solchen Ausdehnung seines Wirkens erschließen müssen. Man bat in der Siizung vom 26. Mai davor sprochen, da* der Orden seit einiger Zeit Prejfi politik treibe. Sofern darin die Feststellung jfiegt, daß der Orden das wachsende Slrtben ha», inne rhalb der deutseben Jndenschaff, auch soweit sie ihm hiebt angehört, eine führende und einflußreiche St< llung zu gewinnen — und es ist ihm dies schon in h )hem Maße gelungen, — verdienen seine Führer durchaus Anerkennung. Nur dirf es nicht ein eitler Schein, ein nur äußerliches Ansehn sein, dem sie nachjagen. Nicht besser könnte ihr Streben innerlich gerechtfertigt werden als eben durch ein intensives Bemühen, den so errungenen Einfluß auf die außerhall des Ordens stehenden Glaubensgenossen erzieherisch auszumünzen! nn ,„ geige- Expräs. B a u m a n ti, Danfeig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.