Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1918-08-01 · Nr. 5 - August · p. Seite 76

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1918
Issue
Nr. 5 - August
Date
1918-08-01
Page
Seite 76 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4864325-6029095-6074419--2376-4866464
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

große ließ er sich durch den Oedanken «n sein nahes Ende überhaupt nicht beeinflussen und in keiner Weise bestimmen, seine hervorragende Tätigkeit im Anwalübcruf, - im. Lehramt oder in der Löge einzuschränken. Mit lebhafter Anteilnahme verfolgte er noch auf seinem Schmerzenslager alle Ereignisse, die sich in unserem Bunde abspielten. Man konnte ihm so recht die Freude anmerken, wenn man zu ihm von Dingen sprach, die ihm besonders ' am Herzen lagen. So dürfen wir ihn mit vollem Rechte als einen der überzeugtes*en' und hingehendsten Anhänger des Orderi*gedankenansprechen, der ß in boiem Maaße Eignung - und Verständnis für ^phiiantbrepische Arbeit besaß. Ts'un glatfben viefVunler uns — wir wollen es freimütig bekennen — ihre Piüchten schon jgetan zu oaben, wenn sie nach den Qrundsä'zen von Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht ihr Leben einrieb en. Aber die Loge stellt weit höhere Anforderungen. Man darf sieb nicht darauf beschränken, die eigene Lebensführung der Ordensregel anzupassen und durch sein Beispiel auf andere erziehlich zu wirken, es soll vielmehr ein jeder nach Fähigkeit und Können über sich und seinen engsten Kreis hinaus durch Arbeit an anderen und für andere, im weiteren Sinne für die ganze Menschenfamilie, Segen stiften. Mit anderen Worten gesagt, wir sollen bemüht sein, die Losung der großen sozialen Fnge anzubahnen, das Gute zum Gemeinbesitz machen und so den Weg bereiten für ein einträchtiges Zusammenleben aller in Gerechtigkeit, Duldung und Menschenliebe. Diese tieferen Gedanken unserer Lehre haben durch den verklärten Bruder eine bedeutsame Förderung erfahren. Nicht nur, daß er immer mit peinlicher Gewissenhaftigkeit die Aufgaben erfüllte, die ihm zugewiesen wurden, er war auch unermüdlich bestrebt, durch schöpferische Gestaltung alten Einrichtungen frisches Leben einzuflößen und neue Werke humaner Triebkraft zu schaffen. Scharf durchdacht, warmherzig angefaßt und mit elserner Energie durchgeführt, ist Manches entstanden, das wir seiner freudigen Initiative und Emsigkeit verdanken. So hat der Entschlafene die reichen Gaben seines Geistes und Gemütes fruchtbringend für die Allgemeinheit verwertet und vor alier Welt zum Rühme unseres- Ordens Zeugnis abgelegt, daß i gerade wir überall angefeindeten und verkannten Juden mit Ernst und Eifer an der Fortbildung und Vervoll kommung unserer Mitmenschen, an der Beseitigung des sozialen Elends, an der sittlichen Freiheit und Gleichstellung aller Erdenbewohner!arbeiten. Nun ist er dahin, dieser herrliche Bruder, in Schmerz und Bewunderung haben wir ihn scheide« sehen. Aber sein Geist soll immer unter uns walten, und seine Werke werden dauernden Bestand haben. Wie nach einem Dicht er wort das edle Metall cein in die Förm eingeht, die der Künstler ihm gestaltet bat, so fließt das Charakterbild eines In hc:ßem Best üben um alles Große und Wahre hingebrachten Lebens, wenn der Tod den Zapfei ausstößt, in die reinen Formen der Unsterblichkei Das sei allen zum Tröste gesagt, die um den geliebt Brüder trauern. Wir aber wollen, getragen von d Zuversicht, daß zu den lichten Höhen, in die er ei gekehrt ist, in nicht allzu ferner Zeit der jubelnde Ruf des befreiten Menschentums empordringen wird, das schöne. Lebensbild, in dem er uns vor«chwebt, nicht als einen Traum der Vergangenheit ansehen, dem wir wehmütig nachweinen, sondern als das Ideal der Zukunft, dem wir hoffnungsvoll zusteuern. Erfüllt von diesem Bewußtsein erheben wir uns und rufen Dir, teurer Bruder, nach, was jüngst an der Bahre eines Großen gesagt wurde: ■ Lebe wohl, Du Toter! j - Wir grüßen Dieb, Lebender! Nach der Rede von Br. Kuznilzky ergriff Br. Großpräsident Time nd orfer das Wort zu. einer Schlußansprache, Bereits am Grabe hatte tt Br. Alexander-Kalz aft das fleißigste Mitglied des Oeschäftsauischuises bezeichnet, dem trotz glänzender äußerer Verbältnisse kein Gang zu weit und keine Mühe zu groß gewesen sei, um den ib im Interesse des Ordens zufallenden Aufgaben zu g nügen. Er sei lin Mann der Tat, ein Mann von nervo ragendem Charakter gewesen. , Der Großpräsident wandte sich zunächst an di anwesende Gattin des dahingeschiedenen Bruder Er dankte ihr, daß sie es ihrem Gatten ermöglicht hätte, ein Leben zu führen, das dem Orden so viel Segen gebracht habe. Sein Wirken werde fortdauern, und es würde dem Orden eine ganz besondere Genugtuung bedeuten, wenn sie selbst das Werk mit ihrer besonderen Teilnahm: verfolgen würde, das ihrem verstorbenen Mann so sehr am Herzen gelegen habe: die Krankenschwestern sache. „An Ihrem Lebensbimmel, liebe Schwester, ls zwar die Sonne für immer untergegangen, aber der Abend braucht dadurch noch nicht kalt und finster zu sein, wenn es Sterne gibt, die den Abendhimmel erleuchten und erwärmen. Solche Sterne haben Sie an Ihren Kindern, an lieben Verwandten und zuletzt, aber nicht als lelzte, an den Brüdern Ihres Mannes, deren Liebe und Dank mit dem Tode eine Orenze nicht gefunden hat. — 76 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.