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Bericht der Großloge für Deutschland · 1918-08-01 · Nr. 5 - August · p. Seite 63

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1918
Issue
Nr. 5 - August
Date
1918-08-01
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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verhelssen, kann nicht immer verwirkliebt wenden. Aber das eine könnte jedem hier zuteil werden, dass in Ihm sein Persönliches, „das Besondere seiner Existenz" gesucht und anerkannt wird. Weniger Belehren und noch weniger Bcsscrwitsen, aber umsomehr ehrlich von einander sprechen — über wieviel Gleichgültiges wird doch meist geredet! — weniger Geselligkeit und mehr Freundschaft, sollte die Regel sein. Wir werden dann finden, dass wir ' doch waniger Durchschnittsmenschen und mehr Persönlichkeiten haben, als wir gemeint. Dann wird auch das Jüdische in uns deutlicher und bestimmter znenander klingen. Unser Menschentum, unser Echtestes und Tiefstes, ist in seiner eigenen Form gestallet und geprägt; unsere Seele bat ihre Wurzeln in den Jahrtausenden, in alle dem, was unsere Väter gedacht, gefühlt und gehofft haben; sie kann ihre Kraft, ihr Dasein, in welchem sie sich auslebt, nur aus diesem Boden ganz gewinnen, in den die Vorsehung sie gepflanzt bat. Bleibt sie mit ihm nicht verbunden, so wird sie im Innersten ihres Wesens unecht. Wir können des Persönlichen, des Besonderen in uns und in dem, der neben urs steht, nicht ganz bewußt werden, nie ganz ehrlich gegen uns und gegen ihn sein, ohne daß diese unsere eigenste 1 Eigenart vor uns hin rate, dieses Erbe des jüdischen Herzens, des jüdischen Gz:-, issens und des jüdische ■ Denkens, das unser ist, da unsre Seele' in ihm geschaffen ward. Was sich am stärksten in uns aussprechen kann und aussprechen will, ist dieses Jüdische. Niemand von uns vermag, zu sieb selber zu kommen und sich innerlich mit andern zu verbilden, ohne zu ihm zu gelangen. Es nicht sehen, das hieße, sich yor sich selber verstecken, es nicht wollen, hieße vor sich selber ausweichen. In unserem Kreise wird es immer so sein: je jüdischer, desto persönlicher, desto menschlicher, desto fähiger der Freundschaft; je weniger jüdisch, desto farbloser und klangloser, desto äußerlicher und kälter. . . .. ' > Es wird oft gefragt, ob unsere jüdische Jugend in diesen Kriegsjahren religiöser geworden ist. In dem allgemeinen Sinne e'ner hochflutenden, sich ergießenden Frömmigkeit ist sie es in der Dauer wohl nicht geworden. Aber sie ist es sicherlich geworden in dem ganz persönlichen Sinne, daß sie jüdischer geworden, daß sie den jüdischen Standpunkt zu Gott und . zur'Welt wieder zu gewinnen beginnt. Sie wird sieb dessen bewußter, welch' starker Charakter' ihrer Seele gegeben ward, damit er sich entfaltd, wie er doch f < L ■ |- , ■ * ■' *.' mehr bedeutet, als so manches, wonach, früher das Sinnen und Trachten. s!and. S'e hat in ernsten Stunden einsehen gelernt, daß als unser Ziel — gerade um des großen Ganzen willen, dem-, wir zugehören — nicht vor uns stehen darf, zu sein, wie die anderen sind, sondern zu sein, wie wir eben sein sollen, unser Eigentümliches uns zu e;gcn zu machen. Es sind immer Zeiten der Flachheit, Tage des Abstieges gewesen, in denen Menschen ihr Besonderes nicht erkannten oder nicht achteten. Nur wenn wir uns selber finden, uns wieder entdecken, können wir ein persönliches Leben besi'zen Sei, wie du bist! Wir leben in Tagen, in denfrv^ie Seele sich, ölinen will-, jeder will im Grunde sich selber aussprechen. Wenn unser jüdisches aus uns spricht und » von denen, die neben uns sind, gehört wird,*- dami wird sich unsere Seele In sshweren Tagen entlasten und in allen Tagen erheben. Darm findet sie ihn: Well. Vieles, was vorher gegolten hatte, ist gestern und heule ^usaamengebrorhen; da?, was unser altes Gewissen, unjer altes Denken undySehnen gefordert ' hat und fordert, hat sich alt feste Wahrhejt erwiesen . 131. Generalkomitee-Sitzung am Sonntag', dem 26. Mai 1918, morgens 9 Uhr in den provisorischen Logenräumen Kantstraße 8. Anwesend sind folgende Brüder des Generalkomitees: Baumann, Beer, Cohn, Ginsberg, Goldschmidt, Heinemann, Hirsch, Kuznitzky, Lang, Lewinsky, Liebhold, Liäser, Moritz, Peiser, Schuihöfer,. Stein, Timendorfer. Ferner Br. Finkcl, als Gast Br. Helfft, spätet Br. Elbogen. Entschuldigt fehlen: die BBr. Apfel, August, .Bacrwald, Jeselsohn, Merzbach, Nußbaum, Ollendorff, Wolf. Br. Timendorfer eröffnet kurz nach 9 Uhr die Sitzung und begrüßt die erschienenen Brüder. Dem Br. Apfel-Cölrj, der durch Krankheit am Erscheinen verhindert ist, werdet' tclegräpluseh Wünsche für gute Genesung airsgesprochen. Der w. Carl Friedrich-Loge, die am selben Tage ihr 20 jähriges Bestehen feierti gehen gleichfalls auf telegcaphischem Wege herzliche Wünsche des Generalkomitees zu. Oer , >"■" Bericht des Großpräsidenten wird diesmal ausnahmsweise nur im Auszug wiedergegeben. Der Großpräsident hat yon der vollständigen Wiedergabe nicht zuletzt auch darum abgesehen, weil ein nicht unbeträchtlicher Teil der Lo-

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