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Bericht der Großloge für Deutschland · 1918-08-01 · Nr. 5 - August · p. Seite 62

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1918
Issue
Nr. 5 - August
Date
1918-08-01
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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Die Sprache der Seele Wir leben in Tagen, in denen dB Bedürfnis, sich auszusprechen, in den Menseben reger geworden ist Neben der schweren*.Sorge, die so manchem sein eigenes Leben und das der Seinen aaferleg', t'ägt heule jeder mü au den Nöien und Bürden, die auf den Schultern der Oesamtbeit lasten. Und jeder Bedtü:kte will erzählen, er wiil von sich und seinem Schicksal mit einem anderen reden, und er begehrjt, daß seine Worte aufgenommen, mit ihm empfunden werden. In dem Auf und Ab der Stimmungen, die durch die Länder zittern, wollen sich die See en dert Menschen — und die der Völker doch auch — <m sprechen entlasten und erleichtern. Es ist ein tiefinnerüches Bedürfen, das sich darin kundtut; die schweren Tage, die wi( durchkben, haben es ntr gespannter hervertreten lassen. Jeder hegt in sich sein Eigenes, etwas, was nur! ibru gegeben ist, und er will in diesem seinem Persönlichen nicht allein bleiben; er rröchte verstanden! und erkannt sein. Selbst der Menschenverächter wünscht, dafi er in dem Seinem, in seiner Menrchenvfra'-hiun^, inj seiner stolzen, verbittertem "Selbstgenügsamkeit begriffen und beachtet werde; gerade der Pessimismus ist am beredtesten, er will vernommen sein. Die Welt,j die in uns is>, möchten vir alle gegenüber der Wp«, die um uns ist, offenbirtu. Anhören und antworten, das ist darum der erste Liebesdienst, den der Mensch dem Mitmenschen gewähren kau:;.- Niehls tut dem ancern sp wohl, wie dies« Empfinden, daß wir seiner Seele, seinem Denken und Hoffen, Teilnahme schenken. Goethe erzänli von sich, daß er sich immer bemüht habe, „das Besondere "jfder Existenz" zu finden.; Dem Dichter war das kn höchsten Sinne geschenkt; tr konnte erschauen und kürstler!:ch gestaUen. Aber in seiner memchlichen Bedeutung ist dassebe einem jeden gewährt und von jedem gefordert, [jus alkn ist diese Aufgabe gestellt, im Menschen, der neben uns ist, den Menschen zu suchen, das Eigene, Persönliche, das in ihm ist, zu entdecken. Die großen Erfolge, weiche de Jahrzehnte vor dem Kriege m?ncher vor* ärisdrängeitdui Tatkraft beschert hatten, brachten es mit sich, daß wir uns gewöhnten, die Dinge, das Reale zu sehr zu schätzen. Da« Technische, das Oekonomiscbe, dis Aufgebaute, alle die sogenannten Errungenschaften i galten zuviel und der Mensch zu wenig. So hoch das Soziale zu stellen ist, das die neue Zeit geschaffen bit, selbst Zum Rausch haschono. V^n Expräs. Br. L. Bae ck-Berlin. über ihm wurde das Individuelle zu leicht übersehen. D e Einrichtung schien Mensch; man vergaß, daß Tatsache bedeutet. Vielleicht ist es auch ein Qrun Jmange! der Polüi in entscheidenden J»hren gewesen, daß dieser seelis Fak or zu geringe Anerkennung fand, daß es höher zu stehen, als cer er schließlich die s'ärkite Man dach e nicht genug nacbJäisi^t wurjde, im Letci def Völker, mit Goethe zu sprechen, „das Besonder« jeder Existenz" zu suchen. daran, welch wichtiges Problem darin liegt, ein Volk zu hören und mit ihm zu sprechen, welcher Einfluß gewährt sein kann, wenn glaub) in seine n Denken und es sich ve standen Sprechen begriffen zu sen meint. Es gibt kein stärkeres politisches Band, als eine Gemeinschaft, die hierauf beruht. All« die Etlalge, die der — angebliche oder wirkliche — demokratische Gedanke von Volk zu Volk errungen hat, gründen sich du auf. Wein die neue Zeit, die wir erhoffen, Besseres bringen soll, so ist es das Eine auch, dass sie uns von den Dingen zum Menschen zurückführt, den Sinn für ihn wieder weckt. Jeder Gemeinschaf', in der sich Menschen miteinander verbinden, ist diese Aufgabe ges'ell'. Das Wort Freundschaft klingt uns beute leicht ein wenig altmodisch, aber es sollte für uns seine Bedeutung wieder gewinnen, für uns vor allem, die wir in der Arbeit des Lebens stehen. Die Jugendzeit ist vorüber, in der das enthusiastische Sehnen, sich ganz mit Gleichgestimmten zusimme zuscbliessen, unser Herz r. ülKe, und die Verbindungen, die die späteren Jahre bringen, die Beziehungen der Nutzens genügen unserer zu ihr zu sprechen vorderen der Arb i e:>de, ist verstanden zu werden Logen könnte garnicht werden, "als dass sie Ver- Täügkeit, des Berufes, des Seele nicht; sie sucht, was mag. Die Freundschatt, Tragende, Strebende bedarf, und vergehen zu dürfen, Auch der Sinn unsere besser und edler erklärt einigungen seien, in denen Renschen sich zusam nenfinden, um in einander den Menschen zu suchen. In jedem, der in sie eintrat, soll das Gefühl einkehren, dass er hier in se'ncm Denken und Wollen begriffen sein wird, da-s ihm de Wille zur Freundschaft entgegenkommt Das Ritual verspricht viel, — lür unser Empfinden spricht es wohl etwas zuviel und zu lehrhaft, es entstammt dem Denken der neuen Welt, und der Amerikaner «Her B kenntnisse liebt es, zu predigen und angepredigt zu werden; alles, was die Worte - 62 — ■

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