Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1918
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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f Ans dem Verbände der Fnuenvereinliunsen der U.O.B.B. Loten. Artikel und Bericht» au» dem Verbände stehen unter Verantwortung der Redaktion der Monatsbericht» der Orot log»; Manuskripte 1fr Eineendungen, die unter dieser Rubrik erscheinen sollen, werden jedoch lurer an die Adr»m» ran Frau Juli» Sali» gar, Dresden-A , Gabehsbergerslr 20, erbeten. Die Aufgaben unserer Frauenvereine., Von Br. Dr. J o % e f Schlesinge r-Breslau. Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht sind die Grundpfeiler, auf denen das Leben unserer Bnei-Briß- Logen aufgebaut ist; kommt einer dieser Pfeiler ins Wanken, dann muß mit Notwendigkeit das gesamte Gebäude des Ordens sich lockern und seine Stützen verlieren. Wenn in einer Loge, was allerdings kaum denkbar ist, das Prinzip der Wohltätigkeit wenig Beachtung fände, wenn Bruderliebe und Eintracht allein im Vordergrunde der Bestrebungen ständen, dann würde die Loge bald in die Lage eines Geselligkeitsvereins herabsinken, der seine Aufgabe erfüllt s eht, wenn unter seinen Mitgliedern.ein gutes, einträchtiges Verhältnis besteht Fehlte es in einer Loge an der Bruderliebe, dann würde sie sieh in keiner Weise von einem Wohltätigkeitsverein unterscheiden, dessen Vorstand es verstände, durch gewissenhafte und freue Ptichlerfüllung die Einigkeit unter seinen Mitgliedern zu wahren. Mangelte es einer Loge aber gar an Eintracht, dann wäre auch die Pflege der Bruderliebe nicht tcögltcb, denn ohne Eintracht unter den Brüdern ist Bruderliebe vollkommen undenkbar. ' '■ " * * Wohltätigkeit, E ruderliebe und Eintracht sind also in gleichem Maße erforderlich, um eine Loge zu befähigen, die hohen-Ztle, die unser Orden und seine einzelnen Glieder sich gesteckt haben, zu erreichen. Die Vereinigung dieser drei Eigenschaften ist es auch gewesen, die unsere n Orden und unseren Logen in der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Bestehens zu dem Ansehen und der Macht veräolfen hab:n, die sie erfreulicher Weise besitzen. Wohltätigkeit, Schwestern lebe und Eintracht sind auch diejenigen Eigenschaften, die unsere) Frauenvereine betätigen müssen, wenn sie die Aufgaben leisten wollen, die wir von ihnen zu erwarten berechtigt sind. Daß es jedoch in der Tätigkeit unserer Frauen vereine noch vieles zu bessern gibt ist eine Tatsache, die niemand wird wegleugnen wollen, ist eben die Folge davon; daß in den Vereinigungen Grundpfeiler des Ordens Weise gepflegt werden. unserer Schwestern diese drei nicht immer in der gleichen Ueber eine Vernachlässigung der Pflege der Wohltätigkeit wird kaum in einem Franenverein zu klagen sein; Vorzügliches ist da geleistet worden, wird jeden Tag geleistet, und mehr wird Vielleicht noch möglich sein, wenn erst die Zentralisation der Wohlfahrtspflege für ganz Deutschland durchgeführt sein wird. Es wird auch in der Regel die Wohltätigkeit in jüdischem Geiste ausgeübt werden, indem sie gewährt wird, ohne Demütigjng in den Herzen der Bedürftigen zu erwecken, indem sie reichlich, aber in der Verborgenheit ausgeübt wird. Freilich gibt es auch einzelne beschämende Ausnahm :n, wie z. B. die leider ab und zu veranstaltete öffentliche Bescbenkung armer Kinder am Chanukafeste, die, eine Nachahmung der Weihnachtsbescherungen; in den beschenkten Kindern das Gefühl der Demütigung und des Hasses gegen die soziale Weltordnung erzeugen müssen, wenn sie für solche Gedanken reif genug sind, oder die in ihnen das Gefühl d s Wertes der eigenen Arbeitsleistung ersticken, sie zu Objekten der Woiltätigkertspflege, die auf Inanspruchnahme der Wohltäigkeit ein Anrecht zu besi zen glauben, herab* ü digen müssen, wenn sie noch zu jung oder schon abgestumpft sind, um das Erniedrigende des dauernden Nehmenmüssens zu empfinden. Von dieser Ausnahme abgesehen wird man über die Art der Pflege der Wohltätigkeit in unseren Frauenvereinen im allgemeinen nicht klagen können. Genau das Gleiche aber leisten in sehr vielen Fällen die zahlreichen Frauenvereine und Jungfrauenvercne in unseren Gemeinden, die trotzdem das Ideal, welches uns für unsere Schwestern Vereinigungen vorschweben muß, niemals erreichen können, weil die innige Vereinigung von Wohltätigkeit Schwesternliebe und Eintracht, das organische Zusammenfassen dieser drei Eigenschaften, ihnen fehlt. j Schwesternliebe uud Eintriebt, haben sie in unseren Frauenvereinen immer einen festen Hort gefunden? Es hiesse Vogelstrausspolitik treiben, wenn man diese Frage unbedingt bejahen wollte. Wenn wir Männer in der Lage zur Arbeit zusammentreten, dann sind nur Brüder im Tempel, Brüder, die alle — 56 —