Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1918
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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rujL reichliche Ernährung für alle Hausbewohner sicher gestellt werden. Geleitet wird das Heim durch eine Oberin und eine Oberschwester, während die Außenpflege durch eine .zweite Schwester überwacht wird. Ständig können acht Schülerinnen im Heim ausgebildet werden, die sich zu dem dankbaren und wichtigen Beruf der Säuglings- und Wochenpflegerin vorbereiten. Der Ausbildungskursus dauert sechs Monate und schließt mit einer; Prüfung ab, welche die Berechtigung, zur Pflege verleiht. Neuerdings wurde dem Heim eine Mütterberatungsstelle angegliedert, die von der Oberin und einer Kinderärztin geleitet, sehr segensreich wirkt und statfc in Anspruch genommen wird. So bemüht isich der Berliner Verein im Interesse hilfloser Mütter und Kinder auch in heutiger-schwerer Zeit durchrubaltenj eingedenk des Spruches: „Das Ideal im Auge behalten und die Gegenwart verstehen als Vorhjereiturgr für eine glückliche Zukunft," Beiden Rednerinnen wurde mit herzlichem Beifall gedankt. Die Aussprache beschäftigte (sich v<>r allem mit der Berufsfrage; wobei nicht jhur d^r Beruf als Säuglings- und Wochenpflegerin, sondern auch der der Fabrikpflegerin als erstrebenswert und dankbar für die jüdische Frau anerkannt wurde. Ein gemütlicher Nachmittagstee mit musikalischen und deklamatorischen Darbietungen Frankfurter Künstlerinnen füllte aufs glücklichste die Pause zwischen der Nachmittags- und Abendversatnmlunjj aus und gab Gelegenheit zur Erfrischung, so da die Leiterin der Abendversammlung, Frau J¥ arth Sch lesi nge r-Fra nkf u rt a. M. eire stattliche Anzahl von Herren und Damen begrüßen konnte. Die erste Rednerin, Frau Julie Sa 1 nger Dresden, führte in "ihrem" Vortrag üb:r „Die rechtliche Stellung der Hausfrau urfd Mutter" au$|, daß trotz der allgemeinen Anerkennung, daß die Frau ihre Bürgerpflichten stets erfüllt und das Durchhalten während des Krieges durch iire Leistungen erst ermöglicht habe, das deutsch; Vaterland ihr .Bürgertum doch nicht anerkenne. Denn die Gesetze, welche unser aller Leben regeln und im B.O. B. ihren Niederschlag gefunden haben, stehen nicht nur nicht im Einklang, sondern im Widerspruch mit den wirtschaftlichen, sozialen und geistig - sittlichen Einrichtungen und mit den Bedürfnissen unserer Zeit, soweit sie die Frauen betreffen. Rednerin beweist das an der H md der Gesetzesbestimmungen, welche die Frau und Mut- E daleif ter betreffen, und konstatiert, dal eine Gleichberechtigung mit dem Manne fast mir im Straf recht und in der Steuergesetzgebung zu finden ist, ohne daß den Steuerpflichten der Frau auch Rechte gegenüberstehen. Und doch haben die Frauen aus ihrer Wesensart heraus, ihrem Volke viel zu bieten. Denn wie in der Familie.neben dem väterlichen auch der mütterliche! Einfluß zum Gedeihen des Hauses nötig ist, so drängen auch in Gemeinde und Staat die Verhärtnisse dazu, den Müttern des Volkes Einfluß auf Gemeinde- und Staatshaushalt zu gewähren, damit auch der weibliche Einschlag im Kulturgewebe unserer-Zeit nicht länger mehrj fehle. Ah? zweite Rednerin kam die VerbandsvorshV zende, Frau E. Eschelb a^rher-Berlin zu Wort. Sie sprach über: „Gemeinsame Arbeit Von Brüdern und Schwestern in den Logen." Die gemeinsame Arbeit derj Bruder und Schwestern erklärte sie, liegt nicht In Ursprungsgedanken der Logengründung. Dort war persönliche. Hilfe, das Eingehen auf die Bedürfnisse, auf die körperlichen und seelischen Nöte des Einzelnen der treibende Beweggrund Die Ordensidee entstand aus der werktätigen Menschenliebe, die warmherzige jüdische Männer in Amerika den dort eingewander« .ten landfremden jüdischen Brüdern angedeihen ließen. Die antisemitische Bewegung der 80er Jahre ließ auch in Deutschlands jüdischen Kreisen die Sehnsucht erwachen, die mannigfachen Segmingen der Ordensidee bei uns wirksam werden zu lassen. So entstanden in Hamburg, Breslau, Berlin und anderen größeren Städten Ordensgründungen, in populärem Sinne Logen jgenannt, nach dem in Amerika geprägtem Begriff,! wonach jede einzelne Ordenssitzung eine Loge genannt wurde. An eine Mitarbeit der Frauen hatte man damals gar nicht gedacht. Doch in unseren Tagen erwachte auch in den Frauen der Wunsch, nach den idealen Anschauungen, die ihre Männer aus den Logensitzungen mit nach Hause brachten, nach dem veredelnd aufgenommenen Wahlspruch von Wohltätigkeit. Brüderlichkeit, Eintracht, in diesem Sinne mit gleich strebenden Frauen zusammengeschlossen, tätig zu werden. Die Frauenarbeit lief parallel tolit der der Männer, war aber in Nichts mit dieser verbunden. Erst der stark wachsende Geist der Zeit, der den Frauen einen breiten Rahmen für die Mithilft am notwendigen Ausbau der drangenden sozialen Arbeit gewährte, bildete das Verbindungsglied zwischen beiden getrennten Lagern. Auch - 46 - die t Loge