Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1918
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4864325-6029095-6074416--2338-4866428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und gutem Herzen die erstes Schwierigkeiten Überwunden habe und heute Hoch leuchtende» Vorbild sei. — Hierauf trägj Frl. Else Elias unter großem Beifall ein Gedicht „Gruß an die Zukunft des Ordens" von Bruder Eichengrün vör, sodann nimmt! der w. Präsident selbst das Wort zu seinem Vortrag: „Die Aufgabe der kommenden Zeiteh". Wer die Zukunft enthüllen wolle, müsse die Gegenwart verstehen. Diese sei dunkel; dem Toren dünke sie endlos, dem Weisen leuchte trotz Finsternis Morgenrot entgegen. Ihm sei die) Dunkelheit die himmlische Offenbarung', die ihn» künde, daß der des lichten Tages sich erst zu erfreuen vermöge, der die schaurige Nacht schaudernd erlebt habe. Nur der Kleine sehe das Nächstliegende, der Große höre über die irrenden Worte der Gegenwart ■ hinweg. Redner wolle mit seinen Hörern im Geiste in der Dunkelheit weilen, um das Licht aus ihr hervorbrechen zu" sehen.' Die grausige Kriegszeit gleiche einer schaurigen Nacht, aber diese habe schon Jahrzehnte lang vorher gedauert, ehe die Kriegstrompeten ertönt seien. Nach dem Tode der großen deutschen Dichter, die, im Deutschtum wurzelnd; Propheten des Weitbürgertums gewesen seien, hätten ihre Jünger ihre Lehren verkündigt. Dann habe eine neue Zeh begonnen. Ein siegreicher Krieg habe Deutschlands Stämme geeint, der Wohlstand habe sich gehoben, und die alte Einfachheit sei gewichen. Dies habe zur nächsten Folge gehabt, daß ein Wechsel in der Geistesverfassung des einzelnen vör sich gegangen sei. Der naive TräumeV sei ein feiner Rechner geworden, der die Lehre dessen, der seinem Jahrhundert das Gepräge gegeben; habe, in das simple Geschäft des Alltages übertragen habe. Ein Kraft- und Herrenmenschentum habe sich breit gemacht,, ein ungesunder Nationalismus habe sich gezeigt, und mit diesem habe der alte Judenhaß seinen feierlichen Einzug in Schenkstube und Salon gehalten. Die Politik sei zur Vertreterin per Standesinteressen geworden, und ein gewaltiger Kampf der Massen habe an dem Marke Deutschlands gezehrt. Des Dichters Wunsch, Gort möge fDeutschland behüten „vor Klassenhaß, vor Rassenhaß und Massenhaß und dergleichen Teufelswerkenj' sei aum Hohn geworden, und fast habe es geschienen, als wenn der alte Gott der Sittlichkeit entthront werden sötte. Die Himmdstörhter der Künste hätten sich nur schüchtern in diese Nacht gewagt: in der Literatur ein tendenziöser Naruraiismos, im des Musfc ungemm^--h Hh-^*fe-. löste Dissonanzen, im der Malerei ein üblei ReiÄstnus. Von diesen Erscheinungen im deutschen Volk» leben ad die deutsche Judenheit nicht verschont geblieben. Auch hier Ich- und Geldsucht und Wohlleben. Auch hierein Nationalismus, und dieser haha zum kräftigen Oegenkampfe herausgefördert Der Massenkampf von drüben sei hier ein Kampf der religiösen Parteien gewesen. Dazu [habe der stolze Mut des Bekennertums vielfach gefehlt — Da sei der Krieg gekommen. Wir hätten geglaubt den Abbruch eines glücklichen Tages [zu sehen, aber wai seien uns inne geworden, daß die Nacht noch schauriger geworden sei. Aber wir} sollten nicht verzagen. Der Krieg bringe*Tne gewaltige Umwälzung in der gesamten Geistesh'chtungj mit sich. Die anrV liehen Aeußerungen der deutschen und österreichischen Regierungsorgane, das Streben aller Denkenden gehe dahin, die Welt auf eiher anderen Grundlage aufzubauen. Dieses bedeute fein Hinschreitet zu dem Wege, der hinführe zu ] dem Ziele, das dei Prophet dem Menschentume vorgezeichnet habe, zum Friedensreiche des Messias. Eine solche Umwälzung in der Weltanschauung werde namentlich in unserem Vaterlande einen Geisteskampf hervorrufen, der alle Kämpfe der, Vergangenheit in de» Schatten stelle, und man verhehle sich aichf, et werde versucht werden, den Jidea •»> Prügelknaben zu benutzen. Wir Juden seien berufen, als natürliche ErBe* der Propheten, den Gedanken des Messiasseiches ungetrübt zu erhalten« Das sei aUch die vornehmall Aufgabe des Ordens, der die Brüderlichkeit aur seine Fahne geschrieben habe, Sein Bestand sei deshalb eine unabweisbare Notwendigkeit Um aber Diener des Propheten des Messiasreiche» au seit, müßte» Frieden und Harmonie in eigener Brust her« sehen. Dieses könne der Orden bewirken. Unseaj Altvorderen härten uns vorbildlich den Weg gezeifijl In Gebet, Sabbat und Neumond [hätten sie trotz Verfolgung, Hohn und Verachtung den Gleichmut wieder gefunden. So müßten auch wir dem durstende* Qemüte einen Sabbat, der hungrigen Seele eine Geisteserneuerung, einen Neumond in unserem Tempel bereiten. Im Lehrhause, der Jeschiwah, hätten da» Alten ihren Geist neu belebt Inl unserem Osden sotten wir der Jeschiwah einen neuen Tempel errichten, den alten Lehren ein neues Gewaad wirken. Was jüdische und deutsche Denker and Dichter gedacht und empfunden, solle in der Jeschiwah da» Osdens Hera und Geist nahegebracht, so daft dk