Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1918
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
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sollte sich einer am Beispiel und Vorbild des andern heranbilden, den Charakter festigen, das Gemüt verfeinern, das Selbstbewußtsein stärken, das Verantwortungsgefühl erhöhen, mit einem Worte sich duxh sittliche Führung zu freiem wahrem Menschentum erheben. In eindringlichster Weise richtete Maretzki diesen Appell immer wieder von neuem an, die Brüder. „Gerade wir Söhne des Bundes sollen allen Geist! und alle Kraft daran setzen, die Bezeichnung des auserwählten1 Volkes als eine erhabene Pflicht aufzufassen, uns zu bewähren durch Reinheit der Sitten, Hoheit der Gesinnung, Bescheidenheit im Wesen, Lauterkeit des Charakters". Nur so könnten wir das Ziel erreichen, den Orden zu einem geistigen Sammelpunkte für alle fördernden und veredelnden* Bestrebungen zum Segen der Menschheit auszugestalten. Auf den Boden. dieser Erziehung pflanzte Maretzki die schönste Blume der Menschenliebe — die soziale Arbeit Wie wir fühlen und denken, das sollen wir in Taten zu Nutz und Frommer, der Allgemeinheit umsetzen., Wir dürfen, so kündet der Meister, uns nicht auf die Wohltätigkeit im engeren Sinne des Wortes beschränken, die bei bestem Willen regellos sei, an ihre Stelle müßte die Organisation der Selbsthilfe, die Wohlfahrtspflege nach bestimmten Gesetzen treten. Die soziale Fürsorge soll Gesunkene zur Menschenwürde erheben, die Armen stark machen, um sich selbst zu helfen, erzieherisch auf die Hilfsbedürftigen wirken, ihre eigene Energie wecken,'die durch Abstumpfung verloren gegangenen Kräfte wieder zu neuem Leben anfachen. Die Erkenntnis von der Notwendigkeit und Wichtigkeit einer solchen positiven Arbeit in die Logen hineingetragen zu haben, müssen wir Maretzki zum höchsten Verdienste anrechnen. Seine Anregungen fielen auf fruchtbaren Boden. „Es wurde ein echter Altruismus geboren, der der menschlichen Natur ihr Recht auf Wohlergehen i nicht nur lassen, sondern erobern will." Die mannigfachsten sozialen Schöpfungen unserer Logen verdanken dieser philanthropischen Erleuchtung unserer Brüder Entstehung, Blüte und Wachstum. Mit der Inangriffnahme sozialer Arbeiten trat der Orden aus seiner Zurückgezogenheit und Stille in die breite Oeffentlichkeit heraus und verband sich mit Außenstehenden und anderen Organisationen zu wertvollen Leistungen, die zunächst unserer Glaubensgemeinschaft, letzten Endes-aber der ganzen M jnschenfamilie zu dienen bestimmt waren. . Fas t für jedes Werk dieser weitvertweigten Liebestäti jkeit setzte sich Maretzki mit dem ganzen Gewicht seines Ansehens, seiner 'Beredsamkeit und Erfahrung nachdrücklich ein. Sa empfingen urfsere Ferienkolonien und Arbeitsnachweise, die Krankenschwesterneinrichtung der Großloge, die neutrale Jugendbewegung und ganz besonders die vielseitige gemeinnützige Betätigung der jüdischen Frauen dur:h "seine Propaganda eine bedeutsame Förderung. Mit ganz besonderer Vorliebe widmete er sict dem von Br. Tuch-Haniburg angeregten Problein der Bekämpfung des osteuropäischen Mädchenhandels. Es war wesentlich sein Verdienst, daß die Großloge von 1897 zu diesem Zwecke ein Komitee einsetzte, das durch eifrige Werbetätigkeit die Aufmerksamkeit der ganzen jüdischen Welt auf jenes schändliche, die Ehre unserer, "Glaubensgemeinschaft herabwürdigende Gewerbe lenkte Den vereinten Kräften gelang es, dem unheilvollen Treiben der Mädchenhändler Einhalt zu gebieten. Schon auf dem Vorkongreß in Frankjfürt a.'M. vom Jahre 1902 konnte Maretzki über die'ersten Ergebe nisse dieser Arbeit berichten. Er gab dort die von allen Seiten begrüßte Anregung zu Beschlüssen, die ein gesetzgeberisches und administratives Eingreifen gegen die Händler forderten, er verlangte weiter die Besserung der sozialen Lage-jener Volksschichten, aus denen die Objekte des Handels hervorgingen, und lenkte großzügig das Augenmerk der Versammlung auf die damit enjj verwachsene Prostitutionsfrage. Auch auf der jüdischen internationalen Konferenz zur Bekämpfung des-Mädchenhandels in London von 1910 entfaltete-Maretzki eine allgemein anerkannte, dem Ofden 2U Ruhm und Ehre gereichende Tätigkeit. Auf seinen Einfluß ist es zurückzuführen, daß an das „Deutsche National-Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels" sich das jüdische Komitee angliederte und ihn als Mitglied kooptierte. In dieser großen -Körperschaft hat er unermüdlich seine segensreiche Arbeit fortgesetzt.; . In engstem Zusammenhange mit diesem Pro-, blerhe stand sein Studium der sozialen Verhältnisse der I Juden in Galizien. Das namenlose Elend der dortigen Glaubensgenossen hatte ihn .so mächtig ergiiffen, daß er bald nach Mitteln und Wegen für eine wirkungsvolle Rettungsaktion unter der Flagge des Ordens zu suchen begann. Auf der. Delegiertenkonferenz des deutschen und österreichischen Distriktes in Prag von 1898 griff er'dfese — 2Q — y